Anna: Mein Neustart als Frau Veith

Was sich jetzt ändert

Anna: Mein Neustart als Frau Veith

In deinem Knie ist alles hin.“ Die Worte ihres Arztes Dr. Christian Hoser kurz nach ihrem Trainingssturz im Oktober des vergangenen Jahres wird Anna – damals noch – Fenninger niemals vergessen. „Das wird nichts mehr! Das war mein erster Gedanke.“ Jedoch nur ein kurzer.

„Mein Weg zurück“
Eine gelungene Operation und sechs Monate harte Reha später denkt die 26-jäh­rige zweifache Gesamtweltcupsiegerin sogar wieder ans „Ganz-vorne-Mitfahren“.

„Meine Motivation“
Das Knie ist stabil. Spätestens im August will sie erste Schwünge im Schnee ziehen. Sie höre, so erzählt sie im großen gesund&fit-Interview, noch den Jubel der Menschenmassen. Das Gänsehautgefühl, das sie bei jedem Rennen verspürte, es ist omnipräsent. Es treibt sie an. Es gibt ihr die Kraft weiterzumachen.

„Meine Kraftquelle“
Und dann ist da noch dieses ganz große private Glück. Die große Liebe, die Flügel verleiht. Dieser 100-prozentige Rückhalt. In Manuel Veith, Ex-Snowboard-Profi und Hotelier in Rohrmoos, hat Anna den Mann fürs Leben gefunden. Vor fünf Wochen wurde in Südtirol geheiratet. „Die Werte“, sagt sie, „haben sich mit der Hochzeit verändert.“ Auch die Verletzungspause habe sie zu einer anderen gemacht. „Ich bin dankbarer geworden.“

Das Interview zum Comeback

ÖSTERREICH: Frau Veith! Die neue Anrede ist noch so ungewohnt. Haben Sie sich schon an Ihren Nachnamen gewöhnt?
Anna Veith:
(lacht) Ja! Aber beim Autogramme-Schreiben muss ich immer kurz überlegen.

ÖSTERREICH: Wie waren die Reaktionen auf Ihren Namenswechsel?
Veith:
Positiv, vor allem mein Umfeld hat sich sehr für mich gefreut. Es geht ja um den Menschen – nicht um einen Namen. Es stand für mich immer fest, dass ich den Namen meines Mannes annehmen werde. Das ist für mich ein Zeichen unserer tiefen Verbundenheit.

ÖSTERREICH: Anna Veith wird künftig von den Scoreboards leuchten. Das ist nun offiziell. Wann genau haben Sie die Entscheidung getroffen, in den Skizirkus zurückzukehren?
Veith:
Nach der Untersuchung mittels MR (Anm.: Magnetresonanztomografie) sagte mein Arzt (Anm.: Dr. Christian Hoser) zu mir: „In deinem Knie ist eigentlich alles hin.“ Ich dachte damals: „Das wird nichts mehr!“ Doch dann ist die Operation so gut gelaufen – viel besser als gedacht. Da war mir klar: Die Basis ist gelegt. Ich kann es schaffen! Und ich will es schaffen!

ÖSTERREICH: Wie fit sind Sie bereits wieder?
Veith:
Schwer einzuschätzen. Das Knie ist stabil. Sie müssen es sich jedoch so vorstellen: Durch die Durchtrennung der Patellasehne wurde die Verbindung zwischen Schienbein und Oberschenkelmuskulatur unterbrochen. Die Information, die die Sehne dem Oberschenkel gibt, also den Reiz, den der Muskel braucht, der ist noch nicht wirklich so, wie er sein sollte. Deswegen kann der Oberschenkel die Information nicht richtig aufnehmen und deswegen wächst der Muskel nicht. Es wird harte Arbeit werden, den Muskel aufzubauen.

ÖSTERREICH: Wann werden Sie auf Schnee stehen?
Veith:
August war immer das grobe Ziel. Wenn es so gut wie bisher weiterläuft, sogar ein wenig früher.

ÖSTERREICH: Haben Sie Angst, das Knie könnte nicht halten?
Veith:
Nein! Denn bevor ich den Schritt auf Schnee mache, weiß ich, dass es zu 100 Prozent passt.

ÖSTERREICH: Werden Sie wegen des ständigen Handschuhe-Ausziehens Ihren Ehering beim Skifahren tragen?
Veith:
(lacht) Ich muss noch testen, ob er gut hält. Aber im Moment sitzt er sehr fest.

ÖSTERREICH: Wird Ihr Mann Manuel künftig eine Rolle in Ihrem Betreuerteam spielen?
Veith:
Er ist mein Mann und daher sehr intensiv an meinem Leben beteiligt. Er war selbst Sportler und weiß daher genau, worum es geht. Er hat mich seit jeher zu 100 Prozent unterstützt. Von dem her ist er Teil des Teams. Er ist für mich einer der Wichtigsten, wenn nicht der Wichtigste im Team. Er ist mein Mann, meine bessere Hälfte. Das sagt das meiste aus.

ÖSTERREICH: Ihr Mann leitet das Hotel seiner Familie in der Steiermark. Hat er Zeit, Sie zu begleiten?
Veith:
Es ist während der Saison schwierig. Aber das Hotel ist ein Familienbetrieb, seine Mutter ist noch im Geschäft. Und die Familie hält zusammen. Alle wissen, wie wichtig gemeinsame Zeit für uns beide ist. Deswegen wird es ihm ermöglicht, mich zu begleiten. Dafür bin ich sehr dankbar.

ÖSTERREICH: Was hat sich mit Ihrem Ja verändert?
Veith:
Die Werte haben sich verändert. Es ist ein anderes Gefühl, verheiratet zu sein – ein sehr schönes.

ÖSTERREICH: Hat die Verletzung eine andere aus ­Ihnen gemacht?
Veith:
Ich bin dankbarer geworden. Ich denke oft an die so erfolgreichen Saisonen 2013/14 und 2014/15. Ich war so fokussiert, ich konnte mich gar nicht angemessen freuen, blickte nur nach vorn. Ich habe nun viel über das Geleistete nachgedacht und kann Freude viel besser zulassen.

Interview: Nina Fischer

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