Umfrage: 65 Prozent gegen Sido

Mehrheit will Rapper nicht

Umfrage: 65 Prozent gegen Sido

Das Comeback des Skandal-Rappers im ORF wurde gestern Nachmittag zur absoluten Geheimsache gemacht. Nicht einmal die hauseigene Pressestelle wurde von Programm-Chefin Kathrin Zechner über den Sendeablauf des Abends informiert. Der Grund: Zechner fürchtete, dass vorab Infos an Journalisten weitergegeben werden könnten.

Ein einzigartiger Affront gegen die eigenen Kollegen, der perfekt in das wirre Bild des ORF passt, das dieser in der gesamten Sido-Faustschlag-Affäre nach außen präsentiert.

Dazu kommt: War sich die ORF-Führung sicher, mit dem Sido-Comeback der Meinung der Österreicher gefolgt zu sein, erweist sich auch das als folgenschwere Fehleinschätzung: Während noch vor einer Woche die Internet-Community eindeutig gegen Heinzl und für Sido gevotet hat, sind mittlerweile (so eine Umfrage von oe24.at) 65 Prozent der Österreicher gegen das ORF-Comeback von Sido.

Dazu kommt:

  • Während Sido in der Familien-Show den Kuschelbär mimt, ermittelt das Landeskriminalamt Süd auf Hochtouren wegen des Heinzl-K.-o.-Schlags gegen ihn (siehe Kasten l.) Sprecherin Rossmann: „Sido wird von unseren Beamten zeitnahe einvernommen werden.“
  • Diese Ermittlungen und vor allem, dass trotz dieser Sido vom ORF wieder zurück auf den Schirm geholt wurde, sorgen jetzt auch in der Politik für Aufregung: Spätestens am 14. November im Programm-Ausschuss und einen Tag später im Stiftungsrat werden ORF-Chef Wrabetz und seine Programm-Direktorin Zechner ihre schusssicheren Westen anlegen müssen. Denn bereits jetzt kündigt etwa Stefan Petzner (BZÖ) an: „Wir werden dort den Rücktritt von Wrabetz fordern.“ Ähnliches plant auch die FPÖ. Etwas moderater – derzeit noch – die ÖVP. Franz Medwenitsch: „Das Comeback ist nicht nachvollziehbar.“
  • Auch im ORF selbst formiert sich jetzt zusehends der Widerstand: Während der mächtige Finanz-Chef des ORF sich entspannt zurücklehnt und „zusieht, wie seine liebste Feindin Zechner gegrillt wird“ (so ein ORF-Insider), wagen erste ORF-Stars leise Kritik. Armin Wolf via Facebook: „Man kann natürlich über Sido diskutieren …“
  • Doch all die Kritik scheint Zechner und Co. wenig zu beirren. „Sie hat die Rückkehr Sidos inszeniert, weil sie ihn in Wirklichkeit auch bei der nächsten Staffel und anderen ORF-Projekten dabei haben will“, so ein ORF-Stiftungsrat.

 

Diashow Sido-Comeback: Das sagen Promis & Politiker

Niki Lauda, Formel-1-Legende

„Der ORF hat mit dieser Entscheidung mittlerweile ein ­Niveau erreicht, dass ich mich nicht mehr dazu äußern möchte.“

Franz Küberl, Caritas-Chef & ORF-Stiftungsrat

„Der ORF zeigt: Einer hat etwas getan, das sich nicht gehört, und entschuldigt sich dann. Dann ist eine Wiederversöhnung nur ein Akt der Fairness.“

Franz Medwenitsch, ORF-Stiftungsrat (ÖVP)

„Das Comeback ­Sidos ist eine nicht nachvollziehbare Rücknahme einer getroffenen und richtigen Entscheidung. Ist jetzt ­Gewalt doch akzeptabel?“

Rotraud Perner, Therapeutin

„Es ist so schwer, abzuschätzen, wie diese Rauferei zustande kam. Aber als ‚Hype‘ ist das ein Schlag ins Gesicht für Frauen und Kinder, die daheim Opfer von Gewalt werden.“

Stefan Petzner, BZÖ-Abgeordneter

„Mir fehlen die Worte. Ich hoffe, es kommt zu einem Aufstand der Gebührenzahler. Ich sehe nicht ein, dass Österreich einen ‚Piefke-Moderator‘ braucht. Aus Quotengeilheit einen kiffenden, prügelnden Piefke in eine Familienshow zu setzen, ist inakzeptabel. Das ist eine Sauerei!“

Franz Klammer, Ski-Legende

„Sido darf zurück zum ORF? Was ist das für eine Weichreiberei? Auch wenn er provoziert wurde: Gewalttätigkeit hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren. Dazu kommen die Beschimpfungen, die er auf dem Video für alle hörbar losgelassen hat. So einer darf doch nicht Juror sein. Sido ist nicht gesellschaftsfähig.“

Zabine, „Große Chance“-Jurorin

„Sido ist mein Lieblingsjuror. Er ist der Motor der Sendung. Ich konnte es gar nicht glauben, dass sie ihn gleich rausgeworfen haben. Ich hätte mir von Anfang an eine vernünftige Lösung gewünscht.“

Harald Vilimsky, FPÖ-Generalsekretär

„Das ist völlig indiskutabel für den ORF! Gewalt, primitive Schimpftiraden und offensichtlicher Drogenmissbrauch haben in einem öffentlich-rechtlichen Sender keinen Platz.“

Rudi Roubinek, Seyffenstein & Kurzzeit-Juror

„Die Sendung heißt 'Die große Chance', ­warum auch nicht die zweite Chance? Sido hat seine Fans, das Publikum wollte ihn zurück, für mich passt das.“

Norbert Steger, ORF-Stiftungsrat (FPÖ)

„Ich war froh, dass Sido und Heinzl weg waren. Beide haben im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen.“

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