Die wilde Engländerin und das Phantom der Mode Die wilde Engländerin und das Phantom der Mode

Paris

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Die wilde Engländerin und das Phantom der Mode

Ein Laufsteg in einer ehemaligen Sargfabrik, Models mit Strumpfmasken und eine riesige Geburtstagstorte aus Stoff. Die Ingredienzen zur Feier des 20-jährigen Jubiläums des Modehauses Martin Margiela in Paris hätten kaum passender gewählt sein können. Gegen den Strich ist seit langem die Devise des Antwerpener Designers, der alles andere als ein Star sein möchte.

Auch Vivienne Westwood ist immer für eine Überraschung gut
Revolutinär und gegen den Strich arbeitet auch die Engländerin Vivienne Westwood, die Erfinderin der Punkmode, die in Paris ihre "ready to wear"-Kollektion für den Sommer 2009 zeigte.

Keiner kennt Margiela
Von Margiela existieren keine offiziellen Fotos, er gibt keine Interviews, Aussagen zur Kollektion werden nur im Namen des Hauses getroffen. Die Kleider sind statt mit einem Etikett mit einem weißen Wäscheband versehen, alle Mitarbeiter laufen in weißen Kitteln herum. Weiß wie eine unbemalte Leinwand: Der Margiela-Kunde soll sich seinen eigenen Reim machen.Natürlich lädt diese in der Mode unübliche Zurückhaltung zum Rätselraten ein. Renzo Rosso, Chef der italienischen Diesel-Gruppe, die das Label Margiela vor sechs Jahren kaufte, behauptete zudem gerade in der Zeitung "Herald Tribune", Margiela selbst arbeite kaum noch an der Kollektion. Das mache das Team, während der Modemacher sich um spezielle Projekte kümmere. Enge Freunde und Kollegen aus Antwerpen bestritten dies. Vielleicht wollte Rosso einfach das Geheimnis um den Mann noch vertiefen, der zu Beginn seiner Karriere mit einem dekonstruktivistischen Ansatz die Glamour-Mode der 80er-Jahre zum Auslaufmodell machte.Hauptgesprächsthema während der Jubiläumsschau war prompt, ob der Designer selbst anwesend sei. Selbst berühmte Kritiker wissen nicht, wie er aussieht. Eine der führenden Moderedakteurinnen Russlands hat ihn zumindest mal vor Jahren kurz gesehen: "Aber nicht gut genug, um mich zu erinnern." Und eine englische Star-Journalistin geriet bei Margiela einmal in den Backstage-Bereich. "Sie meint, dass sie ihn dort gesehen habe, aber sie ist nicht sicher", kolportiert eine Agentur-Kollegin.

Ärmel aus Perücken
Auch wenn er sozusagen gestaltlos durch die Szene geistert, die Ideen gehen dem 51-Jährigen nicht aus. Am Montag zeigte er Entwürfe, die zugleich als zukunftsweisende Kollektion im Rahmen der laufenden Pret-a-Porter-Schauen für Frühjahr/Sommer 2009 gedacht waren wie auch als Rückgriff auf seine entscheidenden Ideen. Es gab die für ihn typischen Trompe-L'Oeil-Effekte in Form einer auf eine weiße Viskosehose aufgetuschten Jeans oder eines Oberteils, dessen Ärmel sich als langhaarige Perücken entpuppten. Es gab weite Jeansjacken, bei denen man nicht mehr wusste, wo vorne und hinten war.

Bodies aus Plastiksackerln
Margielas Vorliebe für Recycling verstofflichte sich in Form von sexy Bodies aus Plastiksackerln. Auch die Beschäftigung mit ausladenden geometrischen Formen auf der "neutralen" Basis fleischfarbener Stretchanzüge verfolgte er weiter. Immer wieder blitzte dabei seine großartige Fähigkeit hervor, aus klassischen Jacken oder Trenchcoats etwas Aufregendes, Nie-Dagewesenes zu machen.

Wir haben Bilder von Martin Margielas Show und ein Video von Vivienne Westwoods Show!

Foto:(c)Reuters

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