Urbanes Leben mit erdigem Flair

Homestroy 52

Urbanes Leben mit erdigem Flair

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, ein Künstler ist Stefan Wildner nicht. Zumindest nicht mehr im Hauptberuf. Denn als er sich nach Jahren als durchaus erfolgreicher Profimusiker schließlich noch für einen Studienabschluss entschied, kehrte er der verrückt-bunten Künstlerwelt vorläufig den Rücken. Doch dass der klinische Psychiater nicht ganz ohne Kreativität und Kunst leben mag, das beweisen seine Hobbys – und vor allem seine Wohnung. „Einrichten bedeutet für mich nicht in starren Konzepten zu denken, sondern meiner Fantasie freien Lauf zu lassen“, lautet daher auch erwartungsgemäß sein Wohncredo, das er mit allen Mitteln der Kunst erfolgreich in die Tat umgesetzt hat. Stefan Wildner weiter: „In meiner Wohnung muss eine gewisse Musikalität in allen Räumen spürbar sein.“ Und damit ist nicht allein der imposante Konzertflügel im Wohnzimmer gemeint.

In der Tat scheint es in den Zimmern und Salons dieser 140 Quadratmeter großen Altbauwohnung unweit der Wiener City zu swingen – atmosphärisch versteht sich. Ob das an der guten Laune des Bewohners, an der ungewöhnlichen Mischung der Möbel oder schlichtweg an der aufkommenden Frühlingssonne liegt, sei dahingestellt.

Fest steht, dass diese Wohnung gefällt: Eine gelungene Mischung aus privatem Lebensraum und Arbeitsplatz – dem „Psychiatrischen Institut“ des Arztes. Eine Ordination weit weg von dem, was man sich unter dem Behandlungszimmer eines Seelendoktors landläufig vorstellt. Selbst die Freud’sche Couch sucht man hier vergebens. Doch der Reihe nach. Durch die massive Doppelflügel-Eingangstür betritt man einen großzügigen Flur. „Diesen Raum nutze ich sowohl als Rezeption wie auch als Privatbüro.“ Eine lange Theke wirkt zwar als Raumteiler, nimmt sich durch ihr schlichtes Design in ihrer Wirkung jedoch so weit zurück, dass die Lockerheit des Raumes nicht zerstört wird.

Mit diesem besonderen Möbelstück ist das keine große Kunst: Hat die Theke ihren Ursprung doch in einem Entwurf von USM Haller, einer schweizer Design- und Möbelfirma, die mit ihren Möbelbausystemen sogar Eingang in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art in New York gefunden hat.

Bestimmte Möbelklassiker haben es dem Arzt überhaupt angetan: So findet sich USM Haller auch noch im Wohnzimmer in Form eines grell-orangen Schubladenschrankes, der als Trägertisch für den Fernseher genutzt wird.

Ebenfalls in Orange gehalten ist die Sitzgarnitur: Das Model „Charles“ aus dem italienischen Haus „B & B“ – auch ein Klassiker. Ins Auge fällt ein 70er-Jahre Sessel von Luigi Colani, dem deutschen Design-Meister mit dem klingenden italienischen Namen.

Diese modernen Wohnelemente bilden einen ganz hervorragenden Gegensatz zum alten Konzertflügel in der sogenannten Musik-Ecke des Wohnzimmers. Hier schließt sich der Stil-Kreis in dieser bunt zusammengewürfelten Mischung in einer Wiener Altbauwohnung fast perfekt.

„Ich muss in meiner Wohnung genug Luft haben, um jederzeit auch umstellen zu können“, sagt der durchaus talentierte Hobby-Innenarchitekt mit dem Brustton der vollen Überzeugung. Folgerichtig lassen sich so gut wie alle Möbel und Einrichtungsgegenstände leicht in den Räumen verschieben – je nach Gusto und Tagesverfassung. Das gilt übrigens auch für dekorative Elemente: Die zeigen sich eher spärlich, und wenn, dann mit einer eindeutigen Funktion. So wurde etwa im Behandlungsraum neben dem gusseisernen Kamin („Meine Heizung für die Übergangszeit“, Stefan Wildner) das Holz gleich meterweise mitten im Raum gestapelt. Davor hat Wildner ein sportliches Citybike recht malerisch in Szene gesetzt. Die Botschaft: Neben dem vollendeten Designer-Schick herrscht hier eine gewisse Erdverbundenheit.

Statt mit edel polierten Hochglanzflächen präsentiert sich die Küche eher bodenständig und praktikabel. Freilich, ein kleines japanisches Designer-Gustostückerl hat sich auch hier eingeschlichen: ein Regal von Nogutschi.

Fein säuberlich geordnet stehen hier Tassen, Teller und so manche Ziergegenstände in Reih und Glied und fügen sich somit nahtlos in das bunte Muster der ganzen Wohnung ein. „Lieblingsfarben habe ich keine“, vergisst Wilder nicht zu erwähnen. „Es gefällt mir, oder es gefällt mir nicht.“

Es darf ausgesprochen werden: An Kreativität, an fast kindischer Freunde an Farben, Formen und Stilen mangelt es in dieser Wohnung nicht. Dafür sprechen nicht nur die vielen Bilder an den Wänden, sondern vor allem der überdimensionale Wandschmuck, der sich wie ein antikes Fries an den Wänden des großen Salons entlang zieht.

„Diese Bilder habe ich eigenhändig vor der Zerstörung gerettet und von einer Müllhalde wegtransportiert“, erzählt Stefan Wildner. Diese Wandgemälde stammten in der Tat von einem alten Wandverbau des Wiener Flughafens, der bei Umbaumaßnahmen sachkundig – eher im Sinn von Entsorgung, weniger im Sinn von Kulturguterhaltung – abgerissen wurde. „Immerhin handelt es sich bei diesem Künstler um einen Bühnenbildner von Max Reinhardt namens Stephan Slawa“, klärt Herr Doktor noch auf und meint abschließend mit einem süffisanten Lächeln. „Irgendwann wollte der Flughafen das Fries dann wieder zurückkaufen“. Dieser Versuch dürfte, wie die Wohnung beweist, gescheitert sein.

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