Sonderthema:
Helmut Zilks letzter Liebesbrief

Todestag

Helmut Zilks letzter Liebesbrief

Sie waren 31 Jahre lang verheiratet, fast 40 Jahre ein Paar: Helmut Zilk und Dagmar Koller. Am 24. Oktober vor fünf Jahren starb Helmut Zilk. Man kannte den ehemaligen Wiener Bürgermeister Zilk polternd, streng, auch charmant. Jetzt, fünf Jahre nach seinem Tod und 20 Jahre nach dem Briefbombenattentat auf ihn, gibt Dagmar Koller eine vollkommen neue Seite von ihm preis: ÖSTERREICH gewährt sie einen Einblick in ihre Sammlung von Liebesbriefen, die Helmut Zilk an sie gerichtet hat. „Ich habe von Helmut Zilk jeden Tag, wenn er früh außer Haus gegangen ist, einen Liebesbrief bekommen. Sein letzter Brief an mich liegt mir besonders am Herzen“, so Koller im Interview mit ÖSTERREICH.

Im Stephansdom findet am 24. Oktober, zu seinem fünften Todestag, ab 19 Uhr eine Gedenkmesse für Helmut Zilk statt.

zilk_liebesbriefe.jpg © TZ ÖSTERREICH

ÖSTERREICH: Vor fünf Jahren starb Ihr Mann. Wie sehr fehlt er Ihnen?
Dagmar Koller: Er fehlt mir jeden Tag, denn er war die Liebe meines Lebens. Wir haben eine Ehe geführt, die viele Krisen zu überwinden hatte. Das Briefbombenattentat vor 20 Jahren war furchtbar für meinen Mann. Als Macho musste er damit fertigwerden, dass seine Hand kaputt war. Aber wir haben das gemeinsam durchgestanden. Stellen Sie sich vor, er hat mir immer, wenn er sehr früh aus dem Haus gegangen ist und ich noch geschlafen habe, einen kurzen Liebesbrief vor die Türe meines Schlafzimmers gelegt. Zumeist hat er ein paar Zeilen liebevoll auf einen Pappendeckel geschrieben. Man glaubt gar nicht, welch wundervolle Worte der große Wiener Bürgermeister da gefunden hat. Mit solchen Aufmerksamkeiten hält eine Ehe ewig. Das sind die kleinen Dinge, die eine Partnerschaft so wertvoll machen.

ÖSTERREICH: Wir haben hier den allerletzten Brief Ihres Mannes an Sie. Wann hat er ihn verfasst?
Koller: Es war an unserem 31. Hochzeitstag, am 21. Juli 2008. Das war der erste Hochzeitstag, den wir nicht gemeinsam feiern konnten. Denn ich war damals schon in Portugal, Helmut noch im Wilhelminenspital in Wien, wo er zur Dialyse, zur Blutreinigung, musste. Weil er selbst nicht schreiben konnte, hat er den Brief seiner Sekretärin diktiert. Sie hat ihn mir dann nach Portugal gefaxt. Gleichzeitig hat Helmut noch organisiert, dass ich einen riesigen Strauß gelber Rosen bekommen habe. Er schreibt in dem Brief, wie sehr er sich auf unser Wiedersehen freut. Wenige Tage später konnte er dann zu mir nach Portugal reisen. Wenn ich diesen Brief lese, rührt mich das immer wieder zu Tränen.

ÖSTERREICH: Drei Monate später starb Helmut Zilk. Wie sind Ihre Erinnerungen an seine letzten Momente?
Koller: Helmut war im Wilhelminenspital, musste andauernd zur Dialyse. Am Vorabend seines Todes war ich bis kurz vor 19 Uhr bei ihm, dann musste ich zum ORF, um etwas für meine Sendung Hallo, wie geht’s zu arbeiten. Ich wollte nicht weg von ihm, aber er hat gesagt: „Geh, the Show must go on. Die Arbeit geht vor.“ Das waren die letzten Worte, die ich von ihm gehört habe. Um sechs Uhr früh am nächsten Tag hat dann sein Herz aufgehört zu schlagen. Er hatte sich ganz einfach aufgegeben. Ich habe drei Jahre nicht über diese Situation sprechen können, habe getrauert. Doch dann wurde mir klar, dass er mir mit seinen letzten Worten den Auftrag gegeben hat, dass mein Leben als Sängerin weitergehen soll. Vergangene Woche habe ich mein 50-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert. Es war mein letzter großer Auftritt, ich bin so glücklich, dass ich das durchgestanden habe. Ich habe alles gegeben. Wie Helmut sagte: „The Show must go on."

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