Eigenheim mit einer guten Portion Witz

Homestory 56

© Ingo Derschmidt

Eigenheim mit einer guten Portion Witz

Kein Namensschild und keine Klingel verraten die Bewohnerin dieses Hauses. Nur ein massiver, bronzener Türklopfer. Tock, Tock. „Juhu“, ertönt es tief aus dem Inneren. „Nur hereinspaziert!“ Also gut. Tür auf – und da ist sie schon. „Willkommen!“, sagt die Hausbesitzerin. „Bitte wie zu Hause fühlen und vor allem Schuhe anlassen!“

Zu Besuch bei Dolores Schmidinger: Wer meint, dass eine Kabarettistin es beim Wohnen ebenfalls nicht so ernst nehmen kann, der liegt diesmal ausnahmsweise richtig. Liebevoll verspielt und ein wenig chaotisch präsentiert sich das feine Eigenheim in einem grünen Randbezirk von Wien. „Mein Zuhause ist ein individueller Ausdruck meiner Persönlichkeit“, sagt Dolores Schmidinger erwartungsgemäß. Zu entdecken gibt es viel: Gar abstruse Bilder von Kamelen in kitschiger Alpenlandschaft oder ein eigenhändig bemaltes Hirschgeweih. „Hier zu beachten bitte: eine originalgetreue Nachbildung des Klonschafes Dolly“, beginnt Dolores Schmidinger die Hausführung. „Oder soll ich doch lieber erstmal Kaffee machen?“ Die Kabarettistin ist eine herzliche Gastgeberin und eine überzeugte Wohnfrau: „Wenn ich heimkomme, dann will ich keine Designer-Garage, sondern einen Platz zum Wohlfühlen haben.“

Gut 200 Quadratmeter Wohnfläche umfasst das Reich von Dolores Schmidinger. Plus einen eigenen Garten. „Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder zum Frühstück im Freien zu sitzen“, erzählt sie. „Am schönsten ist im Sommer das Aufwachen, weil ich sofort durch die Terrassentüren ins Freie gehen kann.“ Da wird dann schnell noch ein wenig an den Pflanzen gezupft und gerupft, bevor die Kaffeemaschine in Gang gesetzt wird. „Als ich Anfang der 80er-Jahre in dieses Haus gezogen bin, haben wir uns für einen wilden Bauerngarten entschieden“, erzählt die Schmidinger. „Der ist besonders pflegeleicht. So wie ich!“

Die Aufteilung des Wohntraktes verfolgt das Prinzip des offenen Wohnens. Vom Eingangsbereich geht es türlos über einen langen Gang weiter: Links befindet sich die offene Küche, gegenüber eine gemütliche Sitzecke. Geht man noch ein paar Schritte weiter, steht man mitten im großzügig dimensionierten Wohnzimmer. Eine lange Fensterreihe lässt viel natürliches Licht herein.

Im sogenannten Privatbereich des Hauses hat sich Dolores Schmidinger ihr Büro eingerichtet. Ein Kinderzimmer wurde zum Kleiderraum umfunktioniert. „Tatarata, mein Schlafzimmer!“ Eine lustige Mischung aus Kleinmädchentraum und Boudoir: schwarzer Holzboden, Eisenbett, Spitzenbettwäsche und verspielte Spiegel an den Wänden. Statt eines klassischen Nachtkästchens wurde kurzerhand eine alte Büchertreppe zweckentfremdet. In Summe eine bunte Mischung, die in sich jedoch durchaus stimmig ist. „Ich mag alles Eklektizistische, Zusammengewürfelte“, erklärt die Schauspielerin ihren persönlichen Wohnstil. „Regelmäßig kaufe ich mir ein bekanntes US-amerikanisches Einrichtungsmagazin und dann lege ich mit dem Verschönern los.“

Bei der Zusammenstellung der Möbel hat Dolores Schmidinger in der Tat so ihren ganz eigenen Geschmack: „Möbel selbst mit Farbe zu verschönern, ist ja angeblich wieder in. Ich pinsle schon immer ein wenig herum“, behauptet die Kabarettistin keck und führt die Beweise ihrer Kreativität vor. Ein kleines Kasterl hier, ein Regal dort. „Ich will nicht unnötig viel Geld für den Geschmack irgendeines Designers ausgeben, ich mache mir mein Design lieber selbst“, lautet ihr Credo.

Bestes Beispiel hierfür ist das Wohnzimmer: Meterlange Regale an den Wänden sind übervoll beladen mit Büchern. Bücher, die ganz klar auch gelesen werden. Zwei Couchen in Cremefarben wurden mit einem Tisch im 70er-Chic kombiniert. Als ungewöhnlicher Kontrast dazu präsentiert sich der gusseiserne Ofen mit einem markanten Schrank aus den 50er-Jahren. „Die 50er hab ich überhaupt ganz gern“, kommt Dolly in Plauderlaune. „Wenn ich Zeit habe, dann wandere ich von einem Trödler und Flohmarkt zum nächsten und such mir neue Dekostücke zusammen.“ Die neueste Errungenschaft: eine Stehlampe im Pseudo-Japan-Stil. „Die hab ich zwar nicht wirklich gebraucht, sie hat mir aber einfach gut gefallen.“ Was an dekorativen „Staubfängern“ eines Tages ausgedient hat, wandert ein Stockwerk tiefer. Denn im Kellergeschoß gibt es neben einem Fitness-Raum auch ein Archiv. „Fotografieren strengstens verboten“, lautet jedoch hier die Ermahnung.

Auch zur Einbauküche eines bekannten heimischen Küchenherstellers gibt es, einmal abgesehen von dem beeindruckenden Türkisblau der Türen, eine lustige Geschichte: „Als wir hier eingezogen sind, gab es in der Küche kein Fenster.“ Laut Architekt wäre der Ausblick sowieso kein schöner gewesen. Das wollte die Kabarettistin nicht akzeptieren. „Heute ist es der beste Blick über Wien vom ganzen Haus“, sagt Dolores Schmidinger und merkt an: „Wozu studieren die jahrzehntelang?“Dolores Schmidinger hat es gern ein wenig skurril: Bei ihren Auftritten als Kabarettistin oder Schauspielerin genauso wie in ihren eigenen vier Wänden. „Wer braucht schon ein Museum zum Wohnen“, fragt sie und gibt sich gleich selber die Antwort. „Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als meine Eltern und die Eltern meiner Freundinnen noch mit den Gründerzeitmöbeln ihrer Großeltern gelebt haben.“ Ein durchaus verständliches Trauma, gegen das sich Dolores Schmidinger jedoch bis jetzt erfolgreich zur Wehr gesetzt hat.

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