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Weniger Möbel, mehr Freiräume

Wohnideen 2015

Weniger Möbel, mehr Freiräume

In diesem Artikel werden zwei aktuelle Einrichtungs- und Wohntrends vorgestellt, die einige Gemeinsamkeiten, gleichzeitig auch grundlegende Unterschiede aufweisen. Puristisches Wohnen sowie Industrial Design setzen beide auf Schlichtheit und Funktionalität, Unterschiede lassen sich bei der Farbwahl und bei den verwendeten Materialien der Möbel feststellen. Im Folgenden werden einige grundlegende Informationen dieser beiden Stile aufgezeigt.

Puristisches Wohnen – Weniger Möbel, mehr Freiraum für den Menschen

Puristisches Wohnen ist ein Einrichtungsstil, der sich unter anderem auch aufgrund der verstärkten Urbanisierung zunehmender Beliebtheit erfreut. Da Wohnungen in der (Groß)Stadt häufig weniger Fläche als auf dem Land aufweisen, ist das puristische Prinzip für die urbanen Räume nützlich. Dieses Prinzip besagt, dass sich bei der Wohneinrichtung am Minimum zu orientieren ist, klare Linien und eine strikte Trennung bei der Raumausstattung sind des Weiteren zu bewahren. Durch die sparsame Ausstattung mit Möbeln haben die Bewohner mehr Freiräume. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das eigene Zuhause nüchtern und unterkühlt wirken muss.

Die Römer als Erfinder des puristischen Wohnens

Die Ursprungsidee des puristischen Wohnens ist indes keine neue, bereits die Römer konzentrierten sich vor etwa 2000 Jahren auf ein funktionales Design mit wenigen Einrichtungsgegenständen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der detailverliebte Wohn- und Einrichtungsstil mehr und mehr angeprangert. Das neue Credo vieler Architekten und Designer lautete: Reduktion auf das Wesentliche.

Puristisches Wohnen als Spiegelbild des modernen Zeitgeistes

Während in den 1950er und 1960er Jahren die Schränke, Regale und Kommoden mit Kleinkram und Erinnerungsstücken aus dem Urlaub vollgestellt wurden, werden diese Gegenstände und Erinnerungsstücke in modernen Wohnungen häufig in Schubladen und in Kisten verstaut.

Dies sehen einige Beobachter als ein Spiegelbild des heutigen Zeitgeistes an: Flexibilität und Pragmatismus sind gefragt, sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben können heutzutage schneller unerwartete Ereignisse eintreten als früher. Der Mensch fordert in diesen Momenten von sich selbst, dass er sich neu erfindet und von vorne anfängt. Dies wird auch von der Gesellschaft an ihn herangetreten. Das Entrümpeln und Umkrempeln der Wohnung ist ein Ausdruck dieser Lebenseinstellung, die sich manchmal auf das gesamte Lebensumfeld ausweitet.

Ein anderer Grund ist die zunehmende Konzentration auf das eigene Leben, eine wachsende Ich-Bezogenheit in der Gesellschaft, in der sich die Menschen selbst verstärkt als Mittelpunkt ansehen. Die Gestaltung der Wohnung ist somit auch häufig ein Stück Ausdruck der eigenen Identität und sagt etwas über die Persönlichkeit des jeweiligen Menschen aus.

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©pixabay.com|Unsplash (CC0 Public Domain 1.0)

Natürliche Farben und hochwertiges Möbeldesign

Die sparsamen Wohn- und Einrichtungskonzepte spiegeln sich in den natürlichen Farben wider, helle Holzfarben und eine weiße Wandfarbe sind prägende Aspekte des puristischen Wohnens. Ergänzt werden diese grundlegenden Elemente mit modernen elektronischen Geräten und Möbeln, letztere weisen häufig subtile farbliche Nuancen auf. Gleichzeitig dürfen die Einrichtungsgegenstände auch etwas hochwertiger sein. Die Sitzmöbel und Tische des Möbel- und Einrichtungsherstellers Kusch sind auf Funktionalität ausgerichtet, auf der Website sind Designmöbel aus Holz, Aluminium und Kunststoff zu sehen. Dieses Beispiel zeigt, dass hochwertiges Design und Funktionalität keine Gegensätze darstellen müssen.

Sowohl der Essens- als auch der Wohnzimmerbereich beim puristischen Wohnen kommt nahezu ohne Dekoration aus, die Ausnahmen bilden Pflanzen sowie moderne Kunstgegenstände. Im Wohnzimmer vermitteln ein Kaminofen sowie ein Sofa in den Tönen hellbraun, beige oder in Weiß eine gemütliche Wohnatmosphäre.

Neben den Webseiten der verschiedenen Möbelhersteller lassen sich aktuelle Design-Trends auch auf Möbelmessen nachverfolgen. Die größte Ausstellung in diesem Themenbereich ist die „Vienna Design Week“, die dieses Jahr vom 25.09. – 04.10.2015 in Wien stattfindet. Weitere Informationen zum Designfestival finden sich an dieser Stelle.

Industrial Design – Kühl mit farblichen Akzenten

Ein anderer Wohn- und Einrichtungstrend, der dem puristischen Wohnen in einigen Gesichtspunkten ähnelt, ist das sogenannte Industrial Design. Hierbei handelt es sich um einen Wohn- und Einrichtungsstil, der ebenfalls auf Reduktion setzt, gleichzeitig durch den modernen Stil wohnlich und futuristisch wirkt. Ein Altbau mit hohen Decken, noch besser eine Wohnung mit Loft-Charakter, eignen sich für die Umsetzung. Die grundlegenden Aspekte können indes in jeder Wohnung verwirklicht werden.

Der raue und etwas unfertige Stil spiegelt sich in rustikalen und schroffen Wänden wider, bei denen Steine oder Teile des Mauergemäuers noch zu erkennen sind. Im Gegensatz zum puristischen Wohnen setzt das Industrial Design auf dunkle, kühle Farben wie dunkles Blau, Grau oder Schwarz. Accessoires und Deko-Elemente wie eine Vase oder ein Teppich sind für die farblichen Akzente zuständig, die durch ausgeprägte Farben, z.B. ein starkes Rot oder knalliges Geld, einen Kontrast gegenüber der Wandfarbe bilden.

Durch die Verwendung der Materialien Kupfer und Eisen bei Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen wirkt die Einrichtung zunächst roh und rau. Die Kombination dieser Einrichtungsgegenstände mit Stoffen, Polstern und Kissen macht den Raum wohnlicher, Accessoires sorgen für mehr Gemütlichkeit. Handgefertigte Kästen aus Holz sowie lackierte Metallstühle oder Beistelltische, bei denen die Spuren der Verarbeitung deutlich zum Vorschein treten sind Beispiele für typische Industrie-Möbel.

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©Kusch+Co

Design als ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur

Das Industrial-Design regt die Bewohner zum selber Basteln und Schrauben an. Gebrauchsgegenstände im Haushalt, beispielsweise eine alte Werkbank oder Metallregale aus dem Keller, können mit Farbe und Dekoration zu Wohngegenständen umfunktioniert werden. Dies kann als ein Zeichen gegen die Kultur des Wegwerfens angesehen werden, die seit einigen Jahren vor allem in den westlichen Ländern zu beobachten ist. Durch ein paar Handgriffe können aus Alltagsgegenständen Einrichtungsgegenstände werden.

Industrial Design ist mittlerweile ein anerkannter Studiengang, der sich in den Schnittmengen von Wirtschaft, Technik, Ökologie, Kunst und Kultur ansiedelt. Eine Übersicht über die Inhalte der Ausbildung sowie einige Studienorte und Ausbildungsstätten sind auf wigl-design.at aufgeführt.

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