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Salzburg

 

 

 

 

Von magischer Trauer

Der Vorhang geht auf. Ein weiß-grauer Schleier, auf der Bühne nur ein Stuhl. Eine Frau steht daneben, elegant in grauer Hose und weißer Bluse. Sie wirkt verloren im großen Raum. „Es passierte am 30. Dezember 2003“, sagt sie auf Englisch. An diesem Tag starb ihr Mann John. Obwohl schon eine Weile her, ist es für die trauernde Frau noch nicht vorbei.

Mit wuchtiger Bühnenpräsenz gestaltet Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave den Auftritt bei der Festspiel-Premiere von The Year of Magical Thinking. Die Vorlage lieferte die amerikanische Autorin Joan Didion, die innerhalb eines Jahres Ehemann und Tochter verlor und mit dem Stück ein Credo über die Bewältigung des Schmerzes schrieb.

Redgrave setzt diesen komplexen Text sensibel um. Mit winzigen Gesten, erzählt sie eindringlich eine Geschichte des Verlustes. Melancholisch-traurig, aber auch humorvoll. Ihr Blick ist dabei voll magischer Trauer, leicht verrückt. Sie ist dem Wahnsinn nahe, aus dem es nur eine Art des Entrinnens gibt: Man muss mit der Veränderung mitgehen.

Standing Ovations
Das Premieren-Publikum reagierte mit Standing Ovations. Broadway-Regisseur David Hare verstand es, den Text durch ein minimalistisches Bühnenbild noch gewaltiger erscheinen zu lassen. Redgrave ist mit diesem Stück heute Abend (19.30 Uhr) noch ein letztes Mal zu sehen.

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