Lauda : Michael ist wie ich - furchtlos

Interview

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Lauda : Michael ist wie ich - furchtlos

ÖSTERREICH: Herr Lauda, was treibt Michael Schumacher dazu, mit 40 Jahren ein Comeback zu starten?

NikI Lauda: Er will wissen, wo er steht. Das ist ein normaler Drang, den man als Topsportler hat. Er will wissen, ob er mit den modernen, neuen Formel-1-Typen wie Vettel und Hamilton mithalten kann. Das ist seine Herausforderung. Und er will Ferrari nach dem Massa-Unfall helfen, weil er glaubt, dass er das dem Team schuldig ist.

ÖSTERREICH: Riskiert er nicht sehr viel? Wie groß ist die Gefahr, dass er selbst seinen Mythos zerstört?

Lauda: Allen Idioten, die jetzt versuchen, sich obergescheit einzumischen, ist Folgendes zu sagen: Nur Michael alleine entscheidet, ob er ein Comeback gibt oder nicht. Punkt. Er braucht nicht einmal im Ansatz darüber nachzudenken, ober er jetzt etwas verlieren könnte.

ÖSTERREICH: Auch wenn er gleich im ersten Rennen in Valencia versagt?

Lauda: Noch einmal: Michael kann nicht verlieren, er hat schon gewonnen, weil er überhaupt wieder fährt. Die ganze Welt schaut auf ihn. Er hatte von Australien bis nach Alaska Schlagzeilen. Wenn ein Lance Armstrong bei der Tour de France fährt, brüllen alle auf vor Freude. Und wenn er dann Dritter wird, gibt es schon wieder irgendwelche Idioten, die fragen, warum er nicht gewonnen hat. Was für eine maßlose Dummheit.

ÖSTERREICH: Sehen Sie eigentlich Parallelen zu Ihrem Comeback?

Lauda: Ja. Mich hat damals genau das Gleiche getrieben. Ich wollte wissen, ob ich mich nach der Pause einfach ins Auto setzen und mithalten kann. Das war das Einzige, was mich motiviert hat. Und da ich gleich das zweite Rennen gewonnen habe, ist für mich persönlich die Rechnung aufgegangen.

ÖSTERREICH: Was glauben Sie: Wie schnell wird Schumacher wirklich sein?

Lauda: Schwer zu sagen, da der Ferrari in der heurigen Saison eigentlich eine Gurke war. Außer beim Grand Prix zuletzt in Budapest, wo sie erstmals aufzeigen konnten. Die Situation ist für Michael schwierig, weil er aufgrund des FIA-Testverbots nicht einmal mit dem aktuellen Auto fahren darf. Aber als siebenfacher Weltmeister hat er sicher nichts verlernt.

ÖSTERREICH: Was bringt es ihm dann, in einem zwei Jahre altem Auto zu testen?

Lauda: Jede Runde, die er dreht, egal in welchem Formel-1-Auto, bringt ihm etwas. Er muss wieder das Gefühl zurückbekommen, er muss seine Halsmuskulatur anstrengen. Er kann nicht aus dem Nichts einen Grand Prix bestreiten. Leider darf er das neue Auto nicht fahren. Die anderen sind jedes Wochenende mit dem aktuellen Material gefahren und Michael, der arme Hund, darf nicht einmal hinschnuppern. Ich würde es nur fair finden, wenn er sich im neuen Ferrari vorbereiten könnte.

ÖSTERREICH: Fährt bei Schumi die Angst mit? Immerhin ist er ein glücklich verheirateter Familienvater.

Lauda: Michael plagen mit Sicherheit keine Angstgedanken, sonst wäre er nie Autorennen gefahren. Und warum sollte er sie plötzlich beim Comeback bekommen? Es gibt Menschen, die haben einfach keine Angst. Auch ich bin zum Beispiel furchtlos.

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