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Staatsoper spielt wieder Daphne

Schade und Botha

Staatsoper spielt wieder Daphne

"Daphne" wird am 10.12 in der Wiener Staatsoper wiederbelebt. Die Inszenierung bekamen die Wiener Mitte Juni 2004 das erste Mal zu sehen, ehe sie im Mai 2007 im Depot verschwand. Und auch die Dirigentin arbeitete - mit Ausnahme ihrer Mitwirkung an der Abschiedsgala von Direktor Ioan Holender - die vergangenen fünfeinhalb Jahre nicht an der Wiener Staatsoper: Die Wiederaufnahme der "Daphne" von Richard Strauss ist am Samstag (10. Dezember) also durchaus keine Routine-Angelegenheit. Simone Young nimmt die Aufgabe ernst.

Daphne wurde 1938 uraufgeführt
Die 1938 uraufgeführte, im alten Griechenland spielende späte Strauss-Oper rund um die unschuldige Daphne, die vom Schäfer Leukippos und Gott Apollo begehrt wird, wurde 2004 von Regisseur Nicolas Joel als tiefenpsychologisches Seelendrama interpretiert. Die Titelfigur ist bei ihm ein weltfremdes Mädchen aus dem 19. Jahrhundert in einem griechisch-historizistischen Salon, das sich die Geschichte um Reinheit, Lust und Begehren erträumt. Sie habe kein Problem mit dieser Interpretation, sagt Young. "Im Detail gibt es nichts, was gegen die Musik wirkt. Vergessen Sie nicht, ich leite ein deutsches Opernhaus. Psychoanalytische Produktionen sind mir daher nicht fremd."

Hochkarärige Besetzung
Bei der Premiere dirigierte Semyon Bychkov. Von der Premierenbesetzung sind Michael Schade (Leukippos) und Johan Botha (Apollo) mit dabei, die beiden zentralen Frauenpartien dagegen sind neu besetzt: Die US-amerikanische Sopranistin Meagan Miller, an der Volksoper bisher u.a. in "Ariadne auf Naxos" und "Der König Kandaules" zu hören, gibt als Daphne ihr Haus- wie Rollendebüt, die österreichische Mezzosopranistin Elisabeth Kulman, die nach einem Bühnenunfall im Sommer um ihre Stimme fürchten und Spitzenengagements absagen musste, singt erstmals Daphnes Mutter Gaea.

Sehr gute Mischung
Für Simone Young ist diese Kombination aus neuen und in dieser Produktion bereits erfahrenen Sängern "eine sehr gute Mischung". Sie gilt als Strauss-Spezialistin, kennt "Daphne" von einer konzertanten Spielserie in Hamburg und hat im Haus am Ring bereits "Salome", "Elektra" und "Frau ohne Schatten" dirigiert. "Ich habe es immer genossen, in Wien Strauss zu dirigieren." Auch jene Wiederaufnahmen, die mit der vielbeschäftigten Opernchefin für die kommenden Jahre in Wien vereinbart sind, betreffen Strauss und Wagner.

Staatsoperndebüt bereits 1993
Ihr Staatsoperndebüt gab die Australierin 1993 jedoch mit Puccinis "La Bohème". Für Young "ein ganz besonderer Abend", weniger, weil sie die erste Frau war, die in der Wiener Staatsoper eine Oper dirigieren durfte, sondern, weil es eine Begegnung mit einer großen Tradition war. "Es ist vielleicht für Europäer schwer vorzustellen, wie weit weg ein Land wie Australien ist. Ich kam nicht aus einer Familie, in der viel Geld übrig war, d.h. meine Kenntnisse von Europa waren sehr begrenzt. Als ich zum ersten Mal nach Europa kam, war es für mich, als ob die Bücher, die ich gelesen, und die Schallplatten, die ich gehört hatte, lebendig würden. Für mich vor diesem Orchester zu stehen, am gleichen Platz, wo so viele meiner Vorbilder gestanden hatten, war ein großes Privileg und eine große Herausforderung", so Young. "Dass es dann zu so einer langen Zusammenarbeit gekommen ist, und wir auch Pläne für die nächsten Spielzeiten haben, ist etwas, worauf ich sehr stolz bin, aber auch sehr dankbar."

Infos
Richard Strauss: "Daphne". Regie: Nicolas Joel, Ausstattung: Pet Halmen, Dirigent: Simone Young. Mit Meagan Miller, Elisabeth Kulman, Michael Schade, Johan Botha, Georg Zeppenfeld u. a.; Wiederaufnahme am 10. Dezember, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: 13., 16. und 19. Dezember. Karten: 01 / 513 1 513,  oder www.staatsoper.at.

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