Ziemlich beste Tanz-Freunde

Gery Keszler & Jazz Gitti

Ziemlich beste Tanz-Freunde

Wir zwei 
haben immer eine Hetz. Komm, Gery, zeigen wir denen mal, was wir schon können.“ Gesagt, getan. Vor dem ÖSTERREICH am SONNTAG-Interview legen die „Dancing Stars“ Gery Keszler (52) und Jazz Gitti (69) spontan gleich einmal eine flotte Sohle hin. Die Schritte sitzen, der Schmäh rennt. Keszlers Hund „Herr Brodmann“ beäugt neugierig das Tanztreiben.

Spaß am Parkett
Freitag für Freitag rittern Keszler und Jazz Gitti derzeit im ORF-Ballroom um Jury- und Publikumspunkte. Kommende Woche fliegt der erste Kandidat aus der Show. Und auch wenn die zwei eigentlich Konkurrenten sind, ist davon nichts zu spüren. Kein Wunder: Die Publikumslieblinge sind seit Jahrzehnten eng befreundet.

Doppeltalk
Im großen Interview sprechen sie über Freundschaft und neu entfachte Tanzleidenschaft, aber auch über Ernsteres: HIV, soziales Engagement und aktuelle Weltpolitik.

Kezsler & Gitti im Doppeltalk

ÖSTERREICH: Die ersten Solotänze sind geschlagen. Wie war die Tanzpremiere?
Jazz Gitti:
Ich hab’ gleich in der ersten Show kata­strophal getanzt. Die Choreografie hätte ich können, aber es war mir dann zu schnell. Da bin ich rausgekommen. Aber mein Gott, lustig war’s.
Gery Keszler: Ich glaube, wir waren alle total überwältigt, im positiven Sinn. Wenn du das alles zum ersten Mal siehst: den riesigen Saal, das Orchester, das dich wegbläst, die tobende Begeisterung des Publikums. Wahnsinn! Die Alex (Keszlers Tanzpartnerin Scheriau, Anm.) und ich haben uns mit der Nervosität abgewechselt. Am Ende war ich so entspannt, mehr relaxt ist tot sein.
Gitti:
Bis jetzt war es ja auch noch entspannt. Jetzt geht’s um die Wurscht.

ÖSTERREICH: Am Freitag fliegt der erste Promi raus. Wie ehrgeizig sind Sie?
Gitti:
Na jeder von uns will gewinnen, ist ja normal. Ich geh’ ja nicht zu einem Wettbewerb hin, um zu verlieren. Aber ich will überhaupt nicht, dass jemand rausfällt. Wir sind so eine leiwande Partie.
Keszler:
Das wäre mal ein konstruktiver Vorschlag: Es gibt nur eine Jury, die wie Cheerleader winkt, und keiner fliegt raus. Im Mai gibt es dann keinen Dancing Star, sondern ganz viele Tanzsternchen. Wir wären alle happy damit. Fürs Publikum wäre es halt irrsinnig fad (lacht).

ÖSTERREICH: Stichwort Jury, auch heuer gibt es die Diskussion: Sind Balázs Ekker und Co. zu streng?
Keszler: Die Juroren sind Teil der Unterhaltung. Solange sie sich auf eine professionelle Bewertung beschränken, muss man sie respektieren. Auch das „Good Cop, Bad Cop“-Spiel gehört dazu. Das Ganze sollte nur nicht ins Persönliche gehen. Ich bin relativ gechillt. Aber ein Kollege war wirklich gebrochen.
Gitti:
Das darf man nicht so ernst nehmen, das muss man wegdrücken können.
Keszler: Der Sinn ist ja letztlich auch, dass man zeigt, dass man sich steigert. Die Zuschauer wollen schließlich sehen, dass man sich bemüht.
Gitti: Das heißt, du hast am Anfang absichtlich schlechter getanzt.
Keszler: Nein, so ist das nicht. Ich möchte auch das mit dem Gewinnen relativieren. Natürlich will man bei einem Wettbewerb gewinnen, aber hier geht es wirklich ums Dabeisein. Das Tanzen macht enorm viel Spaß, es macht süchtig, man schüttet so viele Glückshormone aus. Das Training ist teilweise knallhart. Der erste Tanzschuh ist schon im Eimer. Aber ich freue mich trotzdem immer auf den nächsten Tag. Dass man, dass ich das überhaupt leisten kann, ist schon Belohnung genug. Was mir auch wichtig ist: Ich bin hier, um zu lernen, um eine Hetz zu haben. Ich spende meine Gage an die Aids-Hilfe Wien, aber die ist gleich hoch, egal wie weit ich komme. Das ist keine Masche, damit die Leute mehr für mich voten. Und ich kriege, auch wenn das vielleicht manche gefreut hätte, von meiner Tanzpartnerin keine Daumenschrauben angezogen.
Gitti: Aber hallo, die ziehst du dir eh selber an. Du willst ja immer perfekt sein. Aber sonst hättest du das auch alles nicht hingekriegt, was du schon geleistet hast mit deinem Ehrgeiz, mit deiner Kreativität und mit deinem Sturschädel. In Wahrheit brauchst du niemandem mehr was beweisen, nicht den Leuten und dir auch nicht.
Keszler: Mir ist Teamplay wichtig. Mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn es mal autoritär wird, aber ich werde dann schüchtern und krampfe mich ein. Und beim Tanzen muss man ja locker sein.

ÖSTERREICH: Gitti, Sie waren selbst schon oft auf Gerys Life Ball. Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Gitti: Wenn mich der Gery braucht, ruft er mich an, und dann bin ich da. Was er alles bewältigt, ist ein Wahnsinn. Man sieht ja an ihm, dass man mit HIV super leben kann, wenn man Zugang zu Medikamenten hat. Und das steht jedem zu. Die Pharmaunternehmen verdienen genug, die sollten spenden. Muss man die Medikamente eigentlich bezahlen?
Keszler: In Österreich zahlt die Kasse, aber das ist natürlich nicht überall so. Aufgrund der Generika ist inzwischen vieles leichter: Was über Jahrzehnte nur ganz wenigen Hunderttausenden zugänglich war, davon profitieren jetzt schon 15 Millionen, also fast die Hälfte der Lebenden. Es ist aber genug Geld da, um doppelt so viele Menschen zu versorgen. Jetzt geht es um die Logistik. Was ich beim nächsten Life Ball auch ins Zentrum stellen werde, ist, dass jeder das Bewusstsein entwickelt, regelmäßig einen HIV-Test zu machen und seinen Immunstatus zu kennen.
Gitti: Ich habe einen Bekannten, der HIV positiv ist, und der hat mir gesagt, dass er jetzt gar nicht mehr ansteckend ist.
Keszler:
Der ist dann, wie ich, unter der Nachweisbarkeitsgrenze. Damit kannst du sämtliche Intimitäten austauschen und es wird trotzdem nichts passieren, wenn du laufend in entsprechender medizinischer Behandlung bist. Da braucht man keine Berührungsängste haben. Darum geht es mir ja auch hier bei Dancing Stars: Berührungsängste abbauen. Die Alex wird gefragt im Bekanntenkreis oder vom Taxler, ob sie keine Angst hat, sich anzustecken. Aber ich bin nicht infektiös.
Gitti:
Ich habe da nie Berührungsängste gehabt. Ich sag ja sowieso, die Krankheit des 21. Jahrhunderts ist Immunschwäche. Egal ob Aids oder Krebs …
Keszler:
Oder zu wenig Hirn. Die Menschheit lernt nicht. Wir machen immer denselben Blödsinn.
Gitti:
Da braucht man sich nur die aktuelle Weltsituation anschauen.

ÖSTERREICH: Was konkret läuft Ihrer Meinung nach derzeit am meisten schief?
Gitti:
Alles. Uns könnte es so gut gehen, aber sie zerstören die Natur, die Menschen, hauen Bomben runter. Wofür? Damit der eine viel mehr hat als der andere. Wenn sich jeder nur das nimmt, was er braucht, haben wir alle genug.
Keszler: Ich glaube, das größte Virus derzeit ist die Ignoranz unserem Planeten gegenüber. Und dass ­jeder immer egoistischer wird. Wir fühlen uns überhaupt nicht verantwortlich für den Nächsten. Vor 70 Jah­ren sind unfassbare Grausamkeiten passiert, und die Leute haben gesagt, wir haben es nicht gewusst. Heute ertrinken Tau­sende Menschen, und wir schauen im Fernsehen zu. Und am nächsten Tag gehen wir ins Reisebüro und buchen genau dort am Mittelmeer unseren Urlaub.
Gitti: Ich mag diese ganzen Aggressionen nicht. Da krieg’ ich Angst. Deshalb bin ich auch froh, dass bei Dancing Stars alles harmonisch ist.

ÖSTERREICH: Sie beide wirken auch sehr harmonisch. Sind Sie privat befreundet?
Gitti:
Und wie, wir kennen uns ja auch schon ewig. Wir haben immer eine Hetz.
Keszler:
Früher bin ich immer von Wien zu ihr nach Korneuburg auf einen Kaffee geradelt. Das schaffe ich heute aber nicht mehr. Ich schnaufe ja beim Tanztraining schon wie eine Dampfmaschine.

Interview: Astrid Hofer

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