Becker: Das macht Kinder stark

Eltern-Tipps

Becker: Das macht Kinder stark

Dass ausgerechnet er – der geschiedene Vater, der seine Ehefrau betrog, während eines One-Night-Stands in einer Besenkammer eine uneheliche Tochter zeugte und „noch tausend andere Fehler in seinem Leben gemacht hat“, wie er heute selbst sagt, – darüber schreibt, was für Kinder gut ist, findet Boris Becker sogar selbst skurril. „Während der Arbeit an diesem Buch habe ich mich damit beschäftigt, dass sich die Menschen fragen werden, warum gerade ich darüber Bescheid wissen sollte, was für Kinder gut ist“, leitet Boris Becker in sein neues Buch Was Kinder stark macht (Verlag Zabert Sandmann) ein, das seit heute auf dem Markt ist. „Aber das eine ist die öffentliche Wahrnehmung, und das andere Bild zeigt mich, Boris Becker so, wie er ist mit seinen ganz privaten Empfindungen.“

Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Vater von drei Kindern (Elias, 8, Noah, 13 und Anna, 7) mit dem Gedanken, dass er in zwei Wochen 40 Jahre wird: „Jetzt, mit fast 40, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, bei mir selbst angekommen zu sein.“

Becker als Ratgeber
Und tatsächlich: Der 39-jährige Tennis-Held, der seit 2001 von Barbara Feltus, der Mutter seiner beiden Söhne Elias und Noah geschieden ist, schreibt in "Was Kinder stark macht" offen und ehrlich, wie nie zuvor, über seinen Weg aus dem Chaos hinein in ein glückliches Patchwork-Familienleben. Und gibt nicht zuletzt hilfreiche Erziehungstipps. Hier die besten Passagen:

Kinder stark machen - Schlechte Erfahrungen nutzen
Ich bin überzeugt, dass man nur dann Kinder stark machen kann, wenn man selbst stark ist, und damit meine ich vor allem mentale Stärke. Stark werden aber kann man nur über Erfahrungen – gute wie schlechte. In den Phasen meiner schlimmsten Krisen habe ich mich gefragt, warum passiert mir das. Heute weiß ich, dass mich gerade die Niederlagen und die eigenen Fehler zu dem gemacht haben, was ich bin. So wie ich kein unfehlbarer Mensch und Sportler bin, so bin ich auch kein unfehlbarer Vater.

Mit Fehlern umgehen
Eltern dürfen Fehler haben und machen, Kinder auch. Wir sind alle nicht perfekt. Meine Ehe ist gescheitert, und das hat meinen Kindern, vor allem Noah, wehgetan. Ich habe eine Tochter gezeugt, die nun damit leben muss, dass sie einen berühmten Papa hat, und die eine Mutter hat, die aus ihr eine kleine Berühmtheit machen will. Die Kinder tragen eine Hypothek. Sie sind hineingeboren worden in Lebenssituationen, die sie sich nicht aussuchen konnten. So ist es uns auch einmal ergangen. Das können wir nicht ändern, aber wir können unsere Kinder darin unterstützen, dass sie besser zurechtkommen mit dem, was wir Erwachsenen ihnen zumuten. Wir können sie ernst nehmen in ihren Sorgen.

Kinder schützen
Ich kann für meine kleine Tochter lange nicht so intensiv da sein, wie ich es möchte. Aber ich versuche ihr das Gefühl von Nähe zu geben, auch wenn ich nicht physisch anwesend bin, indem ich an sie denke und mit ihr telefoniere und ihr meine Liebe zeige, wenn wir uns sehen. Ich versuche Einfluss zu nehmen auf die Mutter und ihre Erziehung, und ich bemühe mich im Rahmen meiner Möglichkeiten, das Kind zu schützen.

Zärtlichkeit geben - Ich liebe es zu „Körpern“
Meinem Vater wäre es nicht eingefallen, die Windeln zu wechseln oder mit uns Schularbeiten zu machen. Auch Lob war nicht gerade seine Stärke, eher Kritik. Da habe ich eine ganz andere Überzeugung. Ich weiß, welche Rolle es besonders für Söhne spielt, wenn sie von ihrem Vater gelobt werden. Die Väter von früher hatten Angst davor, ihre Söhne zu verzärteln, sie wollten bloß nicht zu viel körperliche Nähe. Ich hingegen liebe dieses »Körpern«, wie ich es nenne. Ich liebe es, meine Kinder zu riechen, zu umarmen, mit ihnen in einem Bett zu schlafen, und ich nehme meine Kinder an, so wie sie sind. Manchmal sind sie stark und manchmal schwach.

Ich war unsicher
Ich ahne, dass es meinem Vater schwergefallen ist zu akzeptieren, dass ich nach dem schlimmen Autounfall, den ich mit drei Jahren hatte, erst für lange Zeit zu sprechen aufhörte und dann, als ich wieder etwas sagte, zu stottern anfing.
Ich musste mir in den folgenden Jahren die Wörter erarbeiten und die Sprache zurückgewinnen. Es ist mir lange schwergefallen, flüssig zu sprechen – und über meine „Ähs“, die ich in Interviews nicht vermeiden konnte, haben sich ja viele ausgiebig lustig gemacht. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass manche Kinder Zeit brauchen, um sich zu entwickeln und Sicherheit zu gewinnen. Der Sport hat mir dabei sehr geholfen, er war für mich die perfekte Balance – aber einen solchen Ausgleich muss man eben erst einmal haben. Ich möchte nicht wissen, wie vielen Kindern es in ihrer persönlichen und körperlichen Entwicklung helfen würde, wenn sie sich ausgiebig mit Sport oder Musik beschäftigen oder malen würden. Ganz zu schweigen von der Anerkennung der Freunde, der Mitschüler, der Eltern, der Lehrer – denn Anerkennung macht Kinder stark.

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