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Keszler:

"Dancing Stars"-Bilanz

Keszler: "Habe meine Mission erfüllt"

Und plötzlich war es vorbei: Nach zweieinhalb Monaten Dancing Stars-Marathon musste Gery Keszler (52) vor einer Woche die Tanzschuhe einpacken. Er schied als Sechstplatzierter aus. Grund zum Trübsalblasen ist das für den Life-Ball-Chef aber keiner.

Tanzbilanz
Bester Laune kommt Gery Keszler zum ÖSTERREICH am SONNTAG-Interview am Wiener Tel Aviv Beach. „Meine Mission ist erfüllt. Ich habe sehr, sehr viel Geld für die Aidshilfe bekommen – und es hat mir einen Riesenspaß gemacht“, sagt er. Und scherzt über das Tanz-Bootcamp: „Meine Knie sind hin, dafür bin ich fit und werde mich in Bade­hose zeigen können.“

Neustart
Nach dem Dancing Stars-Aus sei er froh, sich nun wieder Vollzeit um den Life Ball kümmern zu dürfen. Am 10. Juni steht Gery Keszlers fünftes „Red Ribbon Celebration Concert“ mit Stars wie Nicholas Ofczarek im Wiener Burgtheater an (s. unten).

Auch die Vorbereitungen für den Life Ball 2017 laufen schon auf Hochtouren. Kesz­ler verspricht: „Er findet hundertprozentig statt!“

Das Interview

ÖSTERREICH: „Dancing Stars“ ist Geschichte. Wie geht es Ihnen eine Woche nach dem Aus?
Gery Keszler:
Bestens. Es hat mich nicht überrascht, dass ich nicht „Dancing Star“ werde. Das Prinzip der Sendung ist: Alle verlieren bis auf einen. Und dementsprechend kann man sich, wenn man halbwegs realistisch ist, ausrechnen, wie es ausgeht (lacht). Ich war die ganze Zeit extrem enthusiastisch dabei, es hat mir einen Riesenspaß gemacht. Ich hab zum Schluss zwei super Tänze gehabt. Ich habe aber gemerkt, dass die Stimmung immer angespannter wird und es noch anstrengender wird. Ich habe backstage viele Tränen gesehen. Man muss es nicht übertreiben. Meine Mission ist erfüllt. Ich habe sehr, sehr viel Geld für die Aidshilfe bekommen. Jetzt bin ich froh, dass ich mich wieder zu hundert Prozent dem Life Ball widmen kann.

ÖSTERREICH: Was haben Sie für sich persönlich von „Dancing Stars“ mitgenommen?
Keszler:
Dancing Stars hat mir aus einer sehr, sehr traurigen Zeit geholfen. Das letzte halbe Jahr war für mich in vielerlei Hinsicht nicht lustig, vor allem durch den Tod meiner Mutter. Ich habe mich dementsprechend fallen gelassen. Das Tanzen hat mir Energie gegeben. Meine Knie sind zwar hin, dafür bin ich fit für den Frühling und werde mich auch in Badehose zeigen können (lacht). Und meine Haltung, die seit meiner Teenagerzeit schlecht war, hat sich wirklich verbessert.

ÖSTERREICH: Sie sind mit der Message angetreten, Berührungsängste mit HIV-Positiven abzubauen. Merken Sie, dass Sie diesbezüglich etwas bewegen konnten?
Keszler:
Ich freue mich riesig darüber, dass ich ­offensichtlich sehr, sehr hohe Sympathiewerte bekommen habe. Das gibt mir schon zu denken, denn offensichtlich ist der Life-Ball-Organisator wirklich der Grantigere von uns beiden. Wenn du so intensiv im Training bist und an deine Grenzen kommst, vergisst du irgendwann, Klischees zu erfüllen. Du sagst Dinge, die zu hundert Prozent ehrlich sind, du bist einfach mehr du selbst. Das haben viele honoriert, nicht nur Dancing Stars-Fans, sondern auch Leute, die in meine Arbeit involviert sind, von der Wirtschaft bis zu den Medien. Da machst du fast ein Vierteljahrhundert Life Ball, und dann tanzt du ein paar Wochen in einer Prime-TV-Show und plötzlich finden dich alle sympathisch. Wie frustrierend ist das denn? (Lacht.)

ÖSTERREICH: Sie sind ja aktuell Single. So manchem „Dancing Star“ hat die Show auch schon liebestechnisch auf die Sprünge geholfen.
Keszler:
Leider war für mich nichts dabei (lacht).

ÖSTERREICH: Von der ORF-Show sind Sie direkt zurück ins Life-Ball-Büro gewechselt. Was können Sie über die neuen Projekte verraten?
Keszler:
Im Moment dreht sich alles um das „Red Ribbon Celebration Concert“, das heuer zum fünften Mal im Burgtheater stattfindet. Wir haben für den 10. Juni ein ganzes Line-up an Triple-A-Stars, zum Großteil Opernsänger, aber auch Schauspieler, die lesen. Thema ist Orpheus und Eurydike, was natürlich mit dem Life Ball viel zu tun hat: Die Liebe ist stärker als der Tod. Heuer ist es eine besonders schöne Inszenierung, weil wir zum ersten Mal nicht nur statisch mit dem Orchester agieren, sondern sich auch auf der Bühne viel tut. Zu den bisher bekannten Stars haben wir gerade Nicholas Ofczarek und Caroline Peters gewinnen können. Besonders freut mich auch, dass wir neben Sängern aus der klassischen Musik, wie Thomas Hampson oder Juan Diego Flórez, auch große Soul-Stimmen aus der Unterhaltung einbauen können, etwa ­Dionne Warwick.

ÖSTERREICH: Parallel zum Konzert im Burgtheater arbeiten Sie bereits am Life Ball für 2017. Was wird anders werden als bisher?
Keszler:
Wir wollen den inhaltlichen Aspekt wieder stärker in den Vor­dergrund stellen. Die Frage ist: Wie kann man in ein Unterhaltungs-Event noch massiver das Thema HIV einbinden, ohne die Konzentration der Leute zu verlieren? Es wird kein „Zurück zum Anfang“ werden, aber ein „Zurück zum Relevanten“. Viele sagen, endlich wird der Life Ball wieder wie früher. Nein, wird er nicht. Alles hat seine Zeit: In den 1990er-Jahren war der Life Ball pure Provokation, um das Thema überhaupt in die Medien zu bringen, dann hat er sich extrem vergrößert und ist sehr mainstreamig geworden. Ich glaube, jetzt geht es um die Internationalität, um die stärkere Vernetzung mit Organisationen, Beratern und Botschaftern. Wir sind ein kleines Team – und der Life Ball ist sehr, sehr groß geworden.

ÖSTERREICH: Heißt Internationalität auch, dass Sie mit dem Ball über die Grenzen Wiens hinausgehen wollen?
Keszler:
Ich wünsche mir, sofern die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben sind, dass der Life Ball in Wien bleibt. Gleichzeitig sind wir aber bestrebt, die Marke stärker und über das ganze Jahr sichtbar zu machen, nicht nur für das einmalige Event. Ich will den Life Ball einem Facelifting unterziehen, sehr, sehr viel verändern, auch wenn ich natürlich aufpassen muss, dass ich nichts zerstöre, was funktioniert. Ich war 28 Jahre alt, als ich angefangen habe, jetzt werde ich 53 Jahre. Ich will nicht, dass der Life Ball mit mir älter wird. Er darf nie die Aktualität bei seiner Klientel verlieren. Deshalb sind neue Leute, die sich im Kampf gegen Aids engagieren, immer sehr willkommene Gäste.

ÖSTERREICH: Wird das Thema „Dancing Stars“ in irgendeiner Form in Ihrer Arbeit weiter eine Rolle spielen?
Keszler:
Ich werde fix mit der Alex (Profipartnerin Scheriau, Anm.) weiter tanzen. Aber nicht beim Life Ball. Was ich in der Show gelernt habe, ist, mich meinem Lampenfieber zu stellen. Darüber bin ich ex­trem happy. Ich bin ja eher ein Mensch, der geschaffen wurde, um hinterm Schreibtisch zu sitzen. Wenn ich vor Leuten reden muss, krieg’ ich grüne Pusteln. Bei Dancing Stars war der Saal mit dem Publikum und den Kameras mein Todfeind. Ich habe zwar tänzerisch wenig Fehler gemacht, aber ich konnte mich nicht mehr gehen lassen. Ich bin dann gut, wenn ich spontan bin. Beim Life Ball wird mir jedes Mal eine Rede vorbereitet, die ich tunlichst nie rede. Ich glaube, auch wenn ich rhetorisch mal patschert bin, zählt einfach der Moment, in dem die Menschen meine Motivation hören, wo­rum es mir wirklich geht. Das kann keine Rede vermitteln, nur das Herz.

ÖSTERREICH: Zum Schluss: Eigentlich wollten Sie sich zeitgleich mit der Life-Ball-Pause auch eine private Pause gönnen. Wird die irgendwann noch nachgeholt?
Keszler:
Ja, das ist nicht ganz so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Wir haben uns dann doch sofort wieder in die Arbeit gestürzt. Wofür ich mir aber unbedingt einmal Zeit nehmen will: Ich möchte den Jakobsweg gehen. Das würde ich wirklich gerne machen.

Interview: Astrid Hofer

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