Wohnen in Schwarzweiß

Homestory 32

© Astrid Bartl

Wohnen in Schwarzweiß

Wer meint, dass der bekannte Eislutscher an der Wand das Übrigbleibsel einer feucht-fröhlichen Sommerparty ist, der irrt. „Another Brickerl in the wall“ heißt dieses Kunstwerk des Malers Andreas Leikauf – und ist das erklärte Lieblingsstück in der neuen Wohnung von Christoph Koch. Gut 115 Quadratmeter Wohnfläche plus zwei Terrassen mit insgesamt 40 Quadratmeter hat sich der PR-Profi ganz nach seinen Vorstellungen im fünften Wiener Bezirk ausgebaut. Ein überzeugender Mix aus internationalem Design und eigenen Ideen: besonders trendy und dennoch individuell auf die Bedürfnisse des Bewohners hin ausgerichtet. „Schon als Kind habe ich bereits von einer zweigeschossigen Wohnung geträumt“, erzählt Christoph Koch von der nervenaufreibenden Suche nach seinem neuen Refugium. Freilich: Mit den Jahren ist auch der Wunsch nach einer schicken Dachterrasse hinzu gekommen. „Außerdem war es mir auch wichtig“, so Koch weiter, „Ausstattung und Aufteilung der Räume selbst bestimmen zu können.“ Wie mühsam diese Entscheidung letztlich war, davon kann der Bauherr ein langes Lied singen. Das Endergebnis entschädigt jedoch für all die Mühen und Qualen.

Nur Schlafzimmer und Bad bilden in dieser großzügigen Wohnanlage eigene Einheiten. Alle anderen Segmente wie Essen, Leben oder Kochen wurden in einen einzigen großen Raum über zwei Stockwerke integriert – verbunden über eine geschwungene Freitreppe aus nacktem Beton. Christoph Koch: „In meiner Wohnung mag ich naturbelassene Materialien wie Beton, Stein oder einfach nur rohes Eisen.“ Ein Mix der auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Materialien, der sich jedoch in Summe betrachtet harmonisch verbindet. Vielleicht auch deswegen, weil bewusst auf zu viel Hochglanz zu Gunsten der Natürlichkeit verzichtet wurde. Etwa bei den Fußböden: Im oberen Stockwerk sorgt geräucherte Buche für viel Gemütlichkeit, gekalkte Buche unterstützt im Gegensatz dazu den Schwarzweiß-Effekt im unteren Bereich und verbindet sich ganz vortrefflich mit den mattweiß lackierten Böden im Wohnzimmerbereich.

Dieser Hell-Dunkel-Kontrast spiegelt sich auch an den Wänden wieder: Hier trifft reinstes Weiß auf ein sattes Grau in Anlehnung an den Beton und das verwendete rohe Eisen. Farbtupfer erzeugen die modernen Gemälde oder die Kaminwand aus roten Ziegeln. „Die Kaminwand war bereits perfekt verputzt“, erzählt Christoph Koch von den Umbauarbeiten. „Ich bin sicher, die Handwerker werden mich ein Leben lang hassen, weil sie alles wieder abschlagen mussten.“ Auch die Ausstattung des Badezimmers mag vielleicht für so manches Kopfschütteln bei den Professionisten gesorgt haben. Schwarzer Schiefer an den Wänden, am Boden und an der Decke ist schließlich nicht an der Tagesordnung – und punktet auf ganzer Linie. Nicht zu vergessen: Die versteckt in der Decke eingelassene Regendusche komplettiert dieses Badezimmer ganz ohne Wanne. „Meine Badewanne steht auf der Terrasse“, ergänzt Christoph Koch. „und lässt sich von Innen heraus sogar beleuchten!“

Ein weiteres Gestaltungselement in den Räumen sind Vorhänge: Gedacht nicht als Schutz vor neugierigen Blicken an den Fenstern, sondern als Gestaltungselemente in den Räumen. Fehlende Wände lassen sich damit genauso andeuten wie an sich nackte Wände mit einer interessanten Struktur versehen. „Inspiration hole ich mir am liebsten auf meinen Reisen in den großen Designer-Hotels“, erzählt Christoph Koch: Nachsatz: Die Vorhang-Idee stammt von Philippe Starck in dem von ihm gestalteten Hotel „Delano“ in Miami, Florida. Generell hat der französische Design-Guru einen großen Einfluss auf die Ausstattung der Kochschen vier Wände: Die bekannten Plexiglas-Sessel des Designers stehen um den großen aus Frankreich importierten Esstisch – angeblich gefertigt aus dem Boden eines Loire-Schlosses. Auch der vom Wohnungsbesitzer entworfene Schrank aus rohem Stahl und unbehandelten Holz erinnert an den Meister. Die Küche, auf der anderen Seite des Essbereichs, ist ebenfalls schlicht und einfach gehalten: schwarze Oberflächen, weiße Arbeitsplatten und viel Edelstahl. Auch Stark? – „Nein, ein schwedisches Designer-Haus“, antwortet Christoph Koch und gibt auch einen gewissen Pragmatismus zu. „Auch die Couch in Wohnzimmer habe ich dort gekauft.“ Eine passende Ergänzung zu den beiden ausgesprochen hübschen Hockern, dem „Barcelona-Chair“ von Mies van der Rohe nachempfunden.

Die kühle Ästhetik seines großen Design-Meister hat Christoph Koch bewusst unterbrochen und in seinen vier Wänden auch für gemütliche Ecken gesorgt. Etwa im kleinen Kaminzimmer in der oberen Etage: Aus so genannten Sichtbeton wurde ein offener Kamin als Unikat direkt in der Wohnung gegossen und an der Wand aufgestellt. Das besondere daran: Der Kamin ist zu zwei Seiten hin offen und verteilt auf diese Weise seine gemütliche Wärme im ganzen Stockwerk. Aber noch ist keine Zeit, um das Kaminfeuer zu genießen. Auch wenn die Terrasse noch nicht begrünt ist, so ist sie der erklärte Lieblingsplatz von Christoph Koch in seiner neuen Wohnung: „Es gibt doch nichts schöneres, als an einem lauen Sommerabend im Freien zu sitzen und über die Stadt blicken zu können.“

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