Wiener Konzerthaus - Chopin ohne Parfum

Kritik

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Wiener Konzerthaus - Chopin ohne Parfum

„Ich bin wohl ein eher melancholischer Musiker, aber ziemlich glücklich dabei“, sagt Rafal Blechacz. Er ist 22 Jahre alt, stammt aus einer polnischen Kleinstadt, hat 2005 den Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen.

Klassik
„Nachher bin ich mir selbst fast abhanden gekommen“, gesteht er. Interviews, Konzerte, Reisen, das alles war für ihn neu. Seine Vorbilder und Kollegen kennt er nur von Platten, denn er hat noch nie einen Klavierabend gehört, „aber ich vermisse das nicht“.

Stark
Jetzt hat Rafal Blechacz im Konzerthaus debütiert und dabei den starken Eindruck seiner ersten CD bestätigt. Wie auf dieser spielte er nur Chopin: alle 24 Préludes op.28, drei Mazurken, die h-moll-Sonate. Er betont den polnischen Chopin ohne französisches Parfum, lässt wo immer möglich auf dem Klavier eine Melodie singen und dabei raffinierte Rubati wirken, bleibt aber stets im klar definierten Rhythmus. Die Technik ist brillant, aber niemals Selbstzweck, die Dynamik reicht vom zärtlichen Piano bis zum niemals gewalttätigen Kraftausbruch eines Fortissimo. Jedes Stück wird mit Klarheit erzählt und behält doch ein Geheimnis.

Vielleicht macht das diesen Künstler so außergewöhnlich. Denn Pianisten, die geheimnislose Musik machen, sind bloß Kunsthandwerker.

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