Interview mit Karl Markovics

Oscar-Verleihung

Interview mit Karl Markovics

ÖSTERREICH: Wie fühlt sich ein Oscar an?

Karl Markovics: Ganz normal, nichts wirklich besonderes. Es ist ein Ding. Und es geht nicht ums Ding. Letztendlich kann man mit dem nur Briefe beschweren. Es geht ja um etwas viel Größeres.

ÖSTERREICH: Können Sie den Moment beschreiben als es hieß: And the Oscar goes to ... AUSTRIA!

Markovics: Ich habe nicht auf Penélope Cruz geschaut, sondern bin am Bildschirm hängengeblieben. Ich dachte mir: Ich will es lieber nur hören. Und als ich es dann hörte, war alles ganz wunderbar.

ÖSTERREICH: Hatten Sie Herzklopfen?

Markovics: Nein, eigentlich gar nicht. Ich war nicht wirklich aufgeregt. Ich habe mich natürlich gefreut, fand sogar diese kitschigen Musiknummern sehr gut. Dabei war es nicht so, dass ich mir dachte: Wir bekommen ihn ohnehin nicht! Ich wusste: Einer von uns Bewerbern wird ihn kriegen! Und dann saßen wir inmitten der anderen Kandidaten – denen ging es ebenfalls so. Ich kannte die alle schon von einem Treffen davor.

ÖSTERREICH: Was bedeutet das für Österreich? Für das Land? Und für die Filmindustrie?

Markovics: Wenn man mich fragt, würde ich mir eine Verdopplung des Film-Outputs wünschen. Es soll ein nationales Anliegen für einen überschaubaren Zeitraum sein. Und es soll gefördert werden, wo es auch nur geht! Man muss diesen Schub an Euphorie in eine sinnvolle Kreativität verwandeln! Weil die Euphorie verfliegt sehr schnell. Vergleichen wir es mit dem Fußball: Einmal Deutschland bei der WM zu schlagen, ist gut für Enkelkindergeschichten – es hat auch letztendlich dem österreichischen Fußball nicht gerettet. Wir sollen alles tun, um das nicht zu einer Sternschnuppe werden zu lassen.

ÖSTERREICH: Fühlen Sie nun Genugtuung gegenüber manchen Kritikern?

Markovics: Das wäre die falsche Reaktion, sich jetzt ins Fäustchen zu lachen. Wir sollten eher Selbstbewusstsein demonstrieren: Ein österreichischer Film, mit einem österreichischen Direktor und österreichischer Finanzierung kann auch einen Oscar gewinnen!

Das sollte Wege öffnen für andere, die bisher künstlich klein gehalten wurden. Das ist ein echter Durchbruch! Wir haben gezeigt: Alles ist möglich!

ÖSTERREICH: Was sind Ihre nächsten Pläne?

Markovics: Ich werde bei jedem ehrgeizigen und ernstzunehmenden Projekt eines österreichischen Regisseurs dabei sein. Ich bin stolz, Teil der Drehbuchkommission zu sein, die eine Auswahl aus eingereichten Exposés trifft. Vielen kann beim Treatment und der letztendlichen Realisierung geholfen werden. Der österreichische Film krankte eine Zeit lang am Mangel von guten Drehbüchern. Das alles braucht Zeit: Und niemand muss nervös werden, wenn es nicht nach einem halben Jahr gleich wieder ein oscarreifes Material gibt.

ÖSTERREICH: Wen haben Sie im Kodak-Theatre getroffen?

Markovics: Cate Blanchett etwa. Ich stand lange neben Colin Farrell, da wird meine Tochter sicher recht eifersüchtig sein. Oder Patrick Dempsey.

Aber was soll’s: Das sind auch nur Menschen!

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