05. Juni 2009 15:46
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Nachdem der 72-jährige Hollywood-Star David Carradine am
Donnerstag erhängt in seinem Hotelzimmer in Bangkok gefunden wurde, nehmen
die Spekulationen über die Todesursache kein Ende. Laut einer Quelle der
Nachrichtenagentur AFP soll Carradine als Folge einer Masturbationspraxis
gestorben sein: Ein Strick um seinen Hals sei mit einem weiteren Strick um
seine Genitalien verknüpft gewesen. Ähnlich gelagerte, oft recht
undurchsichtige Todesfälle hat es in der Vergangenheit bei Film- oder
Popstars schon des öfteren gegeben - zumeist in Zusammenhang mit sexuellen
oder suchtmittelaffinen Begebenheiten.
Die augenscheinlichste Parallele bietet der australische INXS-Sänger Michael
Hutchence, der 1997 - kurz nach Veröffentlichung eines neuen Albums -
unter seltsamen Umständen nackt und mit einem Gürtel erhängt in einem
Hotelzimmer in Sydney gefunden wurde. Während die Behörden den Fall als
Selbstmord zu den Akten legten, bestritt seine Lebensgefährtin Paula Yates
dies stets: Hutchence sei ein großer Anhänger sado-masochistischer Praktiken
gewesen und bei einem fehlgeschlagenen Sex-Spiel gestorben. Mehrfach habe er
darüber gesprochen, sich teilweise zu erdrosseln, um damit noch größere Lust
bei der Selbstbefriedigung zu haben.
Breites Medienecho und eine Unzahl von Spekulationen zeitigte auch der Tod
des 28-jährigen US-Schauspielers Heath Ledger, der im Jänner
vergangenen Jahres ebenfalls halb nackt und leblos in seinem Bett in New
York aufgefunden wurde. Der Star aus "Brokeback Mountain" und dem
Batman-Film "The Dark Knight", neben dem zahlreiche Antidepressiva, Schlaf-
und Beruhigungsmittel gefunden wurden, wurde ebenfalls des Selbstmords
verdächtigt, medizinische Untersuchungen bestätigten schließlich jedoch
einen unbeabsichtigten tödlichen Medikamentenmix und damit einen Unfall als
Todesursache.
Der Tod von Ledger erinnerte an jenen des legendären "The Who"-Drummers Keith
Moon, der 1978 im Alter von 31 Jahren ebenfalls an einer
Medikamentenüberdosis starb. Das Beruhigungsmittel Heminevrin war ihm
verschrieben worden, um seine Alkoholsucht zu dämpfen. Moon erlangte nicht
nur durch leidenschaftliche Instrumentenzertrümmerungen auf der Bühne
Berühmtheit, sondern auch durch seinen Auftritt als Onkel Ernie, der sich
mit verschwitzter Damenunterwäsche erotisch stimuliert und seinen Neffen
Tommy missbraucht, in der Bühnen- und Filmversion des Musicals "Tommy".
Auch einigen anderen Künstlern wurde nicht zuletzt ihre Alkohol-und
Drogensucht zum Verhängnis. Die Groupie-Orgien im Drogenrausch des
Gitarristen Jimi Hendrix machten ebenso Schlagzeilen wie sein Tod in
einem Hotelzimmer, in dem er 1970 nach der Einnahme von Alkohol und
Tabletten erstickt war. Nur zwei Wochen später wurde Janis Joplin,
die bis zu einem Liter Bourbon-Whiskey täglich trank, mit 14 Einstichen im
linken Unterarm und heroinvergiftet in einem kalifornischen Motel
aufgefunden. Die Liste könnte mit Ex-Rolling Stone Brian Jones (er
ertrank vermutlich unter Drogeneinfluss in einem Pool),"The Doors"-Sänger Jim
Morrison (er starb offiziell an Herzversage in einer Badewanne) dem "Sex
Pistols"-Bassisten Sid Vicious (Überdosis) oder dem
Nirvana-Sänger Kurt Cobain (Suizid) wohl endlos fortgesetzt
werden.
Nicht wenig Alkohol dürfte indes auch bei Caradine im Spiel gewesen sein.
Mitarbeiter der Produktionsfirma jenes Films, den der Schauspieler in
Thailand fast fertig gedreht hatte, sagten der Polizei, Carradine habe am
Vortag "von morgens bis abends Bier getrunken". Kurz bevor er ins Zimmer
ging, habe er noch einen "doppelten Brandy" zu sich genommen. Die Ermittler
schließen Selbstmord weiterhin nicht aus, doch sei es wahrscheinlicher, dass
Carradine "durch Masturbation" und "plötzlichen Sauerstoffmangel" gestorben
sei. Die Leiche habe keine Blutergüsse aufgewiesen, den Überwachungskameras
zufolge habe auch niemand an dem Tag das Hotelzimmer betreten. Das
offizielle Ergebnis der Autopsie wird für Samstag erwartet.