Waxing-Lady:

ÖSTERREICH-Interview

Waxing-Lady: "Ich sperre zu"

Es begann mit der etwas skurrilen Forderung nach Fenstern in Intimwaxing-Kabinen. Und ist nach einem monatelangen Streit völlig eskaliert: Katia Wagner (29), Chefin von Wiens größtem Kosmetikstudio, der Beauty Bar in der Innenstadt, macht ihren Laden zu. Sie kann und will die Forderungen des Arbeitsinspektorats nicht erfüllen.

Geschlossen. Auch zwei weiteren Ablegern ihres Kosmetikstudios droht das Aus. 70 Mitarbeiter, großteils Frauen, sind ihre Jobs los. Und die junge Unternehmerin sitzt auf einem Schuldenberg.

„Es gab keine andere Lösung mehr“, so Katia Wagner resignierend. Statt Bußgeld zu zahlen, will sie in den Knast gehen, danach vielleicht ins Ausland: „Österreich ist einfach kein Land für Unternehmer.“

Wagner: "Ich sitze jetzt auf 500.000 Euro Schulden"

ÖSTERREICH: Wann werden Sie Ihre Ankündigung wahr machen und Ihre Beauty Bar zusperren?

Katia Wagner: So bald wie möglich. Mai ist mein Ziel, da die nächste Frist des Arbeitsinspektorats im Juni abläuft. Ich habe diese Woche schon 30 Mitarbeiter der Beauty Bar beim AMS zur Kündigung angemeldet. Ich rechne damit, dass ich auch die beiden anderen Salons zusperren muss. Insgesamt sind in etwa 70 Mitarbeiter betroffen.

ÖSTERREICH: Warum der radikale Schritt?

Wagner: Es gibt ständig neue Auflagen. Neben der Fenster in den Intimwaxing-Kabinen soll ich jetzt die Decke um vier Zentimeter anheben und eine Wohnung anmieten als Mitarbeiterraum. Das ist weder baulich noch wirtschaftlich möglich. Ich kann ja nicht ein paar Tausend Euro für eine Pediküre verlangen.

ÖSTERREICH: Was sagen Ihre Mitarbeiter dazu, die jetzt bald arbeitslos sind?

Wagner: Es sind viele Tränen geflossen. Sie haben Briefe ans Arbeitsinspektorat geschrieben, ihre Sicht geschildert, was ihnen wichtiger ist: eine vier Zentimeter höhere Decke oder ihr Arbeitsplatz. Die eigentliche Dramatik ist nicht, ob ich zusperre oder nicht, sondern, dass hier Frauen ihren Job verlieren, aufgrund von Deckenhöhen oder Sichtbehinderungen ins Freie. Beschämend! Dass mir jetzt auch noch vorgeworfen wird, ich hätte meine Mitarbeiter schlecht behandelt, ist lächerlich. Dann würde keiner hier arbeiten.

ÖSTERREICH: Immer wieder ging es um die fensterlosen Waxing-Kabinen. Wie viel Zeit verbringt eine Waxerin darin?

Wagner: Ein Intimwaxing dauert 15 Minuten. Und es ist jetzt nicht so, dass eine Mitarbeiterin den ganzen Tag ohne Sonnenlicht in der Kabine steht und es fahren wie am Laufband zu waxende Kunden vorbei. Die Kritik kommt durchwegs von Männern, die keine Ahnung von einem Kosmetikstudio haben.

ÖSTERREICH: Wie geht es für Sie jetzt weiter?

Wagner: Ich werde mich mit meinen Mitarbeitern zusammensetzen und schauen, ob es Möglichkeiten gibt, dass sie etwa auf selbstständiger Basis weiterarbeiten. Ansonsten suche ich mir einen Job. Vielleicht braucht ja das Sozialministerium PR-Unterstützung. Oder es gibt einen Job beim Arbeitsinspektorat. Bei aller Absurdität ist das Ganze natürlich traurig. Ich habe mit 25 gedacht, ich baue mir etwas auf. Ich habe einen Kredit aufgenommen. Ich sitze jetzt auf 500.000 Euro Schulden.

ÖSTERREICH: Und jetzt wollen Sie ins Gefängnis, anstatt auch noch Strafe zu zahlen?

Wagner: Genau. Ich werde alles tun, dass ich ins Gefängnis darf. Vielleichte teile ich mir ja dann die Zelle mit einem anderen Unternehmer. Denn auch wenn man das gerne so abtut: Ich bin alles andere als ein Einzelfall.

ÖSTERREICH: Viele andere Unternehmer raten Ihnen zum Auswandern. Ist das längerfristig auch eine Option?

Wagner: Definitiv. Jedes andere Land ist froh, wenn jemand kommt, Steuern zahlt, Arbeitsplätze schafft, Geld investiert. In Österreich ist es genau umgekehrt. Ich kriege Aggressionen, wenn ein Politiker sagt, wir schaffen Jobs. Die schaffen nicht sie, sondern die Unternehmer.

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