Wohnbaustadtrat im Interview

 

Wohnbaustadtrat im Interview

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(c) Petra Blauensteiner


ÖSTERREICH: Herr Stadtrat, wie reagiert Wien darauf, dass die Energiepreise beim Wohnen immer teurer werden?
Michael Ludwig: Wien setzt seit Jahren auf eine konsequente ökologische Wohnbaupolitik. Energieeffizienz ist dabei zentral – sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung. So werden seit zehn Jahren nur mehr Wohnbauprojekte gefördert, die zumindest den Niedrigenergiestandard erfüllen. Parallel dazu forcieren wir die Passivhaustechnologie. Schon heute verfügt Wien über die höchste Dichte an mehrgeschoßigen Passivhäusern. Und in Wien-Landstraße planen wir die größte Passivhaussiedlung Europas. Im Bereich der Stadterneuerung und der Wohnhaussanierung setzen wir auf thermisch-energetische Wohnhaussanierung. Im Rahmen der Förderschiene Thewosan werden bis zu zwei Drittel der Sanierungskosten von der Stadt Wien gefördert. Damit leisten wir nicht nur einen Beitrag zum engagierten Klimaschutzprogramm der Stadt Wien, sondern wir entlasten auch die Bewohnerinnen und Bewohner. Denn für sie reduzieren sich die Heizkosten nach einer Thewosan-Sanierung im Durchschnitt um 50 Prozent, manchmal sogar um bis zu 75 Prozent.

ÖSTERREICH: Es wird immer wieder vorgeschlagen, die Wohnbauförderung neu zu strukturieren. Wie ist Ihre Position dazu?
Ludwig: Die Wohnbauförderung hat eine wesentliche sozialpolitische Funktion. Sie ist das zentrale Instrument, um den Menschen nachhaltig leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Der geförderte Wohnbau hat eine preisdämpfende Wirkung auf den gesamten Wohnungsmarkt. Explodierende Mieten, Immobilienspekulation oder gar Wohnungsnot, wie in vielen anderen Großstädten, gibt es in Wien nicht. Dafür wenden wir alleine im Jahr 2008 mehr als 600 Millionen Euro für den Bereich Wohnen auf. Das heißt, wir legen zu den rund 460 Millionen Euro, die Wien über den Finanzausgleich bekommt, noch einmal 140 Millionen Euro drauf – für Neubau, Sanierung von Altbauten und Subjektförderung, also direkte finanzielle Unterstützung sozial Schwächerer. Außerdem koppeln wir die Wohnbauförderung im Rahmen des Wiener Klimaschutzprogramms KliP an Maßnahmen für den Schutz des Klimas. Ich trete daher für eine klare Zweckbindung der Wohnbauförderungsmittel für Wohnen ein. Ich warne davor, notwendige Klimaschutzmaßnahmen ausschließlich mit Wohnbauförderungsmitteln zu finanzieren, die ja seit Jahren eingefroren sind und damit real sinken. Eine Anhebung der vom Bund eingefrorenen Mittel wäre notwendig.

ÖSTERREICH: Sie sind dagegen, ausschließlich Passivhaustechnologien zu fördern?
Ludwig: Eine gesetzliche Festschreibung, ausschließlich Wohnhäuser mit Passivhausstandard zu fördern, halte ich für falsch. Denn Ziel der Wohnbauförderung muss die Schaffung von leistbarem Wohnraum bleiben. Projekte, die den Passivhausstandard erfüllen, werden in Wien aber sogar noch zusätzlich gefördert. Die Erfahrung zeigt uns aber, dass es keinen Sinn macht, nur auf diesen Standard zu setzen. Letztlich ist es ­eine Frage der vernünftigen Anwendbarkeit und der Kosten. Manchmal erzielt man mit demselben Einsatz bei der Wohnhaussanierung einen viel größeren Erfolg in Sachen Energie- und CO2-Einsparungen.
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