Jelinek-Uraufführung

"Um nichts im Tod" will sie zurück

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat für die Essener Philharmonie ein Auftragswerk geschrieben, das im vergangenen Sommer ebendort von der hochschwangeren Johanna Wokalek auf einem Kleiderberg in einer einstündigen Performance vorgelesen wurde. Schatten (Eurydike sagt) heißt das neue Sprachkunstwerk der wortgewaltigen Dichterin und Moralistin, die stets gegen den Alltagsfaschismus und das „gesunde Volksempfinden“ und für die Rechte der Frau gekämpft hat.

Theater
Jelineks Schatten-Drama, dessen Theaterfassung morgen im Akademietheater von Burg-Chef Matthias Hartmann uraufgeführt wird, basiert auf dem griechischen Mythos vom Sänger Orpheus, der seine junge Ehefrau Eurydike durch einen tödlichen Schlangenbiss verliert und in die Unterwelt steigt, um sie zurückzuholen. Zahlreiche Komponisten, von Monteverdi, Reinhard Kaiser und Johann Joseph Fux über Rameau, Telemann, Gluck, Haydn oder Offenbach, bis zu Henze und Philipp Glass haben den Orpheus-Mythos veropert.

Theater
Bei Elfriede Jelinek steht nicht Orpheus im Mittelpunkt der Textfläche ohne Rollen und Dialoge, sondern Eurydike, und das Ganze spielt in der heutigen Zeit: Eurydike war zu Lebzeiten eine Autorin, die stets im Schatten ihres Mannes, des Popstars Orpheus, stand. Sie vermisst zwar ihre Kleider im Schattenreich, aber „um nichts im Tod“ will sie von ihrem narzisstischen Sängergatten zurückgeholt werden ins unerträgliche Reich des Realen, in dem es nur so wimmelt von kreischenden, mänadenartigen Groupies ...

Autor: E. Hirschmann-Altzinger
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