Otti Fischer: So lebe ich mit Parkinson

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Otti Fischer: So lebe ich mit Parkinson

Im Februar 2008 der große Schock: Der beliebte Schauspieler Ottfried Fischer macht die Diagnose der heimtückischen Krankheit „Parkinson“ öffentlich. Heilung gibt es nicht, nur Medikamente können dem „Bullen von Tölz“ das Leben erträglicher machen.

Jetzt gab Fischer der Bild am Sonntag das erste, bewegende Interview über seine Krankheit und über sein neues Leben:

Frage: Sie drehen gerade zwei Folgen der Serie „Pfarrer Braun“. Stress?
Ottfried Fischer: Oft stehe ich um sieben Uhr auf und werde abgeholt. Es geht dann ab acht Uhr los, bis 17 Uhr, also etwa zehn Stunden. Nicht jeden Tag, aber es ist eher die Regel als die Ausnahme.

Frage: Fällt Ihnen die Ausübung Ihres Berufes schwerer als vor Ausbruch der ­Parkinson-Krankheit?
Fischer: Man ist in gewisser Weise gehandicapt, aber nicht so, dass ich die Arbeit nicht schaffen würde. Hinzu kommt, dass meine Vertragspartner wissen, was mit mir los ist und dem in gewisser Weise Rechnung tragen. Es ist keine große Einschränkung.

Frage: Nicht mehr, als die altersbedingten Defizite …
Fischer: Wer keine Krankheit hat, hat das Leben. Und das führt auch zum Tod.

Frage: Wie gehen Sie im Alltag mit Ihrer Krankheit um? „Ich schalte jetzt mal mein Parkinson aus“ ist angeblich eine Antwort, mit der Sie gelegentlich eine Regieanweisung parieren.
Fischer: Als mein Regisseur mich aufgefordert hat, in einer Szene langsamer zu gehen, habe ich ihm genau das gesagt. Ich will den Leuten, die mit mir zu tun haben, die Befangenheit nehmen. Mein erster Satz bei einem Auftritt nach dem Outing beim Aschermittwoch der Kabarettisten war: „Keine Angst, ich mache keine Schüttelreime.“ Da hatte ich auch gleich den ersten Lacher und die Leute haben sich dann getraut, über die anderen Gags zu lachen. Also, ich geh locker damit um.

"Das Einzige was man schnell kann, ist schnell müde werden"

Frage: Hat sich Ihr Verhältnis zur Krankheit von der Diagnose bis heute verändert?
Fischer: Ich versuche meine Krankheit zu ignorieren, wo es geht. Ich nehme meine Pillen und werde auch dauernd daran erinnert, weil das Leben ein Entschleunigungsprozess ist: Es läuft langsamer. Was nicht nur schlecht ist, was aber ohne Parkinson schöner wäre. Mein Verhältnis zu mir hat sich ein wenig verändert. Ich freue mich wieder mehr über Zuspruch und über Menschen, die auf mich zukommen. Zuvor war ich ­öfter und schneller genervt. Seit meiner Diagnose schätze ich das Leben mehr. Und das, was ich ­mache.

Frage: Welche Auswirkungen hat die Krankheit? Sie zittern nicht.
Fischer: Das Zittern tritt nicht bei jedem Parkinsonkranken auf. Ich habe zum Beispiel fast keinen Tremor. Ich merke die Krankheit eher beim Gehen und beim längeren Stehen, ich muss mich ständig neu ­koordinieren.

Frage: Bei der Arbeit stärker als beim Relaxen zu Hause?
Fischer: Wenn ich nichts tue, habe ich das Gefühl, dass sich der Parkinson ein bisschen mehr bemerkbar macht. Bei der Arbeit zieht er sich komischerweise zurück. Meine Kabarettauftritte sind fast ein Elixier. Das baut mich unter dem Strich mehr auf, als es mich anstrengt.

Frage: Können Medikamente die Krankheit aufhalten?
Fischer: Höchstens verlangsamen. Eine Parkinson-Erkrankung konnte noch nie geheilt werden. Geschweige denn, dass sich die Krankheit zurückgebildet hätte. Es geht ganz einfach nur um Entschleunigen. Ich gewinne dem ­etwas Positives ab: Ich darf entschleunigt sein, denn die Leute wissen, dass ich krank bin. Dadurch habe ich die Freiheit, langsamer zu sein. Unterm Strich ist es so, dass ich früher immer Zeitpläne gemacht habe – vom ersten Wort bis zur Premiere. Jetzt stelle ich fest, dass ich meine ­Vorgaben trotz Verlang­samung schneller erfülle als damals.

Frage: Gibt es elementare Einschränkungen?
Fischer: Ich kann halt nicht mehr schnell aus dem Auto aussteigen. Der Liedermacher Fredl Fesl, der auch Parkinson hat, hat mal einen schönen Satz gesagt: „Das Einzige, was man noch schnell kann, ist schnell müde werden.“

Frage: Was macht Sie glücklich?
Fischer: Die Zufriedenheit. Wenn ich das Gefühl habe, es ist okay, es läuft gut. Weil Glücklichsein eine Frage von punktuellen Momenten ist. Das höhere Gut anzustreben, das ist die Zufriedenheit.

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