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Einzigartig: Düfte im Panzerschrank

Rund 1200 Parfums

Einzigartig: Düfte im Panzerschrank

Hinter gepanzerten Türen in einem Kellerraum sind rund 400 kleine Fläschchen aufbewahrt, bei einer konstanten Temperatur von 13 Grad Celsius. Sie sind durchnummeriert und tragen geheimnisvolle Aufschriften wie "Zypern" oder "Wasser der Königin von Ungarn". Der kleine Raum ist das Heiligtum der "Osmotheque" in Versailles nahe Paris, eines weltweit einzigartigen Museums und Archivs für Duftstoffe aus mehreren Jahrhunderten. Insgesamt beherbergt das Museum Proben von rund 1.200 Parfüms.

"Die 400 Düfte im Panzerschrank sind entweder sehr alt, oder aber sie sind heute nicht mehr auf dem Markt zu finden", erläutert Yves Tanguy, eine ehemalige "Nase", wie die Schöpfer von Parfüms in Frankreich genannt werden. "Das hier sind sozusagen unsere Juwelen." 175 dieser Duftkombinationen, die bereits verloren gegangen waren, wurden von Tanguy und anderen "Nasen" nach Originalrezepten wiederhergestellt. Der Franzose gehört zu den Pionieren der 1990 eröffnete "Osmotheque" - ein vom griechischen "Osme" (Duft) und "Theke" (Kasten) abgeleiteter Name.

Zu den rekonstruierten Düften gehört die älteste bekannte Essenz auf Alkoholbasis, das "Wasser der Königin vom Ungarn" aus dem Jahre 1370. Hergestellt wurde es aus Rosmarin-Essenzen mit einer Destilliertechnik, die von den Arabern entwickelt worden war. Die Essenz wurde damals als Weinbrand getrunken, und der Legende zufolge verjüngte sie Königin Elisabeth von Ungarn auf so wundersame Weise, dass sie noch als alte Dame von einem jungen polnischen Prinzen einen Heiratsantrag bekam.

Auch Napoleon Bonaparte soll auf die heilsamen Kräfte von Duftwasser geschworen haben. Er rieb sich bevorzugt von Kopf bis Fuß mit Kölnisch Wasser ein und verbrauchte nach überlieferten Berichten im Monat rund 120 Liter davon. Als er an seinem Lebensende auf die Insel Sankt Helena im Atlantik verbannt wurde, bestellte er ein Rezept für Kölnisch Wasser, für das Kräuter von der Insel verwendet wurden. Auch dieser Duft wurde in der "Osmotheque" wiederhergestellt.

Um verloren gegangene Düfte zu rekonstruieren, richtete der Gründer der "Osmotheque", der ehemalige Parfümschöpfer Jean Kerleo, eine Art Datenbank ein. Gemeinsam mit einigen namhaften Kollegen machte er sich auf die Suche nach alten Rezepten und seltenen Ingredienzen, von denen einige heute verboten sind. Dies gilt beispielsweise für eine Flüssigkeit, die aus Drüsen der afrikanischen Zibetkatze gewonnen wird oder für eine Substanz aus den Drüsen des tibetischen Moschustiers.

Ohne diese Substanz hätte keines der großen Chanel-Parfüms kreiert werden können, erläutert Kerleo. Heute seien die Tierarten jedoch geschützt und der Handel mit ihnen stark eingeschränkt. In der "Osmotheque" gebe es aber noch Reserven selbst von Zutaten, die kaum noch im Handel erhältlich seien.

Im Labor des Museums stehen Dutzende kleine Fläschchen mit Grundstoffen für Parfüms - Extrakte aus Moosen, Ingwer, Patschulikraut, Zimt, Rosenblüten oder auch Styrax, einer Art flüssigem Amber. Die Flakons sind wie Orgelpfeifen aufgereiht. Diese "Parfümorgel" sei sozusagen das Instrument, mit dem die "Nasen" ihre Düfte komponierten, sagt Kerleo.

Der Franzose hat mit seinen Kollegen viele vergessene Düfte wieder zum Leben erweckt, doch besonders stolz ist er auf eine Kreation: Auf Wunsch eines Historikers rekonstruierte er einen Duft, den der römische Gelehrte Gaius Plinius Secundus in seiner Enzyklopädie für Pflanzenkunde im ersten Jahrhundert vor Christi beschrieben hatte. Das "Königliche Parfüm" sei eine Art Öl aus Extrakten von Zimt, Kümmel und Akazienhonig, erläutert Kerleo. "Sein Duft ist wie eine Reise in die Vergangenheit."

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