Handkuss oder Bussi-Bussi - Benimmregeln am Ball

Etikette

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Handkuss oder Bussi-Bussi - Benimmregeln am Ball

Wer am liebsten in ungezwungener Atmosphäre ohne Vorgaben feiert, sollte über einen Ball-Besuch zweimal nachdenken: Begegnungen und Konversationen werden bei der gesellschaftlichen Veranstaltung nicht dem Zufall überlassen, es gibt genaue Verhaltensregeln für einen Abend in Frack und Robe, erläuterte Etikette-Experte Thomas Schäfer-Elmayer: "Besonders beim Ball sind Benimmregeln wichtiger als sonst."

Der Handkuss ist nicht ausgestorben
Ein wichtiges Thema ist unter anderem der Handkuss: " Im Alltag ziemlich ausgestorben ist, am Ball gehört er sich", betonte Schäfer-Elmayer. Bei gesellschaftlichen Tanzveranstaltungen sehe man ihn nach wie vor sehr oft. Erlaubt ist mittlerweile allerdings auch ein Kuss auf die Wange: Vor allem im Bekanntenkreis werde der Schmatz auf die Hand zunehmend vom "Bussi-Bussi" abgelöst.

Rangordnung beim Kennenlernen
Nicht vernachlässigt werden dürfe die Konversation. Im Alltag oft kein Thema mehr, beim Ball aber unbedingt zu beachten seien Rangunterschiede. Beim Kennenlernen müsse die Status niedrigere Person, der darüber stehenden vorgestellt werden, erklärte der Tanzexperte. Stehen beide auf der gleichen Stufe wählt man die Floskel "Darf ich die Herren/Damen bekanntmachen".

Mann soll Frau aus dem Mantel helfen
Das Um und Auf ist allerdings das richtige Verhalten eines Herren seiner Dame gegenüber: Für Platzwahl, Verhalten und Konversation gibt es genaue Vorgaben. Neben Pünktlichkeit steht vor allem die Höflichkeit im Vordergrund: Der Mann sollte seiner Begleiterin aus dem Mantel helfen, ihr den Stuhl zurechtrücken, den Arm anbieten und natürlich die Türen aufhalten.

Damen müssen vom starken Geschlecht beschützt werden
"Nach wie vor ist es so, dass die Dame rechts geht, weil rechts der Ehrenplatz ist", so Schäfer-Elmayer. Nur auf der Straße wähle der Mann die linke Gefahrenseite. Bei einer Treppe gehe der Herr hinauf hinter der Frau, um sie im Fall der Fälle auffangen zu können, beim Hinabsteigen sei es umgekehrt. Im dichten Getümmel sollte der Frackträger vorne gehen um seiner Dame den Weg bahnen. "Er führt auch zum Tisch und bietet ihr den Platz an", erklärte der Benimm-Experte. "Wenn eine Dame sagt: 'Entschuldige mich kurz' sollte der Herr sofort aufspringen."

Notlügen sind erlaubt
Auch das Auffordern zum Tanz obliegt dem Herren, der dabei von vorne auf die Dame zu gehen sollte. "Wenn sie ablehnt, muss Mann das sportlich zur Kenntnis nehmen und nicht noch ein Verkaufsgespräch führen", warnte Schäfer-Elmayer. Für Damen ziemt es sich, im Gegenzug dem Herren zumindest eine Begründung zu nennen, "weil jede Ablehnung schmerzt." Auch wenn es nur Notlügen wie Müdigkeit oder schmerzende Füße seien. Ist man in der Gruppe unterwegs, sollte jeder Mann zumindest einmal mit jeder Frau tanzen.

Ordinär: Nein - Elegant: Ja
Zu einem guten Benehmen gehöre auch die passende Kleidung. Tiefes Dekollete und Beinschlitz seien erlaubt, "es sollte aber nicht ordinär sein, sondern elegant", so Schäfer-Elmayer. Männer müssen vor allem schwitzen: Jacke oder Sakko dürfen auf keinen Fall abgelegt werden, da das Hemd alleine nicht festlich genug sei.

Ein Ball ist kein Clubbing
Die wichtigste Voraussetzung für einen gelungenen Ball sei allerdings eine gute Stimmung: Es gebe leider immer mehr Leute, die einen Ball mit einem Clubbing verwechseln und auf einen Entertainer warten, kritisierte Schäfer-Elmayer. "Man sollte auf einen Ball gehen und gute Laune mitbringen." Viele würden einen Unterhalter erwarten, der Sinn einer derartigen Veranstaltung liege allerdings darin, dass sich jeder selbst amüsiere.

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