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Unwetter: Nova Rock stand vor Abbruch

Das Nova Rock in Nickelsdorf, Österreichs größtes Rockfestival mit mehr als 50.000 Besuchern pro Tag, ist Samstagabend an einem Abbruch "knapp vorbeigeschrammt", wie Veranstalter Ewald Tatar sagte. Die Areale vor den beiden Hauptbühnen waren zuvor wegen einer Unwetterwarnung geräumt worden.

"Alles lief sehr geregelt, die Fans waren kooperativ", so Tatar. Einige Kilometer vom Open-Air-Gelände im Burgenland entfernt sind schwere Regenfälle niedergegangen. Diese blieben auf den Pannonia Fields ebenso aus wie ein prognostizierter Sturm. Das Programm wurde mit einer halbstündigen Verspätung wieder aufgenommen.

"Hört auf zu drängen"
Joan Jett hatte ihren Auftritt verkürzen müssen. Kurz vor 21.00 Uhr war nach dem Hit "I Love Rock n Roll" Schluss. Ein starker Wind fegte über das Gelände und wirbelte extrem viel Staub auf. Teile der Bühnenaufbauten mussten aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Nach der Entwarnung strömten die Fans auf das Areal zurück. Es kam zu Gedränge. "Hört sofort auf zu drängen, ihr verletzt andere dadurch" war auf einem Hinweisschild der Organisatoren zu lesen. Außerdem wurde mit Durchsagen an die Vernunft appelliert. "Auch diese Situation war rasch im Griff", hieß es bei der Polizei.

Brautpaar am Nova Rock
Wenn Green Day am Samstagabend am Nova Rock ihren Hit "Boulevard Of Broken Dreams" zum Besten geben, werden Romantiker ihre Feuerzeuge zücken. Ein Paar erlebt dann einen ganz besonderen Moment. Nicht nur weil es "ihr" Lied ist, sondern weil Tamara und Armin Leitner am Freitagnachmittag in Weiden am See "Ja" gesagt haben - und zwar fünf Jahre nach ihrem Kennenlernen am Nova Rock. Am Samstag besuchten sie in voller "Hochzeitsmontur" das Open Air.

Am 11. Juni 2005 feierte das Festival in Nickelsdorf Premiere. Unter den mehr als 150.000 Besuchern waren auch Tamara aus Gols (Bezirk Neusiedl am See) und Armin aus St. Pölten. Ein Blick habe der heute 35-Jährigen damals gereicht, erzählte sie: "Ich hab ihn gesehen und zu einer Freundin gesagt, den heirate ich."

Besucher grölen Hochzeitsmarsch
Den letzten gemeinsamen Song, den die beiden damals gehört hatten, bevor sich - für nur kurze Zeit - ihre Wege trennten, war eben "Boulevard Of Broken Dreams". Das Paar hätte nicht an ein Wiedersehen gedacht, "alleine schon wegen der Distanz und dem Altersunterschied". Doch Tamaras Aufforderung "Melde dich irgendwann" folgten rasche Taten. "Sicherheitshalber hab ich gleich am nächsten Tag angerufen", scherzte Armin (27). Genau fünf Jahre später haben sich die beiden nun getraut. Dass sie einen Tag später, wenn Green Day wieder auf die Bühne treten, im Brautkleid und Anzug wieder nach Nickelsdorf fahren werden, "war klar".

Der "Auftritt" des Brautpaares auf den Pannonia Fields am Samstag - bei extremer Hitze - war umjubelter als so mancher Auftritt auf den Bühnen. Schon beim Einlass stellten sich Besucher zum Gratulieren an, grölten den Hochzeitsmarsch und ließen sich mit den beiden fotografieren. Zwei Mädchen begannen zu schwärmen: "In fünf Jahren möchte ich auch hier heiraten", meinte eine von ihnen, eine 17-jährige Niederösterreicherin. Beim Anlegen der Eintrittsbänder sagte die dafür zuständige Festivalmitarbeiterin: "Das sind jetzt eure Eheringe."

Erst The Hives zünden
Auch wenn sich viele Campierer mit dem angebotenen Shuttle auf den Weg zum Neusiedler See gemacht hatten, konnte die Pop-Punk-Combo Zebrahead in den frühen Nachmittagsstunden mit einer dynamischen Darbietung für perfekte Stimmung sorgen. Eröffnet worden war das recht bunte Programm auf der "Blue Stage" mittags von der unermüdlich rackernden Grazer Hardcore-Truppe Redlightflash. Danko Jones ließ nach den gefeierten Zebrahead, die das Areal vor der Bühne zum Moshpit (Kreis, in dem Zuschauer tanzen, Anm.) umfunktioniert hatten, seinen direkten, von 70iger-Jahre-Acts beeinflussten Prolo-Rock vom Stapel. Der Opener "I Think Bad Thoughts" passte perfekt zur Kulisse.

Doch erst bei The Hives zogen Menschenkarawanen vor die Bühne. Wie immer standen die Schweden in Maßanzügen vor ihren Fans, auch auf die Show der Alternative-Rocker, der Einflüsse von Punk bis Garagenrock reichen, kann man sich verlassen. Schön die Ansagen von Sänger Howlin' Pelle Almqvist: "Heiße Temperaturen sind in meinem Kopf. Dafür muss ich einen Punk-Gesang spielen." Und dann begrüßte er zum Leidwesen der Security die ersten Reihen per Handschlag.

Metal dominiert auf "Red Stage"
Weniger gut, weil im schlechten Sound untergehend, präsentierten sich die als Geheimtipp gehandelten Enter Shikari. Zwar zeigte sich, dass die Mischung aus Hardcore und elektronischen Trance-Klängen auch bei Open Airs funktioniert und ankommt, allerdings waren die Briten (und ihre Techniker) nicht in bester Tagesform.

Der zweite Schauplatz, die "Red Stage", hätte zur Halbzeit des Festivals auf den Pannonia Fields auch "Black Stage" heißen können: Mit buntem Gewand war man fast ein Exote, schwarze Metal-T-Shirts dominierten unter den männlichen Zuschauern. Gab es doch mit u.a. Skindred, Amon Amarth und Hatebreed bis zum Abschluss mit Slayer ein durchwegs extrem hartes Programm. Spätestens bei den brachialen Heaven Shall Burn, die gekonnt eine Wand aus Hardcore, Thrash und Death mit ihren Instrumenten mauerten, war Headbangen angesagt.

Rotes Kreuz: "Nichts Tragisches"
Auf dem Campingplatz machte sich unterdessen ein wenig Endzeitstimmung breit: Staub, ramponierte Zelte, Müll, Bierleichen und Uringestank sind allerdings bei solchen Events keine Überraschung.

Die Bilanz vom Roten Kreuz: "Nichts Tragisches", vermeldete Sprecher Thomas Horvath am Samstagabend. Abgesehen von kleineren Vergehen wie Diebstählen sowie Verlustanzeigen gab es laut Chefinspektor Franz Kampf auch bei der Polizei "keine gravierenden Vorkommnisse".

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