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Jackson: Das Protokoll seines Todes

Totschlag

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Jackson: Das Protokoll seines Todes

Acht Wochen nach dem Tod Michael Jacksons schockiert ein neuer Report: So starb der "King of Pop" wirklich. Im Visier steht Jackos Leibarzt Dr. Conrad Murray (52): Er verabreichte dem Popstar sechs Wochen lang wegen Schlafstörungen intravenös das hochpotente Anästhetikum "Propofol" (das sonst nur in Spitälern zum Einsatz kommt), am Todestag zusätzlich einen Mix aus vier verschiedenen Beruhigungsmitteln. Dazu dauerte es 82 (!) Minuten, bis Murray – nachdem er Jackson atemlos vorfand – die Ambulanz rief.

Diese Details werden im Protokoll eines Polizei-Verhörs des karibikstämmigen Kardiologen enthüllt. Die Los Angeles Times veröffentlichte nun das 23-Seiten-Dokument.

Mordfall Jackson
Unter den Enthüllungen sind auch Details des Autopsie-Reports, der als Gesamtdokument noch unter Verschluss liegt: Demnach urteilten die Gerichtsmediziner, dass der Popstar an einer Propofol-Überdosis starb. Im Blut wurden "tödliche Dosen" des Narkosemittels festgestellt, so der Report.

Und der L.A.-Gerichtsmediziner, der die Obduktion durchführte, urteilte jetzt: Der Jackson-Tod ist ein Mordfall. Leibarzt Murray wird wohl wegen Totschlages angeklagt.

Tatsächlich ist es ein Protokoll des Irrsinns, das die Cops für den Todestag zusammentrugen.

  • Das Drama beginnt am 25. Juli, 1:40 Uhr: Murray, der Jackson wochenlang hohe Propofol-Dosen (50 mg) gab, hatte befürchtet, dass der Star bereits süchtig sei. Jackson nannte das Medikament "Milch", wegen der weißen Farbe. Murray wollte Jacko deshalb ohne das Narkotikum in den Tiefschlaf befördern. Er gab ihm Valium (10 mg). Es half nicht.
  • Um 2 Uhr spritzt er das Beruhigungsmittel "Lorezepam". Jackson blieb wach.
  • Murray bediente sich weiter aus dem Arsenal an Medikamenten, das er in dem Luxus-Chateau in Holmby Hills angehäuft hatte (die Rezepte waren unter Tarnnamen unter anderem von Jackos Hautarzt Dr. Arnold Klein ausgestellt worden). Neben acht Flaschen Propofol fand die Polizei sieben weitere Medikamente.
  • Um 3 Uhr erhält Jacko das Entspannungsmittel Midazolam.
  • Um 5 Uhr noch eine Dosis. Nichts klappt, Jacko wälzt sich im Bett. Die Dosis reicht bei Menschen üblicherweise, um 24 Stunden durchzuschlafen.

Jackos letzte Minuten
Die letzten Minuten im Leben des Popidols sind angebrochen. Jackson bittet den Arzt – dem er 150.000 Dollar pro Monat Gage zahlte, um die "Milch": Propofol! Es ist 10:40 Uhr. Über den "Galgen" zur intravenösen Verabreichung tröpfelt jetzt das Narkosemittel.

Dass Murray das Mittel leger im Hausgebrauch einsetzte, gilt unter Experten als glatte Kurpfuscherei. Dass er keinen Herzmonitor zur lückenlosen Kontrolle des Pulses einsetzte, wird als Verbrechen verurteilt. "Jeder kleinste Fehler bei der Dosierung kann zu Atemnot und Herzstillstand führen", so die TV-Ärztin Nancy Sniderman zu NBC. Murray begeht gleich den nächsten Fehler: Statt Jacko zu beobachten, verlässt er das Schlafgemach und geht aufs Klo.

Murray beteuerte im Verhör, dass er Jackson "maximal zwei Minuten" alleine ließ. Die Detektive bezweifeln das. Um 11 Uhr hätte der Mediziner, von der New York Post als "Dr. Tod" bezeichnet, den 50-jährigen Jackson "ohne Atem vorgefunden". Aber erst nach 82 Minuten wurde die Ambulanz gerufen.

Murrays Anwalt bestreitet die Anschuldigungen der Polizei, beteuert, der Arzt hätte alles versucht, um den Popstar zu retten. Bizarr: Er holte sogar Jackos Sohn Prince Michael (12), der ihm bei den Wiederbelebungsversuchen half. Dazu sind am Handy-Log drei Telefonate mit einer Gesamtdauer von 47 Minuten ab 11:18 Uhr verzeichnet. Die Notrufnummer "911" wurde erst um 12:21 Uhr gewählt. Da war der "King of Pop" freilich schon längst tot.

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