Zehn Frauen zwischen freier Liebe und Gewalt

Burg-Kasino

© Kernmeyer

Zehn Frauen zwischen freier Liebe und Gewalt

Wer einen rührenden Sozialporno über arme, unterdrückte Moslemfrauen erwartete, wurde überrascht: Die Muslimas in Feridun Zaimoglus Schwarze Jungfrauen sind - anders als in den Klischeevorstellungen von H.C. Strache -starke, selbstbewusste Frauen auf der Suche nach einer neuen, multiplen Identität. Zaimoglu, in der Türkei geborener und in Deutschland aufgewachsener Autor und Aktionist, hat Interviews mit zehn ganz unterschiedlichen Moslemfrauen zu einem sprühenden, beinharten Theaterstück verdichtet.

Die klingen bisweilen ausgesprochen sympathisch: Eine der jungen Muslimas sieht nicht ein, warum sich sexuelle Freizügigkeit und die Liebe zu Allah nicht vereinbaren ließen. Bisweilen muss man aber auch kräftig schlucken: Eine junge Mi­grantin, die sich in Deutschland als Anwältin etabliert hat, lobt die 9/11-Terroristen als "Jahrhunderthelden"; sie betrachtet die radikalen Moslemfrauen im Westen als "Bewegung", die sich allerdings "noch nicht bewegt", sondern "abwartet".

Auch die Regie von Lars-Ole Walburg überrascht. Die Monologe werden nicht fad heruntergebetet, sondern mit den Mitteln von Travestie, Film, Karikatur und den Gewaltfantasien der antiken Tragödie kräftig aufgeschüttelt. Das junge Burg-Ensemble rund um Dorothee Hartinger leistet Respektgebietendes.

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