Falcos letzte Freundin spricht

ÖSTERREICH-Interview

Falcos letzte Freundin spricht

Für sie war er der Hans, der sich demütig als "Texter" vorstellte, mit ihr Beatles-Song nachspielte und ihr Sätze wie "Bist deppat, Oida" beibrachte. Von Jänner 1996 bis Februar 1997 war das kanadische Model Caroline Perron (34) Falcos Freundin. Seine letzte Liebe.

Kanadierin in Wien
Die Frau, die er in typischer Falco-Manier als "Perspektive" bezeichnete, die er heiraten und mit der er eine Familie gründen wollte. Mehr als zehn Jahre war sie nicht in Wien, jener Stadt, wo sie anno 1996 für eine Woche kommen wollte und dann mit ihrem Hans ein Jahr lang so "viele schöne Stunden verbracht" hatte.

Jetzt, knapp vor seinem 10. Todestag (6. 2.), ist sie wieder "daheim angekommen" und bleibt gleich für sechs Monate. Für ein gemeinsames Musikprojekt mit dem Falco-Gitarristen Milan Polak und den Besuch vieler Falco-Events.

Im exklusiven ÖSTERREICH-Interview erinnert sich Falcos letzte Freundin an ihren Hans:

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Falco kennengelernt?

Caroline Perron: Wir haben uns bei einer Fotosession in der Dominikanischen Republik getroffen. Er hat mich einfach angesprochen und war dabei extrem demütig. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wer er war. Er stellte sich als Hans vor und meinte, er sei Texter. Er lud mich dann nach Wien ein, holte mich am Flughafen ab, und da waren plötzlich Dutzende Autogrammsammler und Fotografen. Ich fragte, was das soll, und dann erklärte er mir: "Ich bin irgendwie berühmt, Darling. Ich bin der Typ, der Rock Me Amadeus, Der Kommissar oder Jeanny singt." Und ich fragte, was bitte ist das. Daheim spielte er mir dann gleich die Videos vor. Und sofort wusste ich, dass mein Hans ein Superstar ist. Aber er wollte, dass ich mich in den Menschen und nicht in den Star verliebe. Und genau das habe ich getan!

ÖSTERREICH: Wie war Falco?

Caroline Perron: Er hatte einen großartigen Sinn für Humor. Sehr lustig und sehr subtil. Er hat mir auch viel beigebracht: Piano spielen oder Schlagzeug. Wir haben dann oft gemeinsam musiziert. Jamsessions mit Beatles-Covers. Sein letztes Album, das ja erst nach seinem Tod erschienen ist, hat er neben mir eingespielt. Es war faszinierend, ihm bei der Arbeit zuzusehen! Er hatte auch ein großes Herz. Die Liebe zu seiner Mutter war unglaublich. Er war ein richtiges Muttersöhnchen und hat seine Mama wie eine Königin behandelt.

ÖSTERREICH: Haben Sie noch Kontakt zu seiner Mutter?

Caroline Perron: Leider nein. Ich habe gehört, dass sie einen Schlaganfall hatte und sehr krank ist. Seine Mutter war eine großartige Frau. Sie hat mir beigebracht, wie man Wiener Schnitzel kocht – und Apfelstrudel. Sie hat mich auch Deutsch gelehrt: "Das ist Fleisch" oder "Das sind Hausschuhe". Falco war da viel schlimmer. Die ersten deutschen Worte, die er mir beibrachte, waren: "Bist deppat, Oida?".

ÖSTERREICH: Wurde Ihnen der ganze Rummel als Falco-Freundin niemals zuviel?

Caroline Perron: Durch meine Modelkarriere war ich das Blitzlicht gewohnt, aber was abging, wenn wir gemeinsam unterwegs waren, war krank. Bei unserem ersten öffentlichen Auftritt im Palais Eschenbach war es die Hölle. Ich bekam ständig Ellbogen in die Rippen gestoßen, und die Fotografen und Journalisten versuchten sich sogar in unsere Garderobe einzuschleusen. Einer hatte es wirklich geschafft. Und was macht mein Hans? Er schmeißt den nicht etwa raus, sondern gibt ihm wirklich ein Interview. So war er.

ÖSTERREICH: Sie und Falco waren sogar verlobt …

Caroline Perron: Ja. Wir hatten sogar schon die Eheringe gekauft. Er wollte mit mir eine Familie gründen, sich zurückziehen und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren: Kinder! Er sah eigene Kinder immer als einzigen Sinn des Lebens.

ÖSTERREICH: Jahrlang wähnte er sich ja als Vater …

Caroline Perron: Von diesem Schock, dass Bianca nicht seine Tochter war, hat er sich niemals erholt. Er wollte unbedingt Vater sein. Er hat ihr auch immer gesagt: "Wenn du eines Tages zu mir zurückkommen willst, dann stehen dir alle Türen und vor allem mein Herz offen." Selbst wenn ihn das innerlich total aufgefressen hat, wollte er immer nur das Beste für sie.

ÖSTERREICH: 1997, knapp vor seinem 40. Geburtstag, kam es zur Trennung. Was ist schiefgelaufen?

Caroline Perron: Wir hatten unsere Probleme, die schließlich auch zum Split führten. Aber ich möchte nur der guten Zeiten gedenken und nicht die Storys wiederholen, die Sie ohnedies alle kennen.

ÖSTERREICH: Haben Sie gar keine schlechten Erinnerungen an Falco?

Caroline Perron: Nein. Ich würde heute auch nichts anders machen. Durch Falco wurde ich zum besseren Menschen.

ÖSTERREICH: Vermissen Sie ihn?

Caroline Perron: Natürlich. Und ich bin nicht die Einzige! Seine Familie, seine Freunde, seine Fans – niemand wir ihn je vergessen. Ich denke noch sehr oft an ihn. Aber das sind nur gute Erinnerungen, weil ich mit mir selbst und mit Hans im Reinen bin.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?

Caroline Perron: Wir trennten uns 1997, und ich bin nach Kanada zurück. Aber wir blieben im ständigen Telefonkontakt. Ich war an jenem 6. Februar 1998 schon im Bett – plötzlich kam meine Mutter rein, und da wusste ich instinktiv: Hans ist tot! Es war furchtbar. Ich habe mindestens drei Jahre gebraucht, um seinen Tod zu verdauen, denn ich fühlte mich auch ein wenig schuldig dafür.

ÖSTERREICH: War sein Tod ein Unfall oder Selbstmord?

Caroline Perron: Ich weiß nur eines: Er hat immer wieder bekundet, dass er niemals vor seiner Mutter sterben will, weil er ihr diesen Kummer nicht antun kann. Trotzdem weiß ich nicht, ob es nicht doch Selbstmord war. Aber selbst wenn – was würde das ändern?

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