Villazon wieder in seiner Bestform

Löbl-Kritik

© Staatsoper/Axel Zeininger

Villazon wieder in seiner Bestform

Ein großer Theaterabend und nicht bloß eine erstklassige Opernvorstellung. Denn Rolando Villazon bewies bei seinem Comeback nicht nur, dass er sich stimmlich erholt hat, dass sein Tenor so sinnlich, ausdrucksvoll, mitfühlend und höhensicher ist, wie wir ihn in Erinnerung haben. Villazon hat die literarische Figur des Werther auch lebendig gemacht, mit bewundernswerter Konzentration gespielt, mit Sensibilität Weltschmerz glaubhaft gemacht. Denn hier, in Goethes Briefroman und in Massenets Oper, geht es nicht nur um eine gescheiterte Liebesbeziehung, sondern um eine tiefe Depression.

Zusammenspiel
Dank einer wunderbaren Partnerin konnte Villazon dies darstellen. Sophie Koch hat als Charlotte ihre bisher überzeugendste, eindringlichste Leistung auf der Wiener Opernbühne geboten. In den beiden letzten Akten hatte man den Eindruck, hier werde nicht mehr Oper gesungen, sondern ein Schicksal nacherlebt. Die Intensität des Zusammenspiels, der vokalen Übereinstimmung machte die Bühne zur Wirklichkeit, den Zuschauer fast zum Voyeur. Großartig!

Die Reaktion des Publikums in der überfüllten Staatsoper war dem Anlaß und Ereignis angemessen. Der spontane Auftrittsplaus schien für Villazon unerwartet zu kommen, der Jubel am Schluß von Werther geriet zur Ovation. Wie schön, dass dieser Künstler sein Burnout hörbar und sichtlich überwunden hat. Neben Sophie Koch hatten auch Laura Tatulescu, Markus Eiche, Marco Armiliato als Dirigent großen Anteil an der starken Aufführung. Morgen mehr.

loebl
Von ÖSTERREICH-Kritiker Karl Löbl

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