Samuels Familie glaubt an Heilung

"Wetten, dass..?"-Unglück

Samuels Familie glaubt an Heilung

Es waren berührende Minuten. Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Christoph und Elisabeth Koch sitzen da, Vater und Schwester des im Dezember 2010 bei Wetten, dass..? schwer verletzten Samuel Koch (23).

Die Katastrophe
Mit bewundernswerter Offenheit sprechen die beiden über den tragischen Unfall und seine Folgen – Samuel Koch ist seit seinem schrecklichen Sturz vom Hals abwärts gelähmt. Millionen Fernsehzuschauer in Österreich, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern hatten live gesehen, wie der Stuntman beim Versuch, mit Stelzenbeinen über fahrende Autos zu springen, so folgenschwer scheiterte.

Angst
Wie es Samuel Koch jetzt geht? „Es war ja klar, dass die Frage zuerst kommt“, antwortete Christoph Koch Moderator Lanz. „Wenn ich diese Frage heute beantworte, kann es sein, dass sie morgen nicht mehr stimmt.“ Samuels Vater gesteht ein, dass er große Angst vor dieser Frage habe und fügt hinzu, seinem Sohn gehe es „mal besser, mal schlechter. Das ist noch längst nicht ausgestanden.“

Anteilnahme hilft
Obwohl „es stressig“ für ihn sei, im Fernsehen aufzutreten, sagt Christoph Koch, fühle er sich durch die Anteilnahme verpflichtet, die Menschen über den Zustand seines Sohnes zu informieren.

Schwester Elisabeth berichtet aus Samuels Alltag: „Um 7 Uhr wird er geweckt, dann frühstücken wir mit ihm. Samuel hat Therapien bis um 12 Uhr. Dann essen wir und er hat Pause bis um 14 Uhr, dann Therapien bis um 17, 18 Uhr. Er freut sich da drauf.“

Simple Dinge bestimmen zuweilen Samuels Leben. „Letztens hat ihn eine Fliege in der Nacht geplagt“, sagt Christoph Koch. „Da kann er ja nichts tun. Eine Fliege, die ihm den Schlaf raubt. Das ist für uns hier kaum vorstellbar.“

Die Kraft, das schwere Schicksal zu meistern, schöpfen die Kochs aus dem Zusammenhalt der Familie und aus ihrem Glauben. Koch: „Wir schauen von Tag zu Tag.“

Dann erzählt er von einem Mann, der vor 18 Jahren in der selben Klinik wie Samuel behandelt wurde. Der Fall galt als hoffnungslos, heute fahre der Patient fröhlich mit dem Fahrrad. Koch: „Medizinisch mag es unwahrscheinlich sein, aber warum sollen wir die Hoffnung aufgeben?“

Das sagt Vater Christoph Koch über Samuel:

Über Samuels Zustand:
„Es geht ihm mal besser und mal schlechter. Er hat neben der Lähmung noch die Verletzung im Halswirbel auszukurieren. Das ist noch längst nicht ausgestanden.“

Über Samuels Therapie:
„Bewegung ist keine Quälerei. Wir wollen uns mit dem Zustand jetzt noch nicht zufrieden geben.“

Über Samuels Chancen, auf eigenen Bein zu stehen:
„Ich glaube, dass es wirklich werden kann. Ja!“

Über die Schuldfrage nach dem Unfall:
„Wir hatten intensive Zeiten auf der Intensivstation, und wir haben über alles gesprochen. Es gibt keine Tabus, keine Notlügen, kein Drumherumreden. Die Vorwürfe, die man sich selbst macht, sind die größeren. Das gilt für ihn wie für mich.“

Über Samuels Situation:
„Der Samuel kann ja nichts selbst. Sein Gehirn funktioniert einwandfrei, er hört gut und sieht gut.“

Über Samuels Wünsche:
„Er träumt, dass er seine ­Finger bewegt, dass er schwimmt. Die Träume sind meist angenehm, das Aufwachen ist unangenehm.“

Über Samuels Zukunft:
„Wir schauen von Tag zu Tag. Der Glaube stützt uns.“

Albert Sachs

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