Wie erklärt man Kindern den Tod?

Kinder und Trauer

Wie erklärt man Kindern den Tod?

Sie weinen, lachen, stellen Fragen, verleugnen, reagieren wütend oder aggressiv - in ihrem Innersten sind sie aber unendlich traurig: Der Tod von Vater, Mutter, Bruder oder Schwester ist eines der schmerzvollsten Verlusterlebnisse für ein Kind. Ihre Trauer zeigen die Kleinen ganz anders als Erwachsene. "Die Bandbreite an Verhaltensweisen ist groß", sagte Silke Höflechner-Fandler, inhaltliche Leiterin des Verein Rainbows in Graz, der Kinder bei bei Trennung, Scheidung oder Tod begleitet.

Diese Umschreibungen können zu Ängsten führen

Kinder trauern anders
Ein großer Unterschied zwischen der Trauer von Kindern und Erwachsenen ist der, dass Kinder in "Trauerpfützen" springen, sagte Höflechner-Fandler, während Erwachsene im "Trauersee" baden. Das bedeutet, Kinder können traurig sein und im nächsten Moment wieder fröhlich spielen. "Das ist ein wunderbarer Schutz. Sonst wäre der Schmerz einfach zu viel für sie". Erwachsene irritiert dieses Verhalten manchmal und sie verstehen nicht, warum Kinder lachen.

Auffällig sind unauffällige Kinder: Kindern, die gar nicht auf den Tod einer nahestehenden Person reagieren, solle man Gespräche und Möglichkeiten anbieten, ihre Gefühle über Malen, Musik oder Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Sie leiden, auch wenn es nach außen nicht sichtbar ist.

Unauffällig ist auffällig
Kinder verstehen den "Tod" etwas anders als Erwachsene. "Die Kleinen (bis zu drei Jahren, Anm.) erleben den Tod als Abwesenheit oder Trennung. Sie verstehen nicht, dass er endgültig ist, dass der Verstorbene nicht wieder kommt." Oft suchen die Kleinen dann ganz verzweifelt nach der Person.

Im Vorschulalter, in der Zeit des "magischen Denkens", können sich bei Kindern Schuldgefühle breitmachen. Gedanken wie "Papa ist gestorben, weil ich schlimm war" belasten die Kleinen. Die Endgültigkeit des Todes begreifen sie auch dann noch nicht und wollen dem Opa z.B. Essen mit ins Grab geben.

Schulalter

Erst im Schulalter können Kinder realisieren, dass der Tod endgültig ist, auch wenn sie es emotional nicht verstehen und hoffen, dass der Verstorbene wieder kommt. Sie können dann allerdings schon begreifen, welche Ursachen zum Tod führen können. Der Expertin zufolge, solle man auch nicht davor zurückschrecken, Kindern die Leiche des Verstorbenen zu zeigen (es sei denn sie ist entstellt). "Ich würde das immer tun", sagte sie.

Gerade Kinder im Kindergartenalter sind sehr interessiert am Thema Tod. Diese Chance, darüber zu reden, sollte man nicht verpassen, "sondern ganz ehrlich, offen und kindgerecht antworten".
 

Kind zum Begräbnis mitnehmen?
Ganz häufig kommt die Frage von Betroffenen, ob man Kinder auf ein Begräbnis mitnehmen soll. Erwachsene wollen, dass Kinder behütet aufwachsen und nicht mit solchen Themen konfrontiert werden, meinte Trauer-Expertin Höflechner-Fandler. "Ich würde schauen, dass man sie immer mitnimmt." Vorausgesetzt, das Kind möchte das. Nimmt man es mit, soll darauf geachtet werden, dass man vorher mit dem Kind bespricht, wie die Beerdigung ablaufen wird: Dass viele Menschen kommen, sie schwarz gekleidet sind und womöglich weinen. Hilfreich ist, jemanden dabei zu haben, der nicht zu sehr von der Trauer betroffen ist und mit dem Kind weggehen kann. "Zu einem Abschied gehört das Kind dazu. Das Alter ist dabei egal."

Wie Kinder (oder auch Erwachsene) mit dem Tod einer geliebten Person umgehen, hängt davon ab, auf welche Art und Weise ihnen das Ereignis näher gebracht wird. "Das wichtigste ist, bei der Wahrheit zu bleiben und Kinder einzubinden", so die Expertin. Sie sollen beim Vorbereiten der Beerdigung dabei sein, eventuell die Musik mitaussuchen dürfen oder ein Bild malen.

Nach dem Tod von Mama oder Papa brauchen Kinder verstärkt Zuwendung. "Gerade dann bräuchten sie perfekte Eltern", was in dieser Zeit besonders schwierig ist, weil der lebende Elternteil selber durch den Verlust des Partners leidet.

"Es ist bewältigbar"
Der Tod einer Bezugsperson ist ein einschneidendes Ereignis, das prägt. "Auch wenn es schwer ist, können aus diesen Kindern glückliche Erwachsene werden. Es ist bewältigbar. Würden wir den Tod aus unserem Leben nicht so ausklammern, wäre er leichter zu bewältigen", so Höflechner-Fandler.

Auch beim Suizid gilt Ehrlichkeit. Man soll Kindern sagen, was passiert ist. Dass die Person selbst entschieden habe, nicht mehr leben zu wollen. Es müsse aber darauf geachtet werden, dass Kinder nicht selbst Sterbenswünsche entwickeln. "Wir würden mit einem Kind in der Trauerbegleitung nicht arbeiten können, wenn es nicht wüsste, dass die betroffene Person durch Selbstmord ums Leben gekommen ist." Beim Thema Tod gelte: nicht um den heißen Brei reden, sondern offen und ehrlich sein.

Mehr Infos: www.rainbows.at

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