Wenn Istanbul Wien zu nahe kommt

TV-Kritik

Wenn Istanbul Wien zu nahe kommt

Einer der Wiener Märkte, auf denen Wiener Traditionen und das, was die alten Bewohner dafür halten, mit türkischen (oder serbischen oder kroatischen) Gebräuchen aufeinanderprallen. Also ein hochaktuelles Thema, als Komödie geschickt verarbeitet, gut inszeniert, prächtig gespielt. Dass Prinz Eugen von der Caféhauswand herabsteigt, um Andreas Vitasek im Kampf gegen die „Tschuschn“ beizustehen, ergibt eine hübsche surreale Pointe. Und als Vitaseks Freunde meinen, „Wien darf nicht Istanbul werden“, scheint uns die Wirklichkeit auch parteipolitisch verdammt nahe.

Spätestens, wenn die üblen Redensarten, Bösartigkeiten, ungewohnten Bräuche von Blasmusik und dem Prinz-Eugen-Lied oder von türkischen Klängen untermalt werden, gelingt die zutreffende Ironisierung eines Stücks heimischer Realität.

Wenn zuletzt die famose Franziska Stavjanik (als Frau des Wiener Cafétiers Vitasek) und ihr Gegenüber („Ich bin eine Piefke-Türkin, denn ich hab lange in Deutschland gelebt.“) wegen der Kopftuch-Frage und der männlichen Dominanz zu streiten beginnen, obwohl die Männer bereits Friedensschluss signalisieren, wird diese Realität vervielfacht. Irgendwann sollten wir alle lernen, die Traditionen der Zugewanderten zu verstehen. Nicht unbedingt, alle zu akzeptieren.

Autor: Karl Löbl
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