Claudia Haider

"Jörg ist oft in meinen Träumen"

Claudia Haider geht seit fünf Monaten durch ein tiefes Tal. Und fast jeden Tag kommt ein neues hinzu: Die kollektive Trauer nach dem Tod von Jörg Haider, das lange Warten auf das Begräbnis, die unzähligen Verschwörungstheorien, die Aufregung um ihren Pensionsantrag, der nervenaufreibende Kärnten-Wahlkampf. Kein Schritt, keine Aktion der Familie blieb in den letzten fünf Monaten unkommentiert. Die Belastungen hinterließen äußerlich ihre Spuren an Claudia Haider. Die Witwe wirkte müde und angespannt.

„Was meiner Familie alles widerfahren ist, kann man sich gar nicht vorstellen. Meine Töchter und ich sind noch näher zusammengerückt und wir spüren, wie heilsam es ist, eine intakte Familie zu haben“, erzählt Haider jetzt im Interview mit ÖSTERREICH.

Zurückfinden ins Leben
Letzten Sonntag, als das BZÖ einen fulminanten Wahlsieg in Kärnten einfuhr, erlebte man erstmals eine neue Claudia Haider. Frischer, fröhlicher, jünger. Sie kam von einer dreiwöchigen Kur in Eisenkappel sichtbar erholt, kurz, aber doch zur Siegesfeier in den Spiegelsaal des Kärntner Landregierung. Ihr Auftritt war – neben dem Ergebnis – das Highlight des Abends. Und eines wurde klar: Auch wenn der neue Landeshauptmann Gerhard Dörfler heißt, Claudia Haider bleibt Kärntens Landesmutter und die Integrationsfigur des BZÖ.

Ein Zusammenschluss mit der FPÖ ist für die Witwe kein Thema. „Der Wahlsieg war mir in meiner Trauer ein großer Trost. Und es hat gezeigt, dass die Menschen lieber den Schmied und nicht den Schmiedl wollen“, kommentiert Haider Annäherungsversuche.

Grabstein
Äußerlich wirkt Claudia Haider besser und stärker, doch ihre Trauer ist noch nicht abgeschlossen. „Das Zurückfinden ins neue Leben ist im vollen Gange, aber es dauert“, so Haider. Eines ihrer nächsten Projekte: der Grabstein von Jörg Haider. „Es soll ein besonderer Stein werden, der seine Liebe zur Natur widerspiegelt.“

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ÖSTERREICH: Frau Haider, fünf Monate nach dem tödlichen Unfall wirken Sie erstmals gelöster. Geht es Ihnen langsam besser?
Claudia Haider: Besser geht es mir nicht, es geht mir anders. Die Todeserfahrung eines alles geliebten Menschen lässt einem nicht mehr sein, wie man einmal war. Durch die Trauer bin ich hellsichtiger, hellhöriger und dünnhäutiger geworden. Dadurch habe ich in den letzten Monaten viele Gnadenpunkte erlebt, die mir Kraft gespendet haben.
ÖSTERREICH: Die FPÖ arbeitet intensiv an der Wiedervereinigung mit dem BZÖ. Wie empfinden Sie diese ­Anbiederung?
Haider: Das Kärntner Wahlergebnis hat gezeigt, dass die Wähler lieber den Schmied als den Schmiedl wählen. Der Weg von Jörg Haider hat sich durchgesetzt und damit erübrigt sich diese Frage.
ÖSTERREICH: FPÖ-Chef HC Strache hat Sie im Kärnten-Wahlkampf als Landtagspräsidentin vorgeschlagen. Hat Strache, bevor er mit diesem Vorschlag an die Öffentlichkeit ging, das Gespräch mit Ihnen gesucht?
Haider: Er hat mich nie kontaktiert. Ich habe es aus den Medien erfahren und es hat mich genauso überrascht wie alle anderen auch.
ÖSTERREICH: Ein aktives Amt in der Landesregierung haben Sie abgelehnt, würde Sie eine Ehrenposition im BZÖ, das sich ja die Jörg-Haider-Partei nennt, annehmen?
Haider: Ein Ehrenamt in der Partei wurde mir zwar noch nicht angetragen, aber etwas in diese Richtung würde ich ernsthaft überlegen, wenn ich damit anderen Menschen helfen kann.
ÖSTERREICH: Sie haben Gerhard Dörfler am Wahlabend ein gerahmtes Bild von ihm und Jörg Haider geschenkt. Hat es eine besondere Bedeutung?
Haider: Ich denke, es war das richtige Geschenk für Gerhard Dörfler, er hatte eine große emotionelle Bindung zu Jörg. Sein Erbe ist bei Dörfler in guten Händen.
ÖSTERREICH: Und wer soll auf bundespolitischer Ebene Jörg Haiders Weg weitergehen?
Haider: Ins tagespolitische Geschäft mische ich mich nicht ein, das werden die Gremien entscheiden. Ich hoffe, dass der konstruktive Weg von Jörg Haider fortgesetzt wird.
ÖSTERREICH: Was hätte Ihr verstorbener Mann zum Kärntner Wahlsieg gesagt?
Haider: Wenn Jörg Haider gelebt hätte, wäre möglicherweise die Absolute drinnen gewesen. Dieses Ergebnis macht große Freude.
ÖSTERREICH: Träumen Sie von Ihrem Mann oder gibt es Momente, wo Sie mit Ihm sprechen?
Haider: Ich träume oft von ihm und wache dann mit einem guten, innigen Gefühl auf.

Ida Metzger

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