ESC: Einreiseverbot für Russin fix

Julia Samoilow

ESC: Einreiseverbot für Russin fix

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat der russischen ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die 27-jährige Sängerin voraussichtlich nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) Mitte Mai in Kiew auftreten. Sie dürfe für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen, sagte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch.

Frühere Verstöße

Die Entscheidung sei aufgrund von früheren Verstößen gegen ukrainische Gesetze getroffen worden. Anlass ist ein aus Kiewer Sicht illegaler Auftritt der Sängerin auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte. Die Sängerin Samoilowa, die seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzt, wurde 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt und sang bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Im Juni 2015 ist sie in der Stadt Kertsch auf der Krim aufgetreten. Reisen auf die Halbinsel über Russland sind seit der Annexion aber von ukrainischer Seite verboten und werden mit einer mehrjährigen Einreisesperre geahndet.

Der früher als Grand Prix bekannte ESC soll laut Statuten unpolitisch sein. Die Halbfinale des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai. Österreichs Kandidat Nathan Trent muss sich dafür im 2. Halbfinale am 11. Mai qualifizieren.

Lösung gesucht

Die Veranstalter kündigten an, die Situation genau zu beobachten. Man wolle doch eine Lösung finden, damit Samoilowa an dem Wettbewerb teilnehmen könne, sagte der Sprecher der European Broadcasting Union, Dave Goodman, der Agentur Tass. Die Entscheidung dürfte das ohnehin seit Jahren schwerbeschädigte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine weiter belasten. Das Außenministerium in Moskau kritisierte den Schritt umgehend. "Das ist ein weiterer empörender, zynischer und unmenschlicher Akt der Kiewer Behörden", sagte Vizeaußenminister Grigori Karassin.

Kritiker in Russland hatten bereits einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen am Dienstag abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, hatte er gesagt.

Kritik aus Russland

Der frühere Kulturminister Michail Schwydkoj verurteilte die Entscheidung der Ukraine als Fehler und Dummheit. "Wenn ein Land einen internationalen Wettbewerb ausrichtet, muss es auch den Teilnehmern Zugang verschaffen", forderte er.

Der präsidentennahe Kiewer Politologe Taras Beresowez kommentierte auf Facebook: "Das Gesetz hat triumphiert. Julia Samoilowa ist bestraft. So wird es mit jedem sein, der die Normen des ukrainischen und internationalen Rechts missachtet. Die Krim gehört zur Ukraine!"

Die Lage zwischen Moskau und Kiew ist seit 2014 kritisch. Die Einverleibung der Krim und der Krieg zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Donbass belasten die Beziehungen massiv. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen. Unter anderem gibt es keine direkten Flugverbindungen mehr zwischen den beiden kulturell, wirtschaftlich und historisch eng mit einander verbundenen Nachbarstaaten.

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