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ORF-Koch Zodl stirbt auf offener Bühne

Er wurde 66 Jahre alt

ORF-Koch Zodl stirbt auf offener Bühne

 Samstag, 21.30 Uhr, im Gloria-Theater in Wien-Floridsdorf: 250 Besucher sitzen bei den „Gigerln in Wien“ im Publikum, als Österreichs „Kochprofessor“ Franz Zodl (66) in der Rolle des Kellners das „Gulasch-Lied“ singt. Für Zodl, seit einem Jahr offiziell in Pension, ist die Rolle die Erfüllung eines lebenslangen Traums. Und die Zuschauer lieben ihn für seine authentische Interpretation. Sie applaudieren ihm, sie verneigen sich vor ihm.

Doch plötzlich fällt Zodl um. Ein Raunen geht durch die Zuschauermenge. Sie und Zodls Theaterkollegen – von Dorian Steidl bis Theaterdirektor Gerald Pichowetz – glauben anfangs, dass Zodl nur gestürzt sei. Aber es ist ernster. Zodl verliert das Bewusstsein, der Vorhang wird nach unten gelassen. Minuten der Ungewissheit zwischen Bangen und Hoffen. Pichowetz eilt vor, beginnt mit der Ersten Hilfe. Er sagt im Interview mit ÖSTERREICH: „Ich habe gespürt, da ist nichts mehr.“ Die Sanitäter treffen ein und kämpfen 45 Minuten lang um sein Leben. Doch vergebens. Der Altmeister stirbt auf offener Bühne. An dem Platz, wo immer seine heimliche Leidenschaft gelegen ist.

Weltpräsident der Köche
Zodl war Sacher-Koch, Pionier der TV-Küche („Seniorenclub“, „Aufgegabelt in Österreich“), Weltpräsident der Köche, Ausbilder der heimischen Elite, Direktor der Gastgewerbeschule am Judenplatz, Träger des „Goldenen Verdienstzeichens der Republik“. Ein Weltstar. Pflichtbewusst, aber alleinstehend. Pichowetz: „Er kam zu mir und bat mich um die Rolle. In der Pension gönn ich mir den Spaß, sagte er. Er war so glücklich.“ Tatsächlich. „Er ist wirklich aufgeblüht in seiner Rolle“, sagt Wilhelm Turecek, Obmann der Gastronomie.

Die Zuschauer haben das gemerkt. Bis zur letzten Minute.

Pichowetz: "Kurz war der Franz noch da"

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Franz Zodl vor seiner letzten Vorstellung erlebt?

Gerald Pichowetz: Er war Samstag früh noch in Helsinki als Vertreter der österreichischen Köche. Und hat zu Mittag noch Meisterkoch-Prüfungen abgenommen. Vor der Show habe ich nichts Auffälliges bemerkt. Wir haben sogar noch miteinander gewitzelt. Er hat gelacht.

ÖSTERREICH: Können Sie schildern, was dann auf der Bühne passiert ist?

Pichowetz: Er stand auf der Bühne und hat die „Geschichte der Gulaschlieder“ gesungen. Die Zuschauer applaudierten und plötzlich ist er umgefallen. Wir haben gedacht, er ist gestolpert.

ÖSTERREICH: Wie ging es dann weiter?

Pichowetz: Wir merkten, dass es ernst sein muss, weil er bewusstlos war. Der Vorhang wurde nach unten gelassen, wir haben im Publikum nach einem Arzt gefragt. Ich bin sofort nach vorne und habe Erste Hilfe geleistet.

ÖSTERREICH: Was haben Sie dann konkret machen können?

Pichowetz: Ich habe ihn Mund zu Mund beatmet und mit der Herzmassage begonnen. Doch ich habe gespürt, da ist nichts mehr. Er hat nicht mehr durch die Lunge geatmet.

ÖSTERREICH: Wann ist die Rettung da gewesen?

Pichowetz: Sehr schnell. Die Sanitäter waren schon nach sechs Minuten da, haben ihre Geräte aufgebaut. Alle Vorbereitungen für den Transfer in die Intensivstation des AKH wurden getroffen. Kurz war er noch da, sein Herz pumpte ganz schwach. Sie wollten ihn noch stabilisieren. Um 21.30 Uhr war der Kampf aber verloren.

ÖSTERREICH: Wie gehen Sie mit dem Schmerz um?

Pichowetz: Ich habe gar nicht geschlafen. Der Schock sitzt bei allen tief, wir müssen das erst verkraften. Die Show geht aber weiter. Franz war sehr pflichtbewusst, er hätte das so gewollt.

Autor: Jochen Prüller

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