Wirbel um Sex-Wett-Sendung

"50 pro Semester"

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Wirbel um Sex-Wett-Sendung

Schon vor der ersten Ausstrahlung sorgt eine von ProSieben geplante Sendung für heftige Kritik. In der Doku-Serie "50 pro Semester" sollen fünf Studenten mit der Wette gegeneinander antreten, wer in einem Semester 50 Männer oder Frauen ins Bett bekommt. Das Ganze ist aber keine echtes Realityformat, sondern eine Schein-Dokumentation mit Schauspielern - das Format nennt sich "Scripted Reality". Ob das den Zuschauern immer bewusst ist, bleibt jedoch fraglich.

Moderne "Kopfgeldjagd"
"Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art moderner "Kopfgeldjagd" zu Sexobjekten degradiert werden", sagte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) der "Passauer Neuen Presse" vom Donnerstag, 10.1. "Nur weil es sich um einen Privatsender handelt, kann dieser nicht losgelöst von jeder gesellschaftlichen Verantwortung agieren." Haderthauer drohte rechtliche Schritte an: "Jeder, der bei uns Lizenzen verliehen bekommt, hat damit auch eine bestimmte Verantwortung übertragen bekommen. Gegen diese wird bei einem solchen Format grob verstoßen."

Negative Wertevermittlung
Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz, Wolf-Dieter Ring, sieht die Gefahr einer negativen Wertevermittlung. "Sexualität und Liebe werden möglicherweise zum Objekt." Ob bei "50 pro Semester" ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz vorliege, sei aber erst nach der Ausstrahlung zu sagen.

Kirchenkritik
Auch die Kirchen laufen Sturm: Der katholische Weihbischof des Erzbistums Hamburg, Hans Jochen Jaschke, sagte den "Lübecker Nachrichten": "Ich protestiere gegen die Erniedrigung und den Missbrauch menschlicher Gefühle in dieser TV-Show. Hier verkommen Liebe und Sex zu pubertären machohaften Spielchen." Die evangelische Bischöfin Maria Jepsen aus Hamburg kommentierte: "Es ist peinlich, wenn Sender auf diese Weise versuchen wollen, die Einschaltquote zu steigern." Nach Meinung der Landesvorsitzenden des Kinderschutzbundes in Kiel, Irene Johns, ist das Konzept "menschenverachtend".

Jugendschutzrichtlinien werden eingehalten
Eine Sprecherin des Senders betonte laut "PNP" hingegen, alles sei jugendfrei. "Die Jugendschutzrichtlinien werden eingehalten." Wie viel nackte Haut zu sehen sein werde, könne sie noch nicht sagen. "Wir haben am Montag erst mit der Produktion in München begonnen." Der Sendetermin der Pilotfolge ist am 18. Jänner um 16.00 Uhr.

Kritik im Sommer bei Baby-Sendung
Die Diskussion erinnert an die Aufregung vor der Ausstrahlung der RTL-Sendung "Erwachsen auf Probe" im Sommer. In der Reihe mussten Teenager vier Tage lang fremde Babys und Kinder versorgen, um sich als Eltern zu testen. Einer der Kritikpunkte lautete, dass Babys und Kleinkinder zu kommerziellen Zwecken Stress ausgesetzt würden. Mehrere Versuche, die Sendung über Strafanzeigen oder Beschwerden bei der Medienaufsicht zu stoppen, scheiterten

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