ÖSTERREICH: Frau Reiterer, haben Sie sich vor dem Finale eine
Favoritenrolle ausgerechnet? Claudia Reiterer: Ich habe mir keine
Gedanken gemacht, wer Favorit ist und wer nicht. Mir war der Sieg gar nicht
so wichtig, ich wollte unter die Top 2 kommen, damit ich zu You can leave
your hat on meine erotische Seite zeigen kann. Ich war 18 Jahre, als ich 9
1/2 Wochen im Kino sah und seither bin ich ein Cocker-Fan.
ÖSTERREICH: Sie haben eine starke Wandlung durchgemacht. Hätten
Sie sich vor 9 1/2 Wochen vorstellen können, diesen Erotik-Tanz hinzulegen? Reiterer:
Die größte Überwindung war für mich der Tanz zu Ich
will keine Schokolade, sondern einen Mann. Hier musste ich zum ersten
Mal öffentlich zeigen, wie ich privat bin. Aber Andy hat bei mir die
richtigen Knöpfe gedrückt, dass ich aus mir herausgehen konnte.
ÖSTERREICH: Trotzdem haben Sie mit dem Erotik-Strip am Parkett
das Publikum überrascht? Reiterer: So viel Erotik war da gar
nicht. Ich habe beim Showtanz mehr Stoff am Körper gehabt als beim Salsa.
Nur die Kulisse hat das Erotik-Flair erzeugt.
ÖSTERREICH: Was bedeutet Ihnen der Preis? Reiterer:
Ich bin sehr gerührt, weil es ein Publikumspreis ist. Allerdings habe ich
den Sieg noch nicht richtig realisiert.
ÖSTERREICH: Schadet der Titel Dancing Star 2009 Ihrer Karriere
als seriöse Info-Journalistin des ORF? Reiterer: Viele in
der Information belächeln die Unterhaltung. Ich halte sie für eine Kunst.
Deswegen habe ich keine Angst, dass mir der Titel schaden könnte. Ich bin
eine Jobhopperin und habe schon vieles gemacht – von der Krankenschwester
über Innenpolitik-Journalistin bis zum Dancing Star.
ÖSTERREICH: Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft auch eine
Show zu moderieren? Reiterer: Wenn ich ein Angebot bekomme, dann
würde ich es mir ernsthaft überlegen.
ÖSTERREICH: Wann haben Sie zum ersten Mal das Gefühl gehabt,
dass Sie tatsächlich den Titel holen könnten? Reiterer:
Nach dem Gruppenwalzer hatte ich zum ersten Mal eine Vorahnung, dass der
Sieg klappen könnte. Deswegen habe ich dann innerlich befreit den Showtanz
aufs Parkett gelegt.
ÖSTERREICH: Wie hat Dancing Stars Ihr Leben verändert? Reiterer:
Dancing Stars hat in mir wieder die Freude an der Bewegung geweckt. Ich habe
in den letzten zehn Jahren keinen Sport betrieben. Durch das harte Training
habe ich neun Kilo abgenommen und zwei bis drei Kilo an Muskelmasse
zugelegt.
ÖSTERREICH: Wie werden Sie feiern? REITERER: Mit
meiner Familie. In zwei Tagen haben mein Mann und ich Hochzeitstag. Wir
gönnen uns eine Woche Urlaub.
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Der ORF hat einen neuen Show-Star: TV-Journalistin Claudia Reiterer gewann
die 5. Staffel von „Dancing Stars“ und besiegte sogar die haushohen
Favoriten Ramesh „der Inder“ Nair und Schlagersänger Udo Wenders. Ihr
Trumpf-Ass: ein erotischer Tanz.
Triumph mit Sex Das hatte ihr wirklich keiner zugetraut. Als
Claudia Reiterer zum Song You can leave your hat on aus 9 1/2
Wochen wie einst Kim Basinger einen veritablen Strip hinlegte und sich zur
Textzeile Baby take off your dress von Tanzpartner Andy Kainz (alias
Mickey Rourke) aus dem engen Rock schälen ließ, bekam im Publikum sogar
Ehemann Lothar Lockl feuchte Hände. Erotische Seite „Mir
war wichtig, unter die ersten zwei zu kommen, damit ich diesen Showtanz und
auch meine erotische Seite zeigen kann“, sollte sie sagen, nachdem ihr Sieg
bei Dancing Stars feststand. Claudia Reiterer hatte mit dieser Nummer
wirklich alles auf eine Karte gesetzt. Nicht wenige, die angenommen hatten,
die seriöse und coole TV-Journalistin wäre damit den berühmten kleinen
Schritt zu weit gegangen, hätte das großteils prüde und konservative
Publikum des ORF-Hits verprellt. Finalsieg gegen Inder Das
Gegenteil war der Fall – die Zuseher waren hellauf begeistert: Obwohl sie im
Finale nicht mit den allerbesten Karten angetreten war – Schlagersänger Udo
Wenders hatte mit seinen Fanklubs bisher immer das Publikums-Ranking
dominiert, Profi-Tänzer „Inder“ Ramesh Nair hatte bei allen acht
Jury-Wertungen die Traumnote 10 geholt – wählten die TV-Zuseher zum Schluss
Claudia Reiterer überlegen gegen den Inder zum Dancing Star 2009. Erstaunliche
Entwicklung Damit fand eine erstaunliche Entwicklung ihren krönenden
Abschluss, die das Dancing Stars-Publikum seit Wochen mit Erstaunen
verfolgt: die Star-Werdung einer bisher Unscheinbaren. Geheimtipp In
den ersten Folgen der fünften Staffel hatte Claudia Reiterer eher in der
dritten Reihe getanzt. Gegen Anmut-Profis wie Sandra Pires und routinierte
Sex-Bomben wie Gitta Saxx schien die Info-Moderatorin, der auf dem
Bildschirm selten ein Lächeln auskommt, von vornherein aussichtslos. Doch
siehe da: Mit jedem Freitag wurde Reiterer selbstbewusster, lächelte mehr –
bei einer Salsa ließ sie erstmals ihre Erotik sprühen. Spätestens seit dem
Semifinale hatte sie sich zu einer Art Geheimtipp gemausert. Das Glück der
Tüchtigen kam hinzu: Mit Andy Kainz hatte sie wohl den besten verfügbaren
Tanzpartner – er hatte bereits Marika Lichter zum Sieg in Staffel eins
getragen.
Zum Schluss war es gar keine große Überraschung mehr, als sie Mirjam
Weichselbraun und Alfons Haider zur Siegerin erklärten.
Abgeschoben Dabei hatte Claudia Reiterer ihre ORF-Zukunft schon
einmal hinter sich. Im ORF unter Generälin Monika Lindner und Info-Direktor
Werner Mück war die mit einem Grün-Engagierten liierte linksliberale
Journalistin auf Grund gelaufen. Ihr Vorgesetzter machte sie nicht nur mit
sexistischen Bemerkungen fertig, sondern nützte auch ihre Babypause (am 24.
Dezember 2004 brachte sie Sohn Julian auf die Welt), um sie aufs
Abstellgleis zu schieben. Show-Talent Jetzt ist sie ein Star.
Im ORF wieder adäquat eingesetzt, zuletzt überzeugte sie auch als
Buch-Autorin mit einer Biografie über FPÖ-Chef HC Strache, bewies sie nun
Show-Talent. Ob sie jetzt auch das Metier wechselt und im ORF von der
Information in die Unterhaltung tanzt? „Wenn gute Angebote kommen, warum
nicht?“, sagt sie und meint es gar nicht kokett.
Ihre Info-Kollegen hätten ein wenig über die Show gelächelt – sie hält das
Fach aber für „große Kunst“.