14. Oktober 2009 16:09
"Hitler-Zwerge"
erregen die Gemüter im bayerischen Straubing. Grund sind 1250 Gartenzwerge,
die den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt haben und in der Altstadt in
Reih und Glied stehen. Eine Installation mit den umstrittenen Figuren des
Nürnberger Kunstprofessors Ottmar Hörl wird noch bis zum Montag (19.
Oktober) in der Straubinger Altstadt verweilen und für Gesprächsstoff
sorgen.
Foto:
(c) AP
Will provozieren
Obwohl das Projekt erst am Donnerstag, 15.10.,
offiziell eröffnet werden soll, scharten sich bereits am Mittwoch die
Passanten um Hörl und seine mittlerweile international berühmt gewordenen
Zwerge. Zahlreiche Bürger und auch eine Schulklasse blieben neben der
Installation stehen und setzten sich damit auseinander. Solche Reaktionen,
auch wenn sie ablehnend sind, sind ganz im Sinne des Künstlers. "Ich
habe die Arbeit nicht gemacht, um in Gleichgültigkeit zu scheitern",
kommentiert der 59-Jährige die Reaktionen.
Titel "Dance with the devil"
Hörl nennt die
Protagonisten seiner Installation "poisoned" (vergiftet). Das
ganze Straubinger Kunstprojekt bekam den Titel "Dance with the devil"
(Tanz mit dem Teufel). Hörl will ganz allgemein vor der Manipulation der
Massen durch Diktatoren warnen. Darüber hinaus sieht der Künstler
Rechtsextremismus nicht nur als deutsches Problem. In anderen Ländern
Europas gebe es ebenfalls Neonazis, betont er.
Staatsanwaltschaft prüfte Strafverfahren
Er hat seine
Gartenzwerge bereits mehrfach im In- und Ausland gezeigt. So war eine aus
700 Wichteln bestehende Installation auf einer Kunstmesse im belgischen Gent
zu sehen, in Aschaffenburg wurden vor wenigen Monaten 400 Zwerge
präsentiert. Im Sommer hatte dann ein goldener "Hitler-Zwerg"
in einer Nürnberger Galerie für Wirbel gesorgt. Die Staatsanwaltschaft
prüfte daraufhin ein Strafverfahren, sah aber von Ermittlungen ab. Weil Hörl
den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preisgeben wolle, sei das
Ausstellen der Zwerge nicht strafbar, befanden die Staatsanwälte.
Kritische Auseinandersetzung mit dem Hitler-Regime
Auch für die
Stadt Straubing war es von Anfang an wichtig, dass es eine kritische
Auseinandersetzung mit dem Hitler-Regime ist. Dennoch sieht Bürgermeister
Markus Pannermayr (CSU) das Projekt distanziert. Es gebe erhebliche
Vorbehalte gegen die Installation, sagt er. "Die Meinungen in der
Bevölkerung scheinen weit auseinander zu gehen." Dabei sei es
nicht so, dass sich die Menschen nicht mit dem Problem des Rechtsextremismus
beschäftigen wollten. "Es ist die Frage, ob das die geeignete Form
der Auseinandersetzung ist", meint Pannermayer angesichts der
Zwergen-Invasion.
600 Quadratmeter große Fläche
Der Straubinger
Kulturausschuss hatte es abgelehnt, das Projekt im Namen der Stadt zu
präsentieren. Ein Grund dafür seien neben inhaltlichen Bedenken auch die
Kosten von 20.000 Euro gewesen, berichtet der Rathauschef. Letztlich wurde
die Installation dann vom der Straubinger SPD in Auftrag gegeben. Die
Stadtverwaltung stellte eine 600 Quadratmeter große Fläche am zentralen
Ludwigsplatz zur Verfügung.
Einzelne goldene Zwerge
Dort stehen nun zahlreiche schwarze "Hitler-Zwerge",
die in alle Himmelsrichtungen blicken. Dazwischen sind einzelne goldene
Zwerge verstreut. Auch wenn die Zwerge das neben dem Hakenkreuz bekannteste
Symbol der Nazizeit zeigen, geht es Hörl nicht nur um den Terror von Rechts.
Das gefährliche "Führer-Prinzip" kommt für ihn auch in
anderen diktatorischen Systemen vor. "Ich hätte auch eine
kommunistische Faust darstellen können", sagt er.