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Weltmusikkonzert fiel ins Wasser

Rosen und Regen

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Weltmusikkonzert fiel ins Wasser

Bands mit Integrationshintergrund aus dem Kongo und Brasilien, Witterung wie in Nordfinnland: Das "Into the City"-Konzert im Rahmen der Wiener Festwochen ist am Samstag unter keinem guten Stern gestanden. Der stabile Dauerregen, der pünktlich zu Konzertbeginn eingesetzt hatte, minimierte die Besucherzahl auf den überschaubaren Umfang einer Clubsession. Überdies musste mit "Balkan Beat Box" einer der Hauptacts kurzfristig absagen - der Sänger Tomer Yosef war am Vortag von einer Bühne gestürzt.

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Zehn heimische Formationen
Als internationale Band, welche die zehn heimischen Formationen, allesamt mit Migrationshintergrund, unterstützte, blieb somit nur Ojos de Brujo aus Barcelona über. Aber auch ohne importierte Weltmusik zeigte sich am Rathausplatz das breite Spektrum heimischen crosskulturellen Schaffens. So bearbeitete der brasilianischstämmige Jazzgitarrist Alegre Correa mit seiner Band Melodiefragmente des Donauwalzers, während das "Vienna Rai Orchestra" gemeinsam mit Akkordeonspieler Otto Lechner den kulturübergreifenden Mix auf Instrumentenebene pflegte. Auch die Veteranen der Wiener Ethnomusik, die Tschuschenkapelle, waren mit einem Kurzauftritt mit von der Partie - wie die meisten Formationen auf der gigantischen Festwochenbühne etwas verloren wirkend. Als Höhepunkt gelang es Russkaja mit ihrer Skapersiflage die Fans zu wärmenden Bewegungen zu bringen.

Organisiert wurde das Konzert von der Festwochenschiene "Into the City", die heuer ihr Fünf-Jahres-Jubiläum begeht. Seit 2006 versucht man sich an niederschwelligem Kulturzugang für verschiedene Bevölkerungsgruppen, heuer erstmals mit einem Open-Air. "Bei schönem Wetter kann jeder auf Konzerte gehen", motivierte hierbei das Moderatorenduo Stermann & Grissemann das Publikum. Im Trockenen zu hören sind alle Bands neben zahlreichen weiteren auf der jüngst veröffentlichten CD "Migrant.Music.Vienna", deren Teilerlös Ute Bock und ihrer Flüchtlingshilfe zugutekommt.

Am Abend selbst erfreute sich jedenfalls die Aktion "100.000 Rosen" zumindest ebenso großer Beliebtheit wie das Geschehen auf der Bühne. Im Rahmen des Projekts "X-Change", das seit dem Vorjahr Prominente mit Migrationshintergrund in Schulen entsendet, um dort den Kindern etwaige Ängste vor "dem Fremden" zu nehmen, wurden die Blumen kostenlos an jene verteilt, die sich trotz Witterung vor die Tür gewagt hatten.

Blumenmosaik
Zur gestrigen Festwocheneröffnung hatte man neben dem Burgtheater auf 2.000 Quadratmetern ein buntes Blumenmosaik zweier Hände arrangiert. Am heutige Konzertabend wurden die Rosen dann in Rekordzeit von Prominenten wie Schauspieler Karl Markovic, Society-Maskottchen Jeannine Schiller oder Caritas-Direktor Michael Landau mit der Bitte an die Besucher verteilt, die Rose einem fremden Nachbarn zu überreichen und so mit diesem ins Gespräch zu kommen. Die meisten Besucher schienen viele dieser unbekannten Nachbarn zu haben - wenn man von der Größe der von dannen getragenen Sträußen ausgeht.

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