06. Juli 2009 17:01
Die Spekulationen über den Ort der Beisetzung von Popstar Michael Jackson
haben ein Ende: Der "King of Pop" werde am Dienstag zwei Stunden
vor der offiziellen Trauerfeier auf dem Forest-Lawn-Friedhof in Los Angeles
beerdigt, sagte Stadträtin Jan Perry dem US-Sender NBC am Montag. Die
Beisetzung findet demnach um 8.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) statt.
Hier
wird der "King of Pop" seine letzte Ruhe finden, (c) AP
Der Forest-Lawn-Friedhof befindet sich in der Nähe einiger
Hollywood-Studios. Dort liegen unter anderem die Leinwandlegenden Humphrey
Bogart und Clark Gable begraben.
Trauerfeier im Staples-Center
Die Trauerfeier nach der
Beerdigung um 19 Uhr MESZ im Staples Center in Los Angeles wird alle Rekorde
brechen. Die Organisatoren rechnen mit mehreren hundert Millionen
TV-Zuschauern weltweit. Die Trauerfeier könnte somit das meistgesehene
TV-Ereignis aller Zeiten werden. Auch Jacksons Sarg aus massiver Bronze, im
Wert von rund 25.000 Dollar, ist rekordverdächtig.
Kennedy, Diana, Papst Johannes Paul II.
Es gab bisher nur etwa
eine Hand voll TV-Ereignisse, die die Welt für einen Moment den Atem
anhalten ließen. Die Ermordung von John F. Kennedy 1963 gehörte dazu, die
erste bemannte Mondlandung 1969 mit mehreren hundert Millionen TV-Zuschauern
und auch die Trauerfeier für Prinzessin Diana 1997. Die BBC schätzte damals
die weltweite Zuschauerzahl auf 2,5 Milliarden. Auch beim Begräbnis von
Papst Johannes Paul II. im Jahr 2005 saßen wohl Milliarden Menschen vor den
Fernsehern. Die Trauerfeier für Jackson könnte sich in diese Liste namhafter
Ereignisse einreihen.
Promi-Auflauf
An der öffentlichen Trauerfeier für den
verstorbenen Popstar Michael Jackson am (morgigen) Dienstag in Los Angeles
nehmen zahlreiche Größen aus dem Show-Geschäft teil. Als Ehrengäste sind
laut einer am Montag von Vertretern der Familie Jackson veröffentlichten
Liste unter anderen Stevie Wonder, Mariah Carey, Kobe Bryant und Brooke
Shields geladen. Weitere Prominente auf der Liste sind Lionel Richie, Usher,
Jennifer Hudson und Martin Luther King III., ein Sohn des 1968 ermordeten
Bürgerrechtlers Martin Luther King.
Nicht teilnehmen wird entgegen ersten Angaben Jacksons Exfrau Debbie Rowe,
die Mutter von zwei der drei Kinder des Popstars, wie deren Anwältin
mitteilte.
Flüge ausgebucht
Derweil begeben sich Millionen von Fans
nach LA und sie stoßen dabei auf Schwierigkeiten, denn Flugtickets sind rar
geworden. Die britische Fluglinie Virgin Atlantic erklärte, dass fast alle
Flüge an die Westküste der USA in diesen Tagen ausgebucht seien. "Unsere
Flüge nach Los Angeles, San Francisco und Las Vegas sind proppenvoll mit
Michael-Jackson-Fans", sagte eine Sprecherin der Zeitung "Daily
Mirror". Fraglich ist dabei, ob sie der Trauerfeier überhaupt
persönlich beiwohnen können.
Alles zum Tod
des King of Pop
Fans ausgesperrt
Auf die 17.500
Eintrittskarten hatten sich 1,6 Millionen Bewerber gemeldet. Für die Feier
waren 11.000 Eintrittskarten kostenlos verlost worden, welche sodann im
Internet zu Wucherpreisen verkauft wurden. Damit ist aber nun Schluss. Das
Internet-Auktionshaus Ebay und das Online-Netzwerk Craigslist haben dem
Karten-Handel am Montag ein Ende gemacht. "Wir sind der Überzeugung,
dass es unangemessen ist, den Verkauf von Tickets für die
Michael-Jackson-Gedenkfeier zuzulassen", erklärte Ebay. Einer der
Anbieter, dessen Einträge gelöscht wurden, hatte demnach 10.000 Dollar
(7.160 Euro) für zwei der begehrten Eintrittskarten zur Zeremonie im Staples
Center von Los Angeles verlangt.
Bei der selbst verwalteten Website Craigslist setzten sich nach Angaben
eines Unternehmenssprechers einige Nutzer gegen die Anzeigen für den Verkauf
der Karten zur Wehr. Die Nutzer kennzeichneten die Angebote demnach als
unangemessen oder verdächtig.
Glücklich, wer
solch ein Ticket zugelost bekam, (c) Reuters
Viele Fans müssen also wie die Daheimgebliebenen mit dem TV-Schirm vorlieb
nehmen, und das fernab von ihrem Idol. Denn eine Prozession wird es nicht
geben. Auch eine zunächst angedachte Übertragung der Trauerfeier auf
Leinwänden direkt am Staples Center wurde inzwischen wieder abgesagt.
Vielmehr werden Fans ohne Tickets weiträumig ausgesperrt.
Suche nach Medikamenten
Die Polizei von Los Angeles sucht
unterdessen fieberhaft nach der Quelle der vielen verschreibungspflichtigen
Medikamente, die in dem von Jackson gemieteten Haus im Promiviertel Bel Air
entdeckt wurden. Nach Angaben der "Los Angeles Times" werden fünf
oder mehr Ärzte, die dem Popstar Rezepte ausgestellt hatten, genauer unter
die Lupe genommen. "Alle Informationen sind unter Verschluss, aber (die
Durchsuchungsbefehle) existieren", sagte Polizeisprecher Alan Parachini
der Zeitung.
Der gewöhnlich gut unterrichtete Internetdienst tmz.com sprach mit dem
Anwalt von Jacksons Leibarzt Dr. Conrad Murray. Demnach streitet der Arzt
ab, Jackson an seinem Todestag die Schmerzmittel OxyContin und Demerol
verabreicht zu haben. Zu der Frage, ob er Jackson das Betäubungsmittel
Propofol an jenem verhängnisvollen Tag gespritzt habe, äußerte sich Murray
bei der Polizei aber offenbar nicht. Sein Anwalt, Edward Chernoff, sagte
tmz.com, "ich habe keine Angaben dazu, ob der Arzt Propofol
verschrieben oder gespritzt hat". Das Anästhesiemittel darf dem
Internetdienst zufolge nur in einem Krankenhaus gespritzt werden.
Richter entzieht Jacksons Mutter Zugriff auf Vermögen
Ein
Gericht in Los Angeles hat der Mutter von Michael Jackson die Vollmacht über
das Vermögen des Popstars wieder entzogen. Die 79 Jahre alte Katherine
Jackson behält aber zumindest vorläufig weiter das Sorgerecht für die drei
Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7), wie die "Los Angeles
Times" am Montag auf ihrer Internetseite berichtete.
Als Vermögensverwalter setzte Richter Mitchell Beckloff stattdessen vorerst
Rechtsanwalt John Branca und Musikmanager John McClain als Treuhänder ein.
Er entsprach damit Jacksons Willen, der die beiden in seinem Testament von
2002 als Vermögensverwalter benannt hatte. Ein weiterer Gerichtstermin dazu
ist für Anfang August geplant.
Ein Rechtsanwalt der Mutter versicherte, Katherine Jackson wolle das
Testament nicht anzweifeln. Sie sei nur besorgt, ob Branca und McClain die "richtigen
Leute" seien, sagte Anwalt John Schreiber. "Sie hat Bedenken, die
Schlüssel zu diesem Königreich so schnell an diese Gruppe zu übergeben."
Die Mutter hatte kurz nach Jacksons Tod am 25. Juni eine Teilvollmacht für
das Vermögen übertragen bekommen. Damals war das Testament allerdings noch
nicht bekannt. Über die Größe des Erbes gibt es wilde Spekulationen. Zwar
soll der Megastar bis zu 500 Millionen Dollar (360 Mio. Euro) Schulden
hinterlassen haben, seine lukrativen Musikrechte könnten diesen Betrag aber
bei weitem aufwiegen.