Gartenhaus als Kunstobjekt

Homestory 39

© Astrid Bartl

Gartenhaus als Kunstobjekt

„Ein Haus soll Schutz bieten, Inspiration ermöglichen, ein Heim für Freunde und Arbeit sein“, sagt Elisabeth von Samsonow. Die Philosophieprofessorin und Bildhauerin weiß, wovon sie spricht. Denn sie hat ihren persönlichen Anspruch vom Wohnen in einem alten Bauernhaus im Weinviertel perfekt in die Tat umgesetzt: eine geglückte Mischung aus bäuerlichem Stil und kräftigen Farben – üppig mit eigenen Kunstwerken dekoriert. Trotz der erklärten Liebe von Frau Professorin zur Stadt mit den Vorteilen eines modernen Lebens will sie ihr kleines Refu­gium auf dem Land um keinen Preis der Welt mehr hergeben. „Der Kopf in den Wolken, die Füße fest im Boden verankert“, klärt sie den vermeintlichen Gegensatz zwischen Beruf und ihrer ungewöhnlichen Wohnüberzeugung auf. Das muffige, mit Büchern zugemauerte Arbeitszimmer eines Philosophen sucht man hier vergeblich. Im Gegenteil, Elisabeth von Samsonow schätzt das Leben auf der Erde: Im ganzen Haus verteilt finden sich Teppiche und gemütliche Sitzkissen. Sofalandschaf­ten sucht man dagegen ebenso vergebens. „Mein Haus ist wie meine Lieblingsjacke, in die ich zum Feierabend hineinschlüpfe“, bringt es die Künstlerin auf den Punkt.

Gut 120 Quadratmeter hat Elisabeth von Samsonow für sich und ihre Tochter Gaia als Refugium ausgebaut: „Eine Wohnung sollte nicht falsch verstanden repräsentativ, sondern einfach gastlich sein“, sagt sie. Kein Wunder, dass die Schulfreunde der Tochter Schlange stehen, um das Wochenende in diesem Märchenhaus verbringen zu dürfen. Aber auch die zahlreichen Bekannten und Freunde der Künstlerin sind allzeit gern gesehene Gäste – zum Tratschen, Wohlfühlen oder gemeinsamen Kochen.

Der Ursprung des Hauses geht bis in die Barockzeit zurück. Die einzelnen kleinen Zimmer sind „wie die Coupés in einem Zugabteil“ zu betreten. Der alte Schweinestall – ein Neubau aus den 1950er-Jahren – ist ­heute das Atelier von Elisabeth Samsonow. Davor befinden sich die Küche, ein Esszimmer und der Lieblingsraum der Hausbewohner: die alte „Rauchkuchl“. Dieses sogenannte Sommerzimmer mit offenem Kamin und großen Glastüren öffnet auch den Weg in den Garten. Dieser selbst ist, wie nicht anders zu erwarten, wie das ganze Haus als Kunstwerk gestaltet. Wacholder und Buchsbaum sind in Form geschnitten, jedoch ganz und gar nicht im Sinn eines Gartenarchitekten aus der Barockzeit, sondern als künstlerischer Ausdruck der Hauseigentümerin. Überhaupt präsentiert sich das ganze Haus als in sich geschlossenes Kunstwerk. „Fürs Wohnen sind mir anspruchsvolle Design­möbel überhaupt nicht wichtig“, sagt Elisabeth von Samsonow. Viel lieber mag sie die Möbel aus den 1950er-Jahren, die sie mit ihrem Haus übernommen hat. „Kleine, bodennahe Möbel üben auf mich auf ganz besondere Weise Faszination aus“, erzählt sie weiter zum Thema Einrichten und will damit sagen, dass man Räume nicht vollstellen, sondern als Einheit für sich wirken lassen soll.

Eine ganz besondere „Wohneinheit“ hat sich Elisabeth von Samsonow im Dach­boden des alten Gemäuers geschaffen. Über eine kleine, steile Treppe lässt sich der ausgebaute Dachboden des Hauses erklimmen. Wie ein Beduinenzelt betritt man ein Schlafzimmer, das in der Sekunde an eine Bambushütte auf einem einsamen Strand an einer thailändischen Küste erinnert. Dieser Raum repräsentiert wohl am besten die Einrichtungsphilosophie der Professorin: Kleine ­Möbel, große Statuen, viele Dekostücke der unterschiedlichsten Stile und flauschige Teppiche laden zum Verweilen ein. Mit einem gewissen Pragmatismus wurden auch Stauprobleme gelöst, und so macht der künstlerische Anspruch sogar vor der ­Küche nicht halt. Pfannen, Töpfe oder Geschirr wurden nicht in die Einbauschränke einer modernen Küche verräumt, sondern hängen jederzeit griffbereit an den Wänden oder stehen offen in einem großen Hängeregal.

Generell spielen Farben für die Hausherrin eine ganz besondere Rolle. „In keinem Zimmer findet sich die Farbe Weiß“, betont Elisabeth von Samsonow voller Stolz und erzählt, mit wie viel Liebe sie jeden einzelnen Raum selbst in ein buntes Gewand gesteckt hat. So zieren zum Beispiel gemalte Quadrate wie Fliesen die Wände der Küche, Fenster wurden mit knalligen orange­farbenen Friesen versehen oder Türen mit bunten Kreisen beinahe psy­chedelisch verziert. Auch die Außenwände sind farbig: Ein kräftiges Blau ergänzt sich etwa ideal mit dem natürlichen Grün des Innenhofgartens.

Ein Leben in Einheit mit der Natur hat sich Elisabeth von Samsonow gewünscht – und in die Tat umgesetzt. „Meine Freunde haben mir alle geraten, gut zu isolieren“, erzählt sie von den Umbauarbeiten. Doch die guten Ratschläge waren vergeb’ne Liebesmüh. „Ich habe mein Haus entisoliert. Ich will mit der Erde leben und nicht in einem Spaceshuttle“, beantwortet sie die Frage nach dem Warum gleich selbst und schwärmt viel lieber von ihrer Heizung: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie toll es ist, mit Lehmwänden zu leben, in denen eine Wandheizung eingebaut ist.“

Und so sitzt Elisabeth von Samsonow auch an kalten Winterabenden zufrieden mit sich selbst bei einem flackernden Kaminfeuer in ihrem Heim und bemalt ­einige der wenigen letzten freien Ecken und Winkel.

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