Volkstheater-Direktorin geht nach Vertragsende

Anna Badora

Volkstheater-Direktorin geht nach Vertragsende

Anna Badora, die vor drei Jahren angetretene Intendantin des Volkstheater Wien, wird sich nach Ablauf ihres bis zur Saison 2019/20 laufenden Vertrages nicht wieder bewerben. Das gab die Regisseurin und Theaterleiterin am Dienstagnachmittag den Mitarbeitern ihres Hauses bekannt.

Klage über mangelnde Planungssicherheit

"Da sich durch verschiedene Umstände die Situation für das Volkstheater geändert hat, und da ich diese Umstände nicht weiter ignorieren kann, weil sie auf unsere Arbeitsbedingungen unmittelbar Einfluss haben, werde ich mich nicht für eine zweite Amtszeit bewerben", hieß es dazu anschließend in einer Aussendung. "So ist ohne ein Minimum an finanzieller Planungssicherheit, ohne auch nur die geringste Kommunikationsmöglichkeit mit den Verantwortlichen im Bund ein solches wichtiges Haus nicht zu führen", begründete Badora ihre Entscheidung.

Badora, die zuvor neun Jahre lang höchst erfolgreich das Grazer Schauspielhaus geleitet hatte, war 2013 als Nachfolgerin von Michael Schottenberg präsentiert worden. Mit ihrem Antritt in Wien in der Saison 2015/16 tauschte die 1951 in Tschenstochau geborene Direktorin nicht nur einen Großteil des Volkstheater-Ensembles aus, sondern versuchte sich auch an einer Neupositionierung des traditionell schwierigen Hauses. Mit dem Volx/Margareten gab sie der zuvor als Hundsturm bekannten Nebenspielstätte einen neuen Anstrich, auf der Hauptbühne suchte sie die Balance zwischen zeitgenössischer Auseinandersetzung mit aktuellen Themen sowie der Pflege heimischer Klassiker wie Horvath oder Nestroy. Parallel leitete sie die lange ausständige Sanierung des Hauses in die Wege, die zuletzt verschoben werden musste.

"Spannendes, anregendes, aufregendes Theater"

Sie habe gemäß ihres Auftrags seit ihrer ersten Spielzeit mit großem Einsatz versucht, "dem Volkstheater ein entsprechendes zeitgenössisches Profil zu geben, neue Formate zu etablieren, neue Bevölkerungsschichten, auch junge, für das Theater zu erschließen, sowie das Theater in die Stadt zu tragen", so die Intendantin weiter.

"Diesem Stiftungszweck fühlen wir uns auch für die kommenden zwei Spielzeiten verpflichtet. Ich verspreche dem Publikum in diesem Sinne spannendes, anregendes, aufregendes Theater", ließ Badora verlauten.

Kaup-Hasler: Möglichkeit, über Zukunft nachzudenken

Die seit wenigen Wochen im Amt befindliche Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bekundet in einer Aussendung "großen Respekt" vor Anna Badoras Entscheidung. Zugleich eröffne ihr Ausscheiden nach der Saison 2019/20 die Möglichkeit, "über die zukünftige Ausrichtung des Volkstheaters nachzudenken".

"Aber erst einmal freue ich mich auf zwei künstlerisch spannende Jahre, in denen Anna Badora das Volkstheater und ihr starkes Ensemble führen wird", so Kaup-Hasler, die sich für Badoras Einsatz bedankte. "Mit ihrem Ensemble hat sie für das Haus gekämpft und wird es auch die nächsten Jahre tun." Badora habe sich der Herausforderung gestellt, das Volkstheater unter schwierigen Bedingungen zu übernehmen und dessen Sanierung in die Wege zu leiten. "Für diesen Schritt und ihren Mut gebührt Badora großer Dank und Wertschätzung."

Nun gehe es darum, darüber nachzudenken, "welche Rolle dieses Theater mit seiner besonderen Geschichte und seiner Lage in einer sehr reichen Theaterstadt haben sollte, um eine einzigartige Stellung zu bekleiden". Bereits in ihrem Antrittsinterview hatte Kaup-Hasler gegenüber der APA von geplanten "Weichenstellungen für die Zukunft des Volkstheaters" gesprochen.

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