In Wien bauen Stars und junge Wilde

 

In Wien bauen Stars und junge Wilde

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(c) Stadt Wien "Schmetterling"

Vom britischen Sir Norman Foster, der als Vordenker den ersten Masterplan für „Eurogate“, Europas größte Passivhaus-Siedlung, entwarf, bis zu den „jungen Wilden“, die etwa „Stairs and Stripes“ an der Alten Donau entwarfen – die Architekturszene in Wien lebt und bebt.

Wohnbau des 21. Jahrhunderts
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig erklärt seine Philosophie des Wohnbaus des 21. Jahrhunderts so: „Neue Familienformen, höhere Lebenserwartung, verstärkte Mobilität und Flexibilität in der Arbeitswelt stellen neue Herausforderungen dar. Es geht um maßgeschneiderte Lösungen und innovative Konzepte.“

Umgesetzt wird das in Wien durch einen ganz besonderen Mix: „Seit Jahrzehnten engagieren sich im geförderten Wiener Wohnbau österreichische und internationale Top-Architekten. Das ist der Weg, den ich fortsetzen werde. Ergänzt wurde und wird das durch die gezielte Einbindung junger heimischer Architekten“, erklärt Ludwig.

Eines der aktuellsten Beispiele dafür ist die neue Stadt in der Stadt, Eurogate:
Noch in den 90er Jahren wurde Sir Norman Foster mit der Entwicklung eines Masterplans für das brachliegende Areal auf den Gründen der ehemaligen Aspangbahn in Landstraße betraut.

Foster „erfand“ die Bezeichnung „Eurogate“ und entwarf ein visionäres Konzept. Einige Jahre später, viele Vorzeichen etwa in Sachen Verkehrspolitik hatten sich geändert, wurde auf Basis von Fosters Entwurf in Wien ein städtebau­licher Wettbewerb durchgeführt – den der heimische Architekt ­Albert Wimmer gewann.

Wiener bauen Eurogate
Im Vorjahr fiel dann die endgültige Entscheidung, Eurogate als größte Passivhaus-Siedlung Europas zu errichten – und daraus ein internationales und ökologisches Vorzeigeprojekt zu machen.
Umgesetzt wird das ehrgeizige Ziel auf sieben Einzel-Bauplätzen von heimischen Architekten, wie eben Wimmer, Feichtinger Architectes, Krischanitz und Frank, Schindler und Szedenik, Johannes Kaufmann oder Tillner und Willinger.
Wimmer über sein Projekt: „Es vereint Neugestaltung und Erfüllung städtischer Vorgaben. Locker gesetzte, gründurchlässige, teils aufgeständerte Baukörper schaffen eine übergeordnete, haltbare Struktur, die weite Blickachsen freigibt.

Die Umsetzungsphase des ersten Bauabschnitts hat begonnen. Die Grundvoraussetzungen für diese in Europa aufgrund der Größe, dem Innovationsgehalt sowie dem qualitativen Anspruch – bei leistbaren Kosten – bisher einzigartige Passivhaussiedlung sind damit gesetzt.“

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Gasometer Wien

Weltstars in Wien

Eurogate ist eine Kombination, die in Wien mittlerweile fast schon Tradition ist. Einzigartig ist etwa die architektonische Heimholung des 2006 verstorbenen Stararchitekten Harry Seidler. Der vor den Nazis nach Australien geflüchtete Wiener hatte schon in aller Welt, zwischen seiner Wahlheimat Sydney und Acapulco in Mexiko, gebaut. 1993 kehrte Seidler mit der Wohnhausanlage Donaupark quasi auch bautechnisch in seine Heimat zurück – von ihm bleiben daneben der „Seidler-Turm“ an der Neuen Donau (Bild links) oder etwa der Masterplan für einen Teil des Thürnl­hofs in Simmering – den junge Architekten realisieren. Ähnlich die Rolle des Franzosen Jean Nouvel: Er entwarf die kühnen Pläne für den westlichsten der vier Gasometer-Türme. Heute wird davor – als ideale optische Ergänzung – der schräge Wohnpark „Ville Verdi“ errichtet.

Der ideale Mix
Wie überhaupt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei der Gestaltung des Wohnbaus der Zukunft einen bunten und bedarfsgerechten Mix bevorzugt: Die Wohnhausanlage „Stairs and Stripes“ mit 14 geförderten Mietwohnungen oder das neue Projekt in der Erzherzog-Karl-Straße in Donaustadt, sind Produkte von „Jungarchitekten-Wettbewerben“. Als junge Architekten oder junge Architekturbüros galten dabei Unternehmen, deren Gründung weniger als sieben Jahre zurückliegt, oder deren GesellschafterInnen mehrheitlich jünger als 45 Jahre sind.

„Die Förderung junger Architektinnen und Architekten liegt mir ganz besonders am Herzen. Wir haben hier ein hervorragendes Potenzial kreativer Köpfe, die ganz neue Ansätze in den Wiener Wohnbau bringen können“, erklärte Ludwig. An einem weiteren Beispiel, nämlich dem Projekt Rautenkranzgasse, trete dies deutlich zutage: Das Architektenduo Pesondorfer & Machalek habe die komplexe Bauaufgabe auf besonders innovative und architektonisch ansprechende Weise gelöst.

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Thürnlhof Simmering

Wien macht’s möglich

Dass sich die Wiener leisten können, in feinsten Wohnanlage, etwa aus der Hand der heimischen Weltstars von Coop Himmelb(l)au am Wienerberg zu leben, hat auch seinen Grund: Die Stadt gibt Hunderte Millionen Euro (alleine heuer mehr als 600 Millionen Euro) für die Wohnbauförderung aus – so wird die Grundvoraussetzung dafür geschaffen, dass qualitativ hochwertige Wohnbauprojekte, die in anderen Städten nur frei finanziert denkbar sind, überhaupt für Mieter erschwinglich sind – und dass es eine pulsierende Architekturszene in der Stadt überhaupt geben kann.

„Neue Grundrisse, flexible Innenraumgestaltung, Multifunktionalität und Mehrfachnutzung von Wohnflächen, neuartige Übergänge vom privaten in den öffentlichen Raum sowie soziale Grünraumgestaltung sind dabei nur einige der wesentlichen Aspekte, die im geförderten Wohnbau in Wien bereits heute eine zentrale Rolle spielen. Durch viel Kreativität und Innovationskraft wird Wien auch im 21. Jahrhundert seiner sozialen Verantwortung gerecht werden“, erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei den letzten Alpbacher Architekturgesprächen.

Anzusehen sind Beispiele, für das, was Ludwig damit meint, etwa bei Rüdiger Lainers Terrassenhaus auf den ehemaligen Tarbuk-Gründen – unter dem Motto „Licht und Sonne“ haben dort alle 250 geförderten Mietwohnungen Loggien, verglaste Veranden oder Patios mit einer Pergola.

Ebenso großzügig – und durch Mittel der Wohnbauförderung unterstützt – ist Helmut Wimmers „Schmetterling“ in der Cumberlandstraße 53 in Penzing angelegt – an dieser Wohnhausanlage besticht vor allem die Familienfreundlichkeit, die sich aus dem riesigen Grünraum in der Anlage ergibt, und in der es vom Spielplatz bis zum Swimming Pool alles gibt, was ein Kinderherz nur begehren kann.

Wienerberg City
Was Eurogate in der Zukunft sein wird – eine Mischung aus Ästhetik, Innovation und sozialer Dimension des Wohnens –, ist etwa die Wienerberg City heute schon. Dort wurde von mehreren Architekten eine völlig neue Mischung aus Wohn- und Bürobauten geschaffen. Von den „hängenden Gärten“ in der Hertha-­Firnberg-Gasse bis zum 18-stöckigen Wohnhaus von Wolf P. Prix und seinem Büro Coop Himmelb(l)au. Dort wird in geförderten und teilweise auch frei finanzierten Wohnungen edelste Optik mit hoher Lebensqualität – etwa dadurch, dass es eine wunderbare Fernsicht, Loggien und eigene Garagenplätze gibt – geboten.

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Liesinger Brauerei

Coop in Liesing

Für ein ganz besonderes Projekt im Süden Wiens hat Coop Himmelb(l)au zuletzt auch den Masterplan entworfen: Die Bebauung der ehemaligen Liesinger Brauerei stellt wohl eine der spannendsten architektonischen Herausforderungen der Gegenwart dar. Prix und Co. haben sich vielleicht bei einem Fußballmatch den richtigen Kick für dieses Projekt geholt: Sie machen einfach die Welle – und Architekten wie Delugan Meissl realisieren das Projekt.

Einer der auffallendsten Bauten am Areal der Liesinger Brauerei stammt vom Architekturbüro Delugan Meissl. 55 geförderte Miet- und 34 Eigentumswohnungen sind in der „Welle“, wie das Projekt im Liesinger Volksmund heißt, geplant. Es ist dies die kreative Umsetzung eines Masterplans aus dem Lehrbuch, wie Experten und Insider sagen, weil Delugan Meissl die Vorgaben des Masterplans von Coop Himmelb(l)au höchst innovativ in ein konkretes Projekt einfließen ließen – und daraus ein städtebauliches Prunkstück entwickelten.

Entlang des Liesingtals in der Breitenfurter Straße entsteht hier eine städtebauliche Verbindung von neuen Formen der Urbanität mit dem Grünraum entlang des Tals und des nahen Wienerwalds. Hier, in der Breitenfurter Straße, entstehen auf drei Bauplätzen 334 geförderte Miet- und 34 geförderte Eigentumswohnungen.

Thürnlhof – Grünes Simmering
Nicht minder anspruchsvoll ist etwa auch der Thürnhof – eine Wohnoase im grünsten Teil Simmerings. Auf acht Bauplätzen, für deren westlichen Teil der Masterplan noch aus der Feder des verstorbenen Harry Seidler stammt, entstehen und entstanden schon rund 900 Wohnungen vom Feinsten. Im Mittelpunkt der Planungen stand die Idee, einen neuen Stadtteil für Familien zu schaffen, bei dem besonders viel Wert auf Kinder- und Familienfreundlichkeit gelegt wird.

„Die laufende Entwicklung innovativer Konzepte für Bau- und Wohnkulturen ist das Gebot der Stunde“, erklärt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Wien arbeite bereits heute an den Lösungen für morgen – mit Kreativität und Innovationskraft will Wien seine internationale Vorreiterrolle im geförderten Wohnbau erhalten und weiter ausbauen.
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