Männer wollen

Fleisch und Alkohol

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Männer wollen "starke" Lebensmittel

Lust und Verzicht - so kurz lassen sich die geschlechterspezifischen Attribute beim Essen und Trinken deklarieren. Wie Jana Rückert-John von der Universität Hohenheim in Stuttgart bei einer Veranstaltung des Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) zum Thema der Gender-Aspekte in der Ernährung berichtete, haben Männer Lust auf "starke Lebensmittel" wie Fleisch und Alkohol, während Frauen schon sehr früh auf den Verzicht beim Essen konditioniert werden und deshalb eher zu Obst und Gemüse greifen.

Gemüse
Rund 129 Gramm Gemüse kommt laut einer deutschen Studie pro Tag auf den weiblichen Teller, die Männer schaffen überhaupt nur 112 Gramm pro Tag. Zwischen dem Ist und dem Soll gibt es immer noch ein großes Defizit. Empfohlen werden nämlich 400 Gramm Gemüse pro Tag.

Männer lieben Fleisch
Noch größere Unterschiede gibt es beim Fleischkonsum. Während Männer täglich 103 Gramm zu sich nehmen, kommen durchschnittlich nur 53 Gramm Fleisch auf den Teller der Frau. Beim Alkoholkonsum herrschen noch größere Differenzen: Frauen konsumieren 81 Gramm Alkohol (hauptsächlich Wein und Sekt) pro Tag, Männer liegen hier deutlich darüber mit 308 Gramm pro Tag (hauptsächlich Bier).

Obst und Gemüse
schwach
Entsprechend der Geschlechterrollenerwartungen gelte es, dass Obst und Gemüse schwache Nahrung sind und darum dem Weiblichen zur Seite gestellt werden, so Rückert-John. Fleisch und Alkohol wird eher dem männlichen Geschlecht zugesprochen. "So wie die unterstellte gesundheitsbewusste Ernährung von Frauen vor allem durch Verzicht und Disziplinierung erreicht wird, geben sich Männer eher lustbetont dem Essen wie auch der Regulierung der Folgen durch Sport hin", sagte die Wissenschafterin.

Macht, Kraft und Stärke

Gerade Fleisch gelte als ein Symbol von Macht, Kraft und Stärke, wie kulturwissenschaftliche Studien gezeigt haben, erklärte Rücker-John. Weil Fleisch im Laufe der menschlichen Entwicklung spätestens seit dem Übergang zur Sesshaftigkeit rarer auf den Speiseplänen geworden war und es auch lange blieb, stand es als Ausdruck einer befriedigenden, einer richtigen Mahlzeit.

Seitdem Fleisch wieder für weitere Bevölkerungsteile erreichbar ist, differenzierten sich Fleischsorten als rotes und weißes Fleisch mit entsprechend unterschiedlichen Wertschätzungen. Doch nicht nur die Qualität, auch die Quantität werde noch als Ausdruck von Differenz, auch geschlechtlicher, herangezogen, wenn das kleinere Stück Fleisch in Restaurants z.B. als "Lady-Steak" bezeichnet wird, während das Pendant dazu "Cowboy Steak" genannt wird, zitiert Rückert-John die Speisekarte eines Restaurants. Weitere Beispiele: Das "Jäger Schnitzel" und der "Stramme Max" wird eher männlichen Essern zugeordnet als die leichte Rezeptur der "Forelle Müllerin" oder die Süßspeise "Birne Helene" mit typisch weiblichen Bezeichnungen.

Gender-Food
Bereits im Kinderbereich werde typisches Gender-Food vermarktet. Ein- und derselbe Pudding einer bekannten Marke gibt es als knallrote Piraten- oder rosarote Prinzessinnencreme. "Bei einem Mädchen, das beim Essen reinhaut, sagt man 'Bumm, die hat einen Appetit". Bei Burschen sagt man, der braucht das, der wächst ja noch", kritisierte die Ernährungswissenschafterin Erika Lasser-Ginstl das Anerziehen des sozialen Geschlechts.

Verzicht ist weiblich
So ist der Verzicht beim Essen ein überwiegend weiblicher Aspekt, auf den junge Mädchen schon früh trainiert werden. Die durch Diäten anempfohlene weibliche Askese beim Essen verursacht nicht zufällig pathologische Formen wie Bulimie und Anorexie. "Dies als Gesundheitsbewusstsein zu deuten, bewegt sich deutlich jenseits von bloßem Euphemismus", sagte auch Rücker-John.

 Wie zentral das Essenzubereiten und das gemeinsame Speisen in früheren Gesellschaften war, verrät die Wortgeschichte, erzählte Elisabeth Meyer-Renschhausen vom Institut für Soziologie an der Freien Universität Berlin. "Das englische Wort 'mate' bedeutet ursprünglich 'Tischgenosse' und das Wort 'machen' kommt nicht von 'Macht', wie hin und wieder vermutet wurde, sondern von einem Wortstamm, der kneten bedeutet. Den Teig kneten - eine Tätigkeit, die Fladenbrotbäckerinnen des Südens oft noch heute täglich verrichten."
 

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