Todesengel Nadja

Todesengel Nadja

Keiner nahm Internet-Warnungen ernst

Ein makabres Bild: Im Juni 2007 posierten die No Angels für die Tierschutzorganisation Peta in einer Anti-Pelzkampagne. Der Slogan: Pelz quält und tötet. Diese Worte standen auf den Rücken der vier Sängerinnen (v. li. Sandy, Jessica, Lucy und Nadja) geschrieben.

Ausgerechnet auf Nadjas Hinterseite las man in schwarzen Lettern das Wort "TÖTET". Ein unheimlicher Zufall. Denn: Am Samstag wurde No Angels-Sängerin Nadja Benaissa vor einem Konzert verhaftet. Nun ist klar: Sie hat mindestens einen Mann mit dem tödlichen HI-Virus infiziert.

Mit den No Angels „on top“ – privat seit Samstag im Gefängnis! Das ist der tiefe Fall von Pop-Engel Nadja Benaissa (26). Wegen „schwerer Körperverletzung“ wurde die Daylight in Your Eyes-Stimme am 13. April gegen 23 Uhr vor ihrem Solo-Auftritt in der Frankfurter In-Diskothek Nachtleben verhaftet. Seitdem sitzt die Mutter der neunjährigen Leila in Frankfurt in Untersuchungshaft.

HIV-Sex
Die Casting-Sängerin wurde wegen eines schwerwiegenden Vorwurfs verhaftet: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte Nadja Benaissa, die mit HIV infiziert ist, in den Jahren 2004 bis 2006 mit mindestens drei Männern Geschlechtsverkehr Ungeschützt – ohne Kondom. Und sie soll es bewusst gemacht haben.

Warnungen im Internet
Wie 20 Minuten auf seiner Website berichtet, warnte ein User bereits im Dezember 2006 vor Nadja Benaissa. In einem Forum der Fanseite dlx-fans.de outete ein Unbekannter die Sängerin. Seine Warnung: "Ich sehe mich gezwungen diesen Weg zu wählen, um es den Leuten in Deutschland zu sagen bevor es zu spät ist (...) Sie hat schon diverse Männer angesteckt, da sie mit ihnen Sex hatte, ohne ihre Krankheit zu offenbaren. Ihr werdet darüber nichts in den Medien finden, da ihr Management diese Tatsache verschweigt und alles daran setzt, ihre Krankheit geheim zu halten."

Niemand nahm die Warnung ernst. Ein Jahr später setzte der Verfasser seine eindringlichen Worte erneut online. Im August 2008 versucht ein weiterer Internet-Nutzer das Thema publik zu machen: "Nachdem ich das Gerücht schon öfter gehört hatte, habe ich das im Netz gefunden!!! Es steht auch Vergleichbares im Söhne Mannheims-Forum und im No-Angel-Forum!"

Warum hat keiner die Warnungen ernst genommen?

Zumindest einen ihrer Lover soll sie dabei mit dem lebensgefährlichen Virus, das AIDS auslösen kann, angesteckt haben.

„Der Haftbefehl wurde ausgestellt, da bei Frau Benaissa Wiederholungsgefahr besteht,“ sagt Josef Michael Rösch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt am Dienstag. Bis zehn Jahre Haft drohen.

Weiterhin in U-Haft
Staatsanwalt Ger Neuber teilte am Mittwoch mit, die Sägnerin werde weiterhin in U-Haft bleiben. Ihm liege bisher weder eine Haftbeschwerde noch einen Haftprüfungsantrag vor.

Der infizierte Mann habe Anzeige erstattet und von sich aus mehrfach erfolglos versucht auf Benaissa zuzugehen. Die Staatsanwaltschaft habe auch "versucht, ihr rechtliches Gehör zu geben", die 26-Jährige habe darauf aber nicht reagiert. Um festzustellen, ob Benaissa den Mann angesteckt hat, soll bei einem Immunologen ein Gutachten in Auftrag gegeben werden.

Haftstrafe droht
Nun droht dem No Angels-Star gar eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Dagegen kämpft nun Benaissas Anwalt Christian Schertz.

Aufgewachsen als Kind eines marokkanischen Vaters und einer deutsch-serbischen Mutter geriet Nadja schon als Teenager wegen diverser Diebstahlsdelikte mit dem Gesetz in Konflikt, war mit 14 Jahren stark drogenabhängig und soll sich sogar prostituiert haben.

200.000 Euro Schulden
Das HIV-Drama ist das letzte Puzzlestück im tiefen Fall des einstigen Pop-Engels.

Im Jahr 2000 gewann sie mit ihren vier No Angels-Kolleginnen die TV-Casting-Show Popstars. Es folgte eine kometenhafte Karriere. Allein in Österreich fuhren sie in Folge sieben Top-Ten-Hits ein. Nach dem Band-Split im Dezember 2003 floppten aber alle Solo- und Filmambitionen. Auch das No Angels-Comeback 2007 blieb hinter den Erwartungen zurück: Vorletzter Platz beim Eurovisions-Songcontest.

Zuletzt machte Nadja im November als Jurymitglied des Kinderlieder-Wettbewerbs Dein Song auf KI.KA von sich reden. Und mit einer Finanz-Beichte: „Ich habe über 200.000 Euro Schulden“, erklärte sie im Dezember via Bild. Seit Samstag ist das jedoch ihre geringste Sorge …

Schock bei Fans - Krisensitzung bie No Angels

Im Sommer neue CD - ohne Nadja

Die schweren Anschuldigungen gegen No Angels-Sängerin Nadja sorgen für Entsetzen bei Fans. Die No Angels trafen sich Dienstag zur Krisensitzung.

Der Schock über die Verhaftung von Sängerin Nadja Benaissa sitzt bei Freunden und Anhängern tief. Hunderte Fans haben der 26-Jährigen seit Bekanntwerden der Untersuchungshaft öffentlich Mut zugesprochen, laufend gehen Botschaften auf der Homepage der Sängerin ein. So schreibt ein Fan: „Ich bin total schockiert von den Vorwürfen. Aber deine Fans stehen hinter dir. Wir glauben an dich.“

Aber auch kritische Stimmen werden jetzt immer lauter; dass die Musikkarriere der jungen Mutter keinen Schaden nehmen wird, glaubt kaum noch jemand: „Wenn die Beschuldigungen wahr sind, hat Nadja die No Angels zerstört!“, schreibt ein Fan.

Anti-Aids-Kampagne
Immer drängender werden auch die Fragen, was Bandkolleginnen Lucy (33), Sandy (27) und Jessica (32) über Nadjas rücksichtsloses Verhalten wussten. Aus dem Management der Band hieß es gestern nur: „Kein Kommentar!“ Klar ist: Der Nadja nun vorgeworfene ungeschützte Geschlechtsverkehr fand nach der vorläufigen Trennung der Band 2004 und 2006 statt.

Spätestens nach der Wiedervereinigung der Girlgroup im Jänner 2007 dürften aber auch die drei übrigen Bandmitglieder von der HIV-Infektion gewusst haben. No Angel Lucy startete erst im März eine Kampagne gegen Aids. Eine Reaktion auf Nadjas HIV-Infektion?

Auf einer internen Krisensitzung beschlossen gestern Lucy, Sandy und Jessica auch ohne Nadja weiterzumachen. Im Sommer erscheint ihre neue CD.

Hexenjagd
Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) sieht in der Verhaftung und dem HIV-Outing der jungen Frau "eine moderne Form der Hexenjagd". "Wir wollen die Sängerin nicht 'reinwaschen, wenden uns aber gegen den medialen Beißreflex", sagte DAH-Sprecher Jörg Litwinschuh am Mittwoch der dpa. "Der Fall passt natürlich fantastisch in die Boulevard- und Mediengesellschaft, weil es um eine berühmte Frau, Sexualität und eventuelle Schuld geht." Dennoch dürfe es keine Vorverurteilung geben. Es sei wahrscheinlich das erste Mal überhaupt, dass eine sehr prominente Frau "geoutet" wird, was ihre HIV-Infektion angeht. Litwinschuh bekräftigte den Vorwurf, dass es sich bei der öffentlichkeitswirksamen Verhaftung um eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz handle.

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