Lugner-Schock: Kampf um den Opernball

Treichl 
rechnet mit 
Lugner ab

Lugner-Schock: Kampf um den Opernball

Als Desirée Treichl-Stürgkh (46) letzten Sonntag im Flieger von Hamburg nach Wien Platz nahm und entspannt die Bild am Sonntag durchblätterte, traute sie ihren Augen nicht. „Als ich beim Ruby-Interview las, dass Richard Lugner bei ihr für den Opernball angefragt hat, dachte ich mir: Das darf nicht wahr sein, das ist absolut das Tiefste.“
48 Stunden und zwei schlaflose Nächte später ließ die Opernball-Organisatorin bei der Pressekonferenz Dampf ab. „Ich finde es pietätlos und traurig, dass Richard Lugner dieses arme Mädchen ausnutzt“, klagte sie an.

Seither ist der Eklat um die blutjunge Silvio-Berlusconi-Gespielin Ruby Rubacuori (18) perfekt. Der Opernball hat wieder sein Skandälchen. Und auch der ORF gießt Öl in das Feuer. Programmchef Wolfgang Lorenz gab ein Interviewverbot für Ruby aus. Wiens Gesellschaft diskutiert seither: Ist die Empörung rund um Lugners Stargast aus dem Horiziontal-Gewerbe legitim oder nur scheinheilig?

Keine Diplomatie. Im ÖSTERREICH-Interview rechnet Treichl-Stürgkh zwar mit Lugner ab, stellt aber auch einiges richtig: „Ich habe nichts gegen Prostituierte. Solange sie den Dresscode einhalten, können sie kommen. Aber der Opernball ist ein Staatsball und Ruby ist Kronzeugin gegen Kronzeugin gegen Silvio Berlusconi.“
 

Treichl: "Lugner hat keine Handschlag-Qualität"

Ball-Chefin Treichl-Stürgkh über Lugners Gast am Staatsball 2011

ÖSTERREICH: Frau Treichl-Stürgkh, vier Tage noch bis zum Opernball. Wie laufen die Vorbereitungen?
Desiree Treichl-Stürgkh: Es ist spannend, weil es dieses Jahr viel Neues gibt. Einen neuen Direktor, der den Opernball sehr schätzt und seinen Stellenwert kennt. Dominique Meyer hat sich sehr bemüht, ein tolles Eröffnungsprogramm zu organisieren. Das beste Orchester der Welt, die Wiener Philharmoniker, spielen erstmals live und der Weltstar Elina Garanca singt. Viele Künstler wie Anna Netrebko und Erwin Schrott sind als Gäste geladen. Alles ist wunderschön, bis auf einen Gast.

ÖSTERREICH: Sie meinen 
Richard Lugner.
Treichl-Stürgkh:
Den Namen spreche ich jetzt nicht mehr aus.

ÖSTERREICH: Sie haben aber durch Ihre Aussagen über Richard Lugner und seinen Stargast Ruby eine ziemliche Lawine losgestoßen.
Treichl-Stürgkh:
Ich glaube, in mir gibt es zwei Daisys. Eine Organisatorin, die mit den Skandälchen umgehen kann und muss. Und es gibt noch die Privatperson, und die ist mir bei der Pressekonferenz herausgebrochen. Aber ich bereue absolut nichts. Ich finde es wirklich beschämend.

ÖSTERREICH: Warum die Aufregung? Immerhin war schon Porno-Star Dolly Buster am Opernball...
Treichl-Stürgkh:
Ich bin von einigen Medien falsch verstanden worden. Ich habe nichts gegen Prostituierte. Ruby ist in meinen Augen ein armes Mädchen, deren Schicksal sie dazu gezwungen hat, in falsche Kreise geraten zu sein. Dass sie das Beste aus der Situation machen und Kapital daraus schlagen will, ist okay. Aber der Opernball ist auch ein Staatsball, der unter der Patronanz vom Bundespräsidenten steht. Es sind viele hochrangige Diplomaten zu Gast. Sie ist Kronzeugin gegen den italienischen Premierminister. Das ist diplomatisch bedenklich.

ÖSTERREICH: Sie haben auch angekündigt, dass Sie Richard Lugner nächstes Jahr keine Loge mehr geben.
Treichl-Stürgkh:
Über 2012 denke ich noch nicht nach. Wir haben eine große Warteliste. Bei uns gilt: Wer als Erstes reserviert, bekommt die Loge. Da könnte es für Herrn Lugner eng werden. Aber einen Logen-Kampf 2012 gegen ihn jetzt zu beginnen wäre der falsche Weg. Was glauben Sie, was da für ein Raunen durch die Medien gehen würde, wenn ich ihm die Loge wegnehme. Ich habe nichts davon, wenn ich die Lugner-Verbannerin werde. Mein Fokus liegt jetzt auf dem heurigen Ball, dass die Eröffnung so gut wird, dass über die Kunst gesprochen wird. und unsere Gäste sich wohlfühlen.

ÖSTERREICH: Das klingt nach Konkurrenzkampf.
Treichl-Stürgkh:
Um Gottes Willen, nein. Ich befinde mich nicht im Konkurrenzkampf. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass es zwei Opernbälle gibt. Einen, der in gewissen Medien stattfindet und einen in der Staatsoper. Wir möchten die Kunst in den Vordergrund stellen. Ich weiß nicht, welche Schweinereien man anstellen muss, um für Lugner zur Konkurrenz zu werden. Wenn die Medien ein paar Seiten mehr den Künstlern, den Debütanten und anderen Gästen widmen würden, wäre dem Ball schon sehr geholfen.

ÖSTERREICH: Würden Sie Richard Lugner bei der Wahl seiner Stargäste beraten?
Treichl-Stürgkh:
Ich habe Herrn Lugner nie persönlich getroffen. Dieser Mann ist beratungsresistent. Früher habe ich Lugner verteidigt, etwa als er Dita Von Teese als Gast hatte, eine angesehene Künstlerin. Diese Zeiten haben sich geändert. Er hat keine Handschlag-Qualität mehr. Er verspricht so viel und haltet gar nichts. Ich rede mit vielen Logenbesitzern über ihre Pläne, welche Gäste sie einladen. Aber das passiert auf einem anderen Niveau und das sind auch Menschen, die sich ausdrücken können.

ÖSTERREICH: ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz hat den ORF-Mitarbeitern ein Interviewverbot für Ruby angeordnet und hat Angst, dass der Opernball zum Nuttenball wird.
Treichl-Stürkgh:
Das ist lächerlich. Davon kann nicht die Rede sein, wir sind so weit weg davon. Das sind die üblichen Skandälchen, die nach dem Opernball vergessen sind. Wolfgang Lorenz hat nur gemeint, dass man nicht nur den Fokus auf Ruby richten soll, sondern auf die anderen tollen Gäste und die Kunst.

ÖSTERREICH: Zu Ihnen. Sie organisieren seit vier Jahren den Opernball. Wie hat er Sie verändert?
Treichl-Stürkgh:
Meine Stimme ist bei Interviews fester, ich schrecke auch nicht mehr vor Kameras zurück. Auch wenn man es mir nicht ansieht, aber ich bin schüchtern. Diese Schüchternheit habe ich durch den Opernball ein wenig ablegen können. Früher habe ich vieles durch die rosarote Brille gesehen, die hat sich mittlerweile auch ein wenig verfärbt.

ÖSTERREICH: Wird Ihr Mann Sie dieses Jahr wieder begleiten?
Treichl
-Stürgkh: Nein, leider nicht, er ist bei einer Tagung in New Delhi. Aber ich bin mittlerweile stark genug, dass ich den Opernball ohne meinen Herzens-Bodyguard schaffe.

ÖSTERREICH: Nach dem letzten Opernball hatten Sie einen kleinen Burnout. Wie ist das passiert?
Treichl-Stürgkh:
Die letzten 14 Tage vor dem Ball sind extrem anstrengend. Ich schlafe nur zwei oder drei Stunden pro Tag, habe kaum Zeit für meine Familie und flitze den ganzen Tag von einem Termin zum anderen. Ich hoffe, dass es mir dieses Jahr nicht passiert, obwohl mir die Pressekonferenz am Dienstag ziemlich zusetzte. In diesen Situationen hilft immer mein Mann, der dann zu mir sagt: „Schatzi, es ist nur ein Ball!“ Er hat recht.

ÖSTERREICH: Können Sie uns ein paar Details über Ihr Opernballkleid verraten?
Treichl-Stürgkh:
Der Designer ist Peter Weisz. Es wird hochgeschlossen sein und nicht die Farbe Schwarz haben.

Ida Metzger

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