ÖSTERREICH-Interview

© Pauty

"Nie mehr wieder Politik"

Als Gesundheitsministerin war sie der bunteste Typ im Kabinett Molterer. Warum Andrea Kdolsky trotzdem nie mehr ­Politik machen möchte.

Interview. Seit Kurzem bekleidet sie den Job einer Top-Managerin in einem international agierenden Unternehmen. Privat lebt sie in einer glücklichen Beziehung mit ÖBB-Manager Philipp Ita, nahm 38 Kilo ab, freut sich über Ambra, die fünf Monate alte Münsterländer-Hündin. Andrea Kdolsky über alte Fehler und neue Karriere.

ÖSTERREICH: Vor über sechs Monaten haben Sie die Spitzenpolitik verlassen. Wie geht es Ihnen heute?

Andrea Kdolsky: Es geht mir sehr gut, ich bin zufrieden. Es gab aber natürlich auch eine Verarbeitungsphase meiner politischen Tätigkeit, um abschließen und daraus lernen zu können.

ÖSTERREICH: Ihr Nachfolger ist gelernter Politiker und ehemaliger Gewerkschafter. Sie kamen aus dem Management – hat Alois Stöger das leichtere Los als Gesundheitsminister?

Kdolsky: Die Rolle des Gesundheitsministers ist für alle gleich. Man hat wenig Kompetenz, da der größte Teil der Umsetzung im

österreichischen Gesundheitssystem im Einflussbereich der Bundesländer, der Sozialversicherungsträger und der Akteure im Gesundheitswesen liegt.

ÖSTERREICH: Also kann man als Gesundheitsminister nur reagieren und nicht agieren?

Kdolsky: Wenn man in diesem Bereich Veränderungen anstrebt, dann ist das von vorneherein schon ein recht gewagtes Unterfangen, und da braucht man Disziplin und Durchhaltevermögen, und wahrscheinlich auch Mut.

ÖSTERREICH: ... und bietet somit auch eine große Angriffsfläche.

Kdolsky: Das ist richtig!

ÖSTERREICH: Sie werden beim Thema Politik noch immer sehr emotional: Eine Rückkehr in die Politik, ist das für Sie denkbar?

Kdolsky: Es gibt Beispiele, wo ein Nein zu einem Ja wurde – Sie können mich bei meiner Ehre nehmen, mein Nein bleibt ein Nein.

ÖSTERREICH: Das klingt nach vielen Enttäuschungen, die Sie einstecken mussten?

Kdolsky: Lassen Sie es mich so sagen: Man geht als Fachexperte in die Politik und auf einmal erkennt man innerhalb von 24 Stunden, dass aus dem Fachexperten ein Politiker geworden ist. Das Schwierige an dieser Wandlung ist, dass einem ab sofort jede Kompetenz abgesprochen wird.

ÖSTERREICH: Fühlten Sie sich damals von Ihren Kollegen im Stich gelassen? ?

Kdolsky: Politik ist ein hartes Geschäft. Wehleidigkeit und die Zimperlichkeit haben dort nichts zu suchen. Und da muss man natürlich auch wissen, ob man dafür geeignet ist.

ÖSTERREICH: Sind also aalglatte Politiker ohne Ecken und Kanten diejenigen, die in diesem Spiel überleben??

Kdolsky: Die sachliche Auseinandersetzung über Inhalte ist einer Attacke auf die Privatperson gewichen. Und das ist natürlich etwas, womit ich – nicht gut zurecht gekommen bin.

ÖSTERREICH: Seit Kurzem haben Sie Ihren neuen Job bei der Beraterfirma PricewaterhouseCoopers begonnen. Wie geht es Ihnen dabei?

Kdolsky: Es war für meine persönliche Weiterentwicklung wichtig, dass ich einen Job finde, der in meinem Kompetenzbereich liegt und der für mich, als abgetretener Politiker, kein Alibi ist, sondern mich fordert.

ÖSTERREICH: Privat genießen Sie die „Freiheit“ mit ihrem Partner?

Kdolsky: Das kann ich jetzt unumwunden sagen: Es hat sich sehr zum Positiven für mich verändert, weil ich einfach auch für mich selber gesehen habe, dass dieser ununterbrochene Öffentlichkeitsfaktor nichts ist, was mir Spaß macht.

ÖSTERREICH: ...Es gibt auch tierischen „Nachwuchs“.

Kdolsky: Ja, unsere fünf Monate alte kleine Münsterländer-Hündin Ambra. Eine neue Erfahrung für mich, da ich ursprünglich immer eine ­Katzenmutter war.

ÖSTERREICH: Das klingt alles nach Eitel-Wonne. Steht auch eine Ehe bei Ihnen im Raum?

Kdolsky: Seien Sie mir nicht böse, aber einen Fehler mach ich nie wieder: mein Privatleben näher der Öffentlichkeit mitteilen.

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