Regie-Ikone Agnes Varda wird 80

Geburstag

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Regie-Ikone Agnes Varda wird 80

Die Filme von Agnès Varda haben das, was man einen "weiblichen Touch" nennen könnte. Sie sind intuitiv und einfühlsam, oder wie die französische Regisseurin sagt: "Die Arbeit einer Frau." Gleich ob in "Vogelfrei" oder "Die Sammler und die Sammlerin", ihre Filme zeichnen sich durch genaues Beobachten, Freude am Filmen und viel menschlichem Respekt aus. "Filmen ist wie ein Gefühlsbad", sagt die in Brüssel geborene Regisseurin, die am kommenden Freitag (30. Mai) 80 Jahre alt wird. Im Herbst 2006 war Varda zu Gast bei der Viennale, wo ihr und ihrem 1990 verstorbenen Mann, dem Regisseur Jacques Demy, eine große Retrospektive im Filmmuseum gewidmet war.

Großmutter der Nouvelle Vague
Varda zählt zu jener Filmemacher-Generation, die in den 60er Jahren gegen das herkömmliche Erzählkino Sturm liefen. "Großmutter der Nouvelle Vague" ("Neue Welle") nennen sie manche Kritiker deshalb. Bis heute gehört sie mit ihren Werken, die zwischen Wirklichkeit und Fiktion schwanken, zu den eigenwilligen Cineasten unserer Zeit.

Im den vergangenen fünf Jahren widmete sich die Tochter eines griechischen Ingenieurs und einer Französin verstärkt dem Dokumentarfilm. 2004 entstand mit "Die Witwen von Noirmoutier" ein bewegender Film, der die Porträts von Witwen auf der französischen Atlantikinsel Noirmoutier zeigt und gleichzeitig ihre eigene mehrjährige Witwenschaft widerspiegelt. Varda hat 1990 ihren Mann, den Regisseur Jacques Demy, verloren. Beide verbrachten auf dieser Insel regelmäßig ihren Urlaub.

Einmal mehr gelang ihr mit diesem Film das, was ihr Gesamtwerk aus mehr als 30 Filmen auszeichnet: Menschen in ihrer Eigenständigkeit zu zeigen und ihnen Raum für Gefühle und Erinnerungen zu geben - wie in "Jacquot de Nantes".

Liebe zu den Bildern
Vardas Liebe galt seit jeher den Bildern. Sie hatte die Pariser Hochschule für Fotografie besucht und arbeitete beim ersten Theaterfestival in Avignon 1947 als Bühnenfotografin. Als Fotoreporterin reiste sie durch China, Afrika, Amerika und die Sowjetunion. Erst Anfang der 50er Jahre näherte sie sich den laufenden Bildern. Mit dem Kurzfilm "La pointe courte" (etwa: Die kurze Spitze) über eine Ehekrise feierte sie 1954 ihr Debüt als Filmemacherin, der Regisseur Alain Resnais besorgte damals den Schnitt. Ihren Durchbruch schaffte sie jedoch erst mehr als sechs Jahre später mit "Mittwoch zwischen 6 und 7" - ihrem ersten langen Spielfilm über objektive und subjektive Zeit.

Als sie 1966 nach ihrem Kinoflop "Les créateurs" (etwa: Die Erfinder) für ihre Ideen und Filme keine Geldgeber mehr fand, gründete sie kurz entschlossen ihre eigene Produktionsfirma. In Alleinregie arbeitete sie seitdem an ihren eigenwilligen Werken wie "Die eine singt, die andere nicht" und "Vogelfrei", für den sie als erste Frau 1985 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Zusammen mit Lars von Trier gehörte Varda zu den ersten, die Digitalkameras akzeptierten.

Die Filmemacherin arbeitet nicht für die Charts. "Ich will mit meinen Filmen Menschen sensibilisieren, sie ansprechen, sie berühren. Wenn ich das schaffe, bin ich glücklich", meint die Regisseurin, die in ihren Filmen oft Einzelgänger, Außenseiter und Menschen zeigt, die nach Glück und Gerechtigkeit suchen - ganz wie Varda selbst.

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