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Mit Bildung gegen Jugendverschuldung

Mit Bildung gegen Jugendverschuldung

Die Finanzwelt wird stetig komplizierter. Heute sehen sich insbesondere junge Menschen immer häufiger mit komplexen Finanzprodukten konfrontiert, die sie nicht oder nur unzureichend verstehen. Die Folgen sind in der wachsenden Jugendverschuldung sichtbar. Da der Anteil an Jugendlichen in der Privatinsolvenz steigt, lohnt es sich, hier einen kritischen Blick auf die Hintergründe zu werfen.

2011 verzichtete Österreich auf die Teilnahme an einem Finanzwissen-Test im Rahmen der PISA-Studie 2013.

Etwa 27 Prozent derer, die 2013 die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch genommen haben, waren 30 Jahre alt oder jünger. Laut der Schuldnerberatung sind die häufigsten Gründe für eine Überschuldung von Jugendlichen insbesondere ein unverhältnismäßiges Konsumverhalten vor allem kurz um den ersten Auszug herum. Die Kosten für die erste eigene Wohnung, Miete, eventuelle Renovierung, das erste eigene Fahrzeug und ähnliches werden unterschätzt, sodass die anfallenden Beträge irgendwann das Einkommen übersteigen. Hinzu kommen vertragliche Verpflichtungen für Handys und Smartphones sowie die steigenden Kosten für Freizeitvergnügen. Besonders Jugendliche in der Ausbildung, die noch ein relativ geringes Einkommen haben, werden solche Verhältnisse schnell problematisch.

Gerade für junge Menschen sind Konsum und Image auch ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Lebens. Einen entsprechenden Stellenwert haben also Markenkleidung oder technische Geräte bestimmter Hersteller.

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Quelle: ooe.schuldnerberatung.at

Für Kleidung und Accessoires geben Jugendliche am meisten Geld aus und auch für das Ausgehen in Bars oder Clubs wird investiert. Erst auf dem siebten und neunten Platz finden sich Alkohol und Tabakwaren. Dabei wird meistens online eingekauft.

Die große Jugendstudie 2013 hat sich mit dem Thema „Jugend und Geld“ befasst. Hier wurde nicht nur das Konsumverhalten der Jugendlichen analysiert, sondern auch deren Umgang mit Geld und es wurden auch Fragen zum familiären Hintergrund gestellt, die herausstellen sollten, woher Kinder und Jugendliche ihr Finanzwissen beziehen und wie sehr das Elternhaus dabei involviert ist.

29 Prozent der befragten Jugendlichen findet es völlig normal, Schulden zu haben. Entsprechend niedrig ist die Hemmschwelle, Kredite aufzunehmen oder im Freundeskreis kleinere Beträge zu borgen. 36 Prozent sind sich sicher, dass im Zweifelsfall ihre Eltern für die Schulden aufkommen werden. Laufende Kosten etwa für das Smartphone wurden bei 59 Prozent von den Eltern getragen, sodass für die Jugendlichen keine sichtbaren Kosten entstanden sind.

Mit Prävention die Jugendverschuldung eingrenzen

In der Jugend wird das Konsumverhalten für das spätere Leben geprägt. Entsprechend wichtig ist es, dass Jugendliche schon frühzeitig Finanzwissen vermittelt bekommen, um sich später im finanziellen Alltag sicher bewegen zu können. Der Großteil der monetären Erziehung findet im Elternhaus statt. Die meisten Kinder und Jugendlichen bekommen von ihren Eltern Taschengeld zur freien Verfügung. Allerdings ist dieser finanzielle Rahmen meist nicht sehr eng gesteckt; wenn das monatliche Geld nicht reicht, gaben die meisten Jugendlichen an, von ihren Eltern zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die wenigsten müssen dieses zusätzliche Geld anschließend den Eltern zurückzahlen und nur elf Prozent gaben an, keine weiteren Mittel zu bekommen. Entsprechend bleibt es für Jugendliche meist ohne Konsequenzen, wenn das Taschengeld zur Neige geht.

Eltern könnten hier entsprechend bestimmter durchgreifen, um dem Nachwuchs das Ende seines finanziellen Spielraums als solches deutlich zu machen. Insbesondere bei ausuferndem Konsum über das Smartphone, bieten sich Wertkarten an, die beispielsweise nur einmal im Monat aufgeladen werden. Dies setzt einerseits der Kostenfalle ein Ende und ermöglicht dem jugendlichen Nutzer auf der anderen Seite, geplanter mit dem eigenen Guthaben umzugehen, denn die meisten Befragten gaben an, durchaus auch Geld zu sparen. Viele bemühen sich auch selbst um zusätzliches Einkommen, wie etwa durch Ferien- und Nebenjobs.

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©pixabay.com (CC0 1.0)|White77

Was die Schule leisten kann

Etwa 93 Prozent von 12.000 befragten Europäern würde eine bessere Finanzbildung in der Schule begrüßen. 47 Prozent der befragten Österreicher gab an, keine Finanzbildung zu haben und nur jeder vierte hatte diese aus der Schulzeit, wie in diesem Beitrag erläutert wird.

Das große Problem, das daraus entsteht, wenn Kinder und Jugendliche nur von ihren Familien lernen, besteht vor allem darin, dass unzureichendes Wissen nicht ausgeglichen werden kann. Wenn die Eltern bereits Wissenslücken haben, können sie ihren Nachwuchs nicht optimal auf einen komplizierter werdenden Finanzmarkt vorbereiten. Hier könnte die Schule regulierend wirken, indem Finanzwissen fest in den Stundenplan integriert wird.

Auch die Banken und Kreditinstitute sehen die aktuelle Entwicklung kritisch und versuchen, dem entgegenzuwirken. Einige haben eigene Programme ins Leben gerufen, um Eltern und Schulen bei der Wissensvermittlung zu unterstützen. Anbieter easycredit.de unterstützt regionales Engagement zur finanziellen Bildung von Kindern und Jugendlichen finanziell mit bis zu 3000 Euro und richtet hierzu jährlich den „Fanpreis“ aus, bei dem Nutzer für die interessantesten Projekte abstimmen können.

Die Österreichische Nationalbank fördert ebenfalls die Bildung in diesem Bereich und bietet Lehrmaterialien wie Tools, Videos und Dokumente für alle Altersstufen vom Kindergarten bis zur Oberstufe an. Darüber hinaus veranstaltet die OeNB auch Workshops zur Weiterbildung für Lehrkräfte und stellt entsprechende Handbücher zur Verfügung.

Kooperationen mit Schulen können durchaus lohnenswert sein, auch wenn sie von privaten Anbietern angestoßen werden. Schließlich werden so erfahrene Finanzexperten mit in den Lernprozess einbezogen und können einerseits Lehrkräfte unterstützen, andererseits aber auch selbst Wissen vermitteln. Mit entsprechenden Aufgabenstellungen können auch Jüngere so bereits für die Finanzwirtschaft interessiert werden.

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