Wr. Festwochen-Eröffnung als Klassik-Castingshow

Kultursommer

Wr. Festwochen-Eröffnung als Klassik-Castingshow

Bei wunderbarem Wetter ging am Freitagabend vor tausenden Besuchern die traditionelle festliche Open-Air-Eröffnung der Wiener Festwochen auf dem Rathausplatz über die Bühne. Fest wurde es dennoch keines, wenn man vom gewohnten Donauwalzer samt "Alles Walzer"-Aufforderung als Schlusspunkt absieht. Denn zum zweiten Mal nach 2006 bot die Eröffnung den Rahmen für das Finale der von der European Broadcasting Competition (EBU) organisierten "Eurovision Young Musicians Competition" - und diesmal war man endgültig beim Format der Castingshow angekommen.

Castingshow
Ein völlig unoriginelles Moderatoren-Duo (nur routiniert: Christoph Wagner-Trenkwitz, nur bemüht: Geigerin Lidia Baich, die den Wettbewerb 1998 selbst gewonnen hatte), eine von Roger Norrington angeführte Jury, die gut sichtbar auf einem hohen Podest schräg hinter den vom jungen Musikdirektor des Tiroler Landestheaters, Aleksandar Markovic, geleiteten Wiener Symphonikern postiert war (und daher zur Prüfung des Gebotenen Kopfhörer aufsetzen musste), sowie die wiederholte Erinnerung, dass das Publikum auf dem Platz und vor den TV-Geräten heuer Gelegenheit zum Voten habe, um einen Publikumspreis zu küren - all das hatte mehr mit einem bereits ziemlich abgenudelten Fernseh-Format zu tun als mit jenem künstlerischen Feuerwerk, das bis 15. Juni von den Wiener Festwochen abgeschossen wird. In Wirklichkeit bietet das gestern eröffnete Festival bereits seit etlichen Tagen ein hochkarätiges Programm.

Auf dieses Angebot wurde - außer im vorab gespielten Video - nicht Bezug genommen. Und sogar die EURO 2008, die noch Neujahrskonzert und Opernball ihren Stempel aufgedrückt hatte, wurde vor den Zusehern der Eurovisions-Sendung beinahe gänzlich ignoriert. "Wien wird für einige Tage die Fußballhauptstadt Europas", sagte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, vom Moderator um einige einführende Worte gebeten. "Es ist aber für lange Zeit die Kulturhauptstadt Europas."

Klarinettist Dionysios Grammenos als Sieger
Neben den Wiener Symphonikern und den Wiener Sängerknaben wirkten auch Angelika Kirchschlager, die Gruppe Dobrek Bistro und Roland Neuwirth an den beiden Intermezzi mit, die das Vorspiel der sieben jungen und allesamt ziemlich talentierten Musikerinnen und Musiker unterbrachen. Das Publikum kürte die 18-jährige Norwegerin Eldbjörg Hemsing, die nicht nur in einem engen roten Abendkleid gute Figur gemacht, sondern mit einer Carmen-Fantasie auch musikalisch überzeugt hatte, zur Favoritin. Von der Jury erhielt Hemsing den dritten Preis. Zweiter wurde der finnische Pianist Roope Gröndahl (18), der mit einem energischen Vortrag eines Klassik-Ohrwurms, des ersten Tschaikowsky-Kalvierkonzertes b-moll, begeisterte. Zum offenbar auch für ihn selbst überraschenden Sieger wurde der ebenfalls 18-jährige griechische Klarinettist Dionysios Grammenos gekürt, der einen Satz eines Klarinetten-Konzerts von Jean Francaix gespielt hatte.

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