Gault Millau: Drama um Starkoch Gerer

Ungerecht?

Gault Millau: Drama um Starkoch Gerer

Schauplatz Museumsquartier am Mittwoch abend: Während auf der Bühne das Gault Millau- Herausgeber-Duo Martina und Karl Hohenlohe die besten Köche des Jahres kürt, herrscht unter den zahlreichen Gästen nur ein Thema. War die extreme Abwertung des Wiener „Korso“-Kochgenies Reinhard Gerer auf eine magere Haube und 14 Punkte (siehe Liste) und die Aberkennung des Michelin-Sterns gerecht? Geht man mit einer kulinarischen Instanz, die zwei Jahrzehnte auf höchstem Niveau gekocht hat, derart hart ins Gericht? Kann ein Koch, der viele Jahre mit vier Hauben dekoriert war, das Kochen verlernt haben?

Eselböck findet eindeutige Antworten
Starkoch Walter Eselböck findet dafür eindeutige Antworten: „Natürlich sind die Gourmetführer dem Gast verpflichtet. Aber ich finde, dass die Guides auch die Verdienste des Kochs berücksichtigen müssen. In Frankreich behalten jene Köche, die mehrere Jahre die Höchstwertung bekommen haben, diese als Anerkennung für ihre Leistung ein Leben lang. Es wäre sinnvoll, wenn man auch hierzulande ein ähnliches Modell einführen würde. Kein Sportler oder Künstler schafft es, über mehrere Jahre das Niveau zu halten.“

Auch Österreichs Kochdoyenne Lisl Wagner-Bacher vom Landhaus Bacher in Mautern ergreift für Reinhard Gerer, der seit Bekanntwerden des desaströsen Ergebnisses abgetaucht ist, Partei: „Man hätte hier mehr Feingefühl zeigen sollen und die Bewertung vielleicht für ein Jahr aussetzen können.“

Zu Gunsten der Auflage?
Zugegeben: Reinhard Gerer hat in den letzten Jahren in der Küche Schwächen gezeigt. Aber Tatsache ist auch, dass jeder Gourmetführer bei erscheinen Publicity braucht. Und was zieht da besser, als einen der bekanntesten Köche des Landes auf Wirtshaus-Niveau zu degradieren? „Ich finde die Demontage des Reinhard Gerer überzogen. Offenbar muss es immer ein Opfer geben. Die menschliche Seite interessiert dabei niemanden. Das sollte man nicht akzeptieren,“ geht Toni Mörwald mit den Testern hart ins Gericht.

Derzeit ist Reinhard Gerer zu keinem Statement bereit. Insider berichten, dass ihn die Abwertung tief getroffen hat. Aber nach jedem Tief kommt ein Hoch - auch für Reinhard Gerer.

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Die Hauben-Absteiger 2008

KORSO BEI DER OPER: Mahlerstraße 2, 1010 Wien. Tel.: 01/515 16-546. www.restaurantkorso.at
Reinhard Gehrer – vom Starkoch zum Absteiger. Von 16 auf 14 Punkte hinunter.

SCHNATTL: Lange Gasse 40, 1080 Wien. Tel.: 01/405 34 00, Fax: 01/40 53 400.
Patron und Küchenchef Wilhelm Schnattl büßt eine Haube ein.

CULINARIUM: Saint-Julien-Str. 2, 5020 Salzburg. Tel.: 0662 87 88 85. www.restaurant-culinarium.at.
Das neue Design des Lokals konnte nicht punkten und kostete 2 Punkte in der Bewertung, auch von 16 auf 14.

EDEL-WEISS: Silvrettastraße 8, 6780 Schrunns. Tel.: 055 56/ 71 41. www.loewen-hotel.com.
Seine zu abgehobene Küche kostet Rudolf Grabner eine Haube.

KOCHART: Zürs 82, 6763 Zürs am Arlberg. Tel.: 055 83/22 71. www.robinson.de.
Effekte werden hier über die Kochkunst gestellt – ein Fehler.

PAN E VIN: Gstättengasse 1, 5020 Salzburg. Tel.: 0662/ 84 46 66.
Das einst so geliebte Lokal in der Salzburger Altstadt hat seinen Glanz verloren – wie gleich beide Hauben!

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